Das Lahntal von Wetzlar bis Limburg 10

In die Diezer Vorstadt wurde 1317 das wenig ältere Wilhelmitenkloster verlegt. Die Klosterkirche St. Anna ist ein kleiner Bau des 14. Jh., 1650-52 zu einer flachgedeckten Saal¬kirche umgebaut; diesem Umbau gehört auch die Kirchentür im frühbarocken Knorpelstil an. Ihr bedeutendster Schatz sind die Glasgemälde im Mittelfenster des Chors aus den Jahren um 1350/60. Die in drei Streifen angeordneten Felder stellen in 18 Szenen, je von unten nach oben zu lesen, das Leben und die Passion Christi dar. Die Statue der Anna selbdritt (= Anna selbst, zu dritt mit Tochter Maria und Enkel Jesus) ist ein wichtiges Werk aus dem frühen 16. Jh., von einem unbekannten Meister, den man am Brustlatz der Kleidung erkennt und danach auch benannt hat (Meister mit dem Brustlatz). Die Kanzel entstand 1753 (Martin Volk), die Orgel 1749 (Joh. Christian Köhler).
Eine ganz besondere Kirche steht etwas weiter außerhalb – die Palottinerkirche (Frank- furter/Ecke Wiesbadener Straße). 1896-98 wurde die Ordensniederlassung gegründet. Die Kirche erbaute Architekt Hubert Pinand in den Jahren 1924-27 als ein Musterbeispiel des Expressionismus. Dem Entwurf liegt der Parabelbogen zugrunde. Parabelförmig sind der Querschnitt des Langhauses und des etwas schmaleren Chors, die Arkaden zu den Seiten¬schiffen, die damit sphärisch in die Langhauswände einschneiden, die Obergadenfenster des Langhauses und die gestaffelten Fenster des Chors. Äußerlich wirkt die Kirche als dreischiffige Basilika mit Doppelturmfassade in den Grundformen dagegen durchaus traditionell. Den Hochaltar schuf Karl Baur. – Einige erwähnenswerte Bauten aus den 20er Jahren des 20. Jh. entwarf der Architekt Willy Bungarten, so den Backsteinbau Haus Rieht am Dietkirchener Weg 7; an der Planung des Priesterseminars auf der nördlichen Lahnseite war neben den Gebrüdern Rummel Dominikus Böhm beteiligt. – Die bedeutende, im Zweiten Weltkrieg jedoch gesprengte Autobahnbrücke im Osten des Limburger Domhügels entwarf der Archi¬tekt Paul Bonatz.
Die Lahn windet sich von Limburg aus durch das Bundesland Rheinland-Pfalz vorbei an den Orten Nassau und Bad Ems bis Lahnstein, wo sie unmittelbar südlich von Koblenz in den Rhein mündet.
Nördlich der Lahn stoßen wir auf die Ausläufer des Westerwaldes, der sich über den Grenz¬bereich der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erstreckt. Nicht allzuweit von Weilburg und Löhnberg entfernt liegt das Städtchen Merenberg. Es weist mit der Burgruine samt Bergfried aus dem 14. Jh., der Stadtbefestigung, dem als Schalenturm gebauten Torturm, der evang. Pfarrkirche von 1719 mit bemerkenswerter Kanzel und Orgel und einigen Fachwerkhäusern (Mittelstr. 3 von 1682) alle Komponenten einer im nassaui- schen Mittelgebirge liegenden Stadt auf, die der Besucher erwartet. – Die kath. Pfarrkirche St. Johann in Lahr (Waldbrunn) ist eine unvergleichlich gut erhaltene spätromanische Basilika aus der ersten Hälfte des 13. Jh., sogar noch mit dem ursprünglichen Dachwerk. – Die alte kath. Kirche in Dorchheim dient heute als Friedhofskapelle. Es stehen noch das Hauptschiff und der Chor eines Kirchenbaues des 12. Jh., den vermauerten Arkaden an der Nordseite kann man ablesen, daß sich dort einst ein Seitenschiff befand. Teilweise ist die ursprüngliche Balkendecke noch erhalten, Aufmerksamkeit erregen vor allem die Schnitzereien der jünge-ren, gotischen Balkendecke, ferner die gotischen Wandmalereien im Chor. 1905/06 errich¬tete man die neue kath. Kirche.
Das Schloß Hadamar gehörte bis zur jüngsten, die Bausubstanz erheblich beeinträchtigen¬den Sanierung (Hessisches Staatsbauamt) zu den bedeutendsten im Bundesland Hessen, nicht zuletzt durch seine Ausstattung mit Stuckdecken bis in das Dachgeschoß hinein und bemer¬kenswerten Baubefunden aus Mittelalter und Neuzeit. Das Schloß ist dreiflügelig und heute nach Westen, zu einem kleinen Bach mit großem Namen (>Elbe<), offen. Nord- und Ostflügel bergen in sich das Mauerwerk eines im späten 12. Jh. entstandenen Eberbacher Klosterhofs, der 1323 von Graf Emicho angekauft wurde, um eine Residenz der vorübergehend selbstän¬digen Grafschaft Nassau-Hadamar zu schaffen. 1557 fiel Hadamar an Nassau-Dillenburg und war ab 1606 erneut für ein Jahrhundert Residenz einer eigenen Nebenlinie. Eine bescheidene Erneuerung des Schlosses ist in den Jahren ab 1566 zu verzeichnen, umfassend dagegen sollte der Ausbau in den Jahren 1612-29 werden. Bei dieser Gelegenheit erweiterte man das Schloß um einen Südflügel (1622-29) samt einer Schloßkapelle und einen – inzwischen wieder ver¬schwundenen – schmalen Westflügel. Als am Bau Beteiligte werden Baudirektor Johann Hederich Sprenger und ab 1616 Joachim Rumpf erwähnt. Das mittelalterliche Mauerwerk ist in Form schmaler Lanzettfenster im Sockelgeschoß des Ostflügels ablesbar. Im übrigen wurde der Ostflügel 1614-17 (Bauinschriften) grundlegend umgestaltet.
Ein besonderes Problem für die Baugeschichte stellen die Schloßkapellen dar. Am Ostflügel hat sich der mittelalterliche, über zwei Geschosse reichende (jedoch heute unterteilte) Chor¬raum erhalten, der nach neueren Forschungen in die Klosterzeit datiert werden muß. Er endete mit einem %-Schluß und war eingewölbt. Das zugehörige Langhaus gibt es nicht mehr. In beiden Geschossen führt jedoch ein Triumphbogen der späten Renaissancezeit (Bauphase 1614-17) auf den Chorraum zu, der zu dieser Zeit offenbar noch genutzt wurde. Die Stuckdecke im oberen Chorraum bezieht sich auf den (heutigen) unterteilten Zustand. Sie gehört jedoch auch der späten Renaissance an und entstand wahrscheinlich um 1630. 1622-29 baute man die neue Kapelle im Südflügel, die mit ihren umlaufenden hölzernen Emporen ausgesprochen protestantisch wirkt. Die Lösung der Frage dieser drei kurz aufein¬anderfolgenden Kapellen(um)bauten an zwei Stellen dürfte im Übertritt des Grafen zum katholischen Glauben, während seine Gemahlin calvinistisch blieb, zu suchen sein. Dies machte die Errichtung der zweiten Kapelle nötig. 1614 scheint man eine erste repräsentative Kapelle in der gotischen Kirche eingerichtet zu haben, 1622 eine repräsentativere im Südflügel gebaut zu haben, die fortan dem katholischen Gottesdienst diente, worauf die kurz zuvor erneuerte Kapelle im Ostflügel für den calvinistischen Gottesdienst neu eingerichtet (und verkleinert) wurde. Dafür entfernte man das gotische Gewölbe des Chors, zog eine Zwi¬schendecke ein und versah den Raum mit einer flachen Stuckdecke mit dem Pelikan als einem im Protestantismus beliebten Symbol Christi. Die Verbindung aus politischen Erwägungen (Glaubensübertritt), repräsentativen Bedürfnissen des Grafen und seiner Toleranz waren Ursache für diese komplizierte Baugeschichte.
Der Südflügel enthält weiterhin außer einer Durchfahrt zum Wirtschaftshof die eindrucks¬volle gewölbte Schloßküche mit einem großen begehbaren Küchenkamin. Äußerlich sind vor allem die geschwungenen Giebel eindrucksvoll sowie der schlanke hoch aufragende Treppen¬turm im Schloßhof am Übergang zum abgebrochenen Westflügel, innen mit einer kunst¬voll geschwungenen Treppenspindel. Das Innere verfügt, außer den erwähnten Stuckdecken, über gemalte Portalgewände der Renaissance, aber auch über einige Raumausstattungen der Jahre zwischen 1698 und 1705 mit Wand- und Deckenstukkaturen aus der Werkstatt Eugenio Castellis, der besonders den Großen Saal im Südflügel verziert hat. Südlich sind dem Kernschloß zwei Wirtschaftshöfe angefügt, der Marstallhof (1619-25) und der Fohlenhof (1625-27).

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