Rheintal und Bergstraße 8

Der ehern. Mainzer Amtshof (Amtsgasse 5, Museum für Stadtgeschichte und Volkskunde) hat einen Hauptbau mit gleich altem turmartigem Vorbau zum Hof. Die Gebäudekanten bestehen z.T. aus Buckelquadern, vielleicht noch aus dem 13. oder frühen 14. Jh. Im Turmobergeschoß kennzeichnet ein Chörlein eine Kapelle der Zeit um 1400. Der Kurfürstensaal enthält Wand¬malereien der Epochen um 1380, nach 1461 und 1576. Der Treppenturm wurde in der ersten Hälfte des 16. Jh. hinzugefügt. Zu den Nebengebäuden gehört das Kelterhaus des frühen 18. Jh. Die Starkenburg (die einst der ganzen Provinz den Namen gegeben hat) oberhalb Heppenheims wurde durch das Kloster Lorsch bereits 1065 gegründet und fiel 1232 an Mainz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte zunächst der festungsartige Ausbau, dann jedoch (im 18. Jh.) der Verfall und Abbruch wesentlicher Teile; zuletzt brach man den 1680 erneuerten Palas ab und sprengte 1924 den Bergfried. – In Birkenau südlich von Heppenheim stoßen wir mit dem Rathaus auf ein Werk des Baumeisters Hanns Stainmiller aus Wertheim (1552) sowie mit der evang. Pfarrkirche auf einen Bau Georg Möllers (1818-20). In Birkenau saßen vom 16. bis 18. Jh. die Freiherren Wambolt (Wamboldt) aus Groß-Umstadt.
Die Torhalle von Lorsch gilt als Inbegriff der spätkarolingischen Architektur in Deutsch¬land (Weltkulturerbe der UNESCO seit 1992), dabei ist sie nur der Rest einer einst großartigen karolingischen Klosteranlage. Vor 764 gründete Gaugraf Cancor auf seinem Besitz ein Kloster, das er dem Bischof von Metz schenkte. Dieser setzte lothringische Benediktiner aus Gorze ein und stattete das Kloster mit bedeutenden Reliquien aus, nämlich den Gebeinen des Märtyrers Nazarius. Bereits 772 unterstellte sich der Abt Karl dem Großen, und Lorsch wurde damit zum
Reichskloster, der Abt zum Reichsfürsten. In den nächsten Jahrhunderten sollte die Verbin¬dung zwischen Reich und Kloster eng blei¬ben. Doch im 13. Jh. sank die Bedeutung Lorschs rapide, als das Kloster 1228 den Bene¬diktinern entzogen und dem Mainzer Bischof unterstellt wurde. Zur Propstei umgewan¬delt, geriet es durch Verpfändung 1461 an Kurpfalz, und die dortige Reformation 1556 führte zur Aufhebung und dem anschließen¬den Verfall, beschleunigt infolge der Zerstö¬rung der Abteikirche durch spanische Trup¬pen 1621. Die Torhalle entstand nach jüng¬sten Forschungen Mitte des 9. Jh., vielleicht durch König Ludwig III. den Jüngeren geför¬dert. Sie befand sich innerhalb eines geräumi¬gen Vorhofs, der sie umschloß und bis zur Westfassade der Klosterkirche reichte. In nahezu vollkommener Erhaltung zeigt sich der karolingische Baukörper mit zwei Ge¬schossen, drei Durchgängen und beiden Trep¬pentürmen, nur die außen kaum zu bemer¬kende Erhöhung des oberen Stocks und das steilere Dach sind spätgotisch (14. Jh.). Ein¬zigartig ist die Wanddekoration aus Halbsäulen mit Kompositkapitellen im unteren Geschoß sowie schmalen Pilastern in dichter Folge und spitzgiebeligen Bekrönungen im oberen. Die zweifarbigen Steine der Mauerfläche ergeben ein Fliesenmuster aus Rauten bzw. Sechsecken. Die karolingischen Kapitelle sind anscheinend Spolien und rund ein Jahrhundert älter als die Torhalle selbst. Das Innere birgt im Ober¬geschoß spätestens seit dem 14. Jh. eine Kapelle, für die seinerzeit eine Holztonne eingezogen wurde; die Nutzung dieses Raums in karolingischer Zeit ist nicht überliefert. Der Raum wurde ursprünglich mit einem architektonischen Gliederungssystem ausgemalt, das teilweise er¬halten ist; im 14. Jh. entstanden neutestamentarische Bilder, u. a. eine Marienkrönung mit musizierenden Engeln auf der Mauer des himmlischen Jerusalem (mit erheblichen Abweichun¬gen ergänzt). – Von der im 12. Jh. erneuerten Klosterkirche St. Peter und Paul und St. Nazarius blieben die drei westlichen Mittelschiff joche mit vermauerten Arkaden erhalten, da diese Reste nach 1621 als Speicher genutzt werden konnten; von den übrigen Klostergebäuden steht ledig¬lich noch eine spätmittelalterliche Zehntscheune. Das Innere dient heute als Lapidarium für eine Reihe interessanter Fundstücke. Von besonderer Bedeutung ist ein spätkarolingischer Stein¬sarkophag, dessen Pilasterdekoration derjenigen der Torhalle ähnelt; er barg wahrscheinlich die Gebeine König Ludwigs des Deutschen.
Die 1724/25 durch Johann Weydt erbaute kath. Pfarrkirche St. Nazarius übernahm den Namenspatron der Klosterkirche. Das Rathaus von 1715 folgt mit zwei Fachwerkstock¬werken über einem gleich alten Steingeschoß dem Vorbild des Rathauses in Heppenheim, wie man an den repräsentativen Eckerkern und dem turmartigen Mittelerker erkennen kann; zur Jahrhundertwende erfuhr das Rathaus eine Erweiterung im Stil der Neorenaissance.
Die kath. Pfarrkirche St. Michael in Bürstadt (1731-36 errichtet) entwarf der Baumeister Joh. Jakob Rischer, die Ausführung leitete Johann Weydt. Die Decke mit Bandelwerkstuck schuf der Mainzer Stukkateur Paul Löb 1736, trotz der Kirchenerweiterung 1930 blieb sie erhalten. Der romanisierende Hochaltar (um 1910) stammt aus dem Mainzer Dom. Ein Barockbau mit Bandelwerkstuckdecke ist auch das Alte Rathaus von 1725-28.
Als bescheidener kleiner Barockbau wirkt auf den ersten Blick die ehern. Simultankirche, jetzige kath. Pfarrkirche St. Michael in Hofheim (Ried). Die Pläne stammen aber von keinem Geringeren als Balthasar Neumann. Auftraggeber war, wie so oft bei Neumanns Bauten, ein Mitglied der Familie von Schönborn, Graf Franz Georg, Fürstbischof von Worms. 1747-50 entstand das Bauwerk als eine der letzten Kirchenplanungen Neumanns; auch die Ausstattung ist ursprünglich, sieht man von der 1822 geschaffenen Orgel ab. Die Eingangsseite ist durch den Turm betont, der leicht aus der Front vorgezogen ist. Im schlichten Inneren fallen die Altäre mit teilweise qualitätvollen Skulpturen auf. Das Hochaltarbild des hl. Michael malte Johann Konrad Seekatz; das Schnitzwerk der Altäre wird der Schule Paul Egells zugeschrieben.
Das ehern, kurpfälzische Jagdschloß Friedrichsburg ließ sich Kurfürst Friedrich I. um 1465/70 östlich von Lampertheim errichten, unter Friedrich II. wurde es 1544-46 erweitert. Der Treppenturm mit seinem viereckigen Unterbau und einem achteckigen Obergeschoß erinnert an andere Bauten der Pfälzer Kurfürsten. – Für Viernheim, inmitten von drei Auto¬bahnkreuzen gelegen, sind die Tabakscheunen typisch, die zumeist aus dem 19. und frühen 20. Jh. stammen. Zwei historistische Altäre der neuen kath. Pfarrkirche St. Aposteln bergen gotische Statuen der Jahre um 1500.
Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Worms auf der westlichen Rheinseite, berühmt vor allem durch den Kaiserdom, eine Vielzahl bedeutender Kirchen sowie die dem späten 12. Jh. angehörende Synagoge samt dem Judenbad. Im Rheintal lohnt ein Ausflug nach Weinheim und Ladenburg, beides Orte mit reichen Ortsbildern. Die Nähe zu Städten wie Speyer und Heidelberg mag deutlich machen, auf wie geschichtsträchtigem Boden wir uns hier befinden.

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Rheintal und Bergstraße 7

Am Felsberg, einem 514 m hohen Odenwaldgipfel östlich Zwingenbergs, bildete das Felsen¬meer (Lautertal-Reichenbach) einen römischen Steinbruch, in dem zwischen dem 1. und 4. Jh. Granitblöcke gewonnen wurden. Einige Blöcke wurden nach der ersten Bearbeitung nicht mehr abtransportiert und sind daher hier im Steinbruch – eigentlich müßte man von einem natürlich entstandenen Steinlager sprechen – zu besichtigen. Man erreicht sie nach einem steileren Anstieg (oder über Kehren) zu Fuß von einem Parkplatz bei Reichenbach aus oder etwas bequemer (aber auch zu Fuß) von Beedenkirchen aus. Berühmtheit hat vor allem die 9,33 m lange >Riesensäule< erlangt, die von Archäologen in das 4. Jh. datiert wird. Ein geologisch-historischer Lehrpfad erschließt den Felsberg. Die Pfarrkirche in Reichenbach ent¬stand 1747/48 unter Graf Georg August von Erbach-Schönberg. Dessen Nachfolger, Graf Lud¬wig zu Erbach-Schönberg, ließ 1829-32 die evang. Pfarrkirche in Schönberg durch Baumeister Ignaz Opfermann errichten. Das Schloß der Grafen wurde von 1613-34 über einer mittelalter¬lichen Burg durch die Schenken von Erbach erbaut und später mehrfach verändert.
Derselbe Baumeister Ignaz Opfermann führte in Bensheim den von Georg Möller ge¬planten Bau der kath. Kirche St. Georg (1824-30) aus. Das Madonnengemälde über dem rechten Seitenaltar malte Johann von Schraudolph. Die Geschichte der Stadt reicht jedoch mehr als ein Jahrtausend weiter zurück. Erstmals taucht Bensheim im Zusammenhang mit Schenkun¬gen an das Kloster Lorsch 765 auf, kurz darauf wurde die Vorgängerin der heutigen Kirche erwähnt, und 956 erhielt Bensheim Marktrechte. 1232 fiel das Kloster und damit auch die Stadt an den Erzbischof von Mainz. Im 16. Jh. vorübergehend kurpfälzisch, blieb die Stadt von 1624 bis 1803 bei Kurmainz und gelangte 1803 beim Reichsdeputationshauptschluß, der Auflösung der geistlichen Territorien, an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Die historische Innen¬stadt ist in zwei geschlossene und in sich ummauerte Gebilde unterteilt, nämlich in die fast rechtwinklige nördliche Altstadt und – durch einen Bachlauf getrennt – in die südliche Vor¬stadt mit einem breiten Straßenmarkt. Die Mittelbrücke zwischen beiden entstand samt den Statuen des hl. Nepomuk und des Franz Xaver im Jahre 1733. Leider ist das Stadtbild in der Nachkriegszeit bis in die jüngste Vergangenheit schlimm verwüstet worden, so daß der Reiz der Geschlossenheit völlig fehlt. Bemerkenswert ist dennoch die große Zahl an Adelshöfen, die bis auf den Marktplatz wesentliche Teile der Altstadt einnahmen und die Bedeutung der Stadt unterstreichen. Vielbeachtete Fachwerkhäuser des Spätmittelalters stehen in der Hauptstraße (Nr. 37 und Nr. 46, um 1500) und in der Obergasse (Walderdorffer Hof, um 1450). Hauptstr. 46, die Fleischschranne, fällt als langes schmales Eckhaus mit steilem Dach und kräftigem Holz¬werk auf (Madonna von 1757 an der Ecke). Das benachbarte Eckhaus Markt 22 mit Fachwerk der Renaissance, Eckerker und Treppenturm war früher ein Gasthof. Eine Ladenfassade der Neorenaissance bestimmt das Haus Markt 2 an der nördlichen Ecke des Marktes.
Trotz etlicher bedauerlicher und meist überflüssiger Abbrüche in jüngster Zeit (als skandalös muß der überdimensionierte Neubau am Nordrand der Altstadt gelten) gibt es doch noch sehr bemerkenswertes Fachwerk in Heppenheim. Aus dem Spätmittelalter etwa stammen Amtsgasse 8, Rodensteinergasse 11, Marktgasse 7 und Kellereigasse 3, aus der Neuzeit vor allem das Rathaus (Farbabb. 19). Auf einem Steingeschoß von 1551 mit großen rund- bogigen Öffnungen wurde kurz nach 1693 ein malerischer Fachwerkaufbau mit Mittelerker (Turm) und übereck gestellten Seitenerkern gebaut. Rückwärtig wurde es 1927-29 in gleichen Formen erweitert. Einen Nachbau hat es nicht nur im Rathaus von Lorsch erfahren, sondern auch im gegenüberstehenden Bürgerhaus Markt 5 (1577, Fachwerk 1708), der früheren Apotheke, in der auch Justus von Liebig gearbeitet hat. Einen besonderen Akzent bildet am Marktplatz das historistische Backsteingebäude Markt 9 (gegen 1900). Den Marktbrunnen mit seinem achteckigen Becken stellte man 1729 auf. Auffällig sind die Überbleibsel von Stein¬bauten in Heppenheim. Das 1791 bis 1900 als Synagoge genutzte Haus Kleine Bach 3 ist im Kern ein mittelalterlicher Massivbau, Marktstr. 6-10 ein Massivbau, der im 16. Jh. erneuert wurde (Tor 1575, Kellerfenster mit steinernem Schiebeladen); das Hofgebäude zeigt Buckel¬quader des 14. Jh. Der Gasthof Goldener Engel, Markt 2, ist ein Haus aus dem späten 16. Jh., innen noch mit der Spindel einer hölzernen Wendeltreppe; umgebaut 1789. Benachbart fallen zur Kellereigasse ein großer Renaissancehof mit zwei Giebeln sowie zum Markt ein einfacheres Fachwerkhaus mit seitlicher Massivmauer des Mittelalters auf.
Die Pfarrkirche St. Peter erfuhr 755 gemeinsam mit dem Ort ihre erste Erwähnung. Doch diese frühe Kirche ebenso wie ihre Nachfolgebauten aus Gotik und Barock wurden bis auf den Turm – der nördliche der heutigen Doppelturmfassade, geschickt in den Neubau integriert – wieder abgebrochen und 1900-04 durch den Neubau des vielbeschäftigten Mainzer Kirchen-baumeisters Ludwig Becker ersetzt. Er entwarf eine dreischiffige Basilika mit Querhaus in Formen des Übergangsstils der Mitte des 13. Jh., unter dem Eindruck der reichen mittel¬rheinischen Spätromanik und Frühgotik (eben des Übergangsstils) stehend. Vor allem die Ein¬heitlichkeit des Innenraums unterscheidet sich von gotischen Kirchen des Mittelalters. Die gotisierende Ausstattung schufen Georg Busch und Anton Mohrmann; der Liebfrauenaltar im nördlichen Seitenchor ist ein gotisches Originalstück. Auf dem Vorplatz steht eine Kreuzi¬gungsgruppe, 1706 von Bildhauer Anton Wermerskirch gemeißelt.

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Rheintal und Bergstraße 6

Ein Hauch süddeutschen Barocks umgab die 1750-53 errichtete Pfarrkirche von Gerns¬heim, die nach Plänen Johann Valentin Thomanns entstand, und zwar fast ein Jahrtausend nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes, der seine frühe Bedeutung durch eine Rheinfähre hatte. Nur die schlanke, durch den Mittelturm überhöhte Fassade ist noch völlig erhalten; anstelle des kriegszerstörten Hochaltars konnte 1953 der sehenswerte spätbarocke Baldachinaltar des Meisters A. Diettmann (1783) aus Bürstadt erworben werden. Zwei Figuren des Bildhauers Sebastian Pfaff stammen vom alten Hochaltar, zwei weitere Statuen von Johann Joachim Günther (1776, Johann Nepomuk und Eulogius) sind Überbleibsel der Seitenaltäre. Die Wallfahrtskirche Maria Einsiedel südöstlich des Städtchens ist spätgotisch.
Die im Ortszentrum heute verrohrte Modau, ein kleiner Zufluß des Rheins, bildet das Rück¬grat des Städtchens Pfungstadt. Die an der Modau gelegenen Mühlen sind schon im 8. Jh. belegt; baulich eindrucksvoll ist die mit einem Mansarddach gedeckte barocke Frankensteiner Mühle am Büchnerweg. Das 1614-18 im Stil der späten Renaissance errichtete Rathaus ist teil¬weise über den Fluß gebaut; mit Treppenvorbau und seinen Giebeln erinnert es in etwas ein-facheren Formen an das Rathaus in Darmstadt. Die Kirchgasse, in deren Mitte die Modau fließt, führt in einem leichten Bogen vom Rathaus auf die evang. Pfarrkirche zu, die ein Barockbau der Jahre 1746-48 von Johann Conrad Lichtenberg ist. Empore und Ausstattung wurden 1890-98 ersetzt, den Raum renovierte man dabei im Sinne des Historismus. In der Hillgasse stehen die ehern. Synagoge sowie die Schule mit dem Frauenbad von 1820/21. Besucher mit Interesse am Makabren seien auf den Galgen verwiesen, der sich an der Eber¬städter Straße im Osten der Stadt befindet. Zu den drei spätmittelalterlichen Säulen muß man sich allerdings noch die oberen Balken hinzudenken. – Schloß Heiligenberg bei Jugenheim entstand 1863-67 nach Plänen Georg Möllers als Umbau einer klassizistischen Villa, vor allem wurde es als Gästehaus für die Familie des russischen Zaren benutzt. – Das Rathaus von Seeheim (1599) gehört in die Reihe der Fachwerk-Rathäuser der Renaissance, mit seinem massiven Erdgeschoß und den rundbogigen Öffnungen dem Vorbild von Groß-Gerau folgend, jedoch zum zweiflügeligen Winkelbau erweitert.
Die Herren von Bickenbach errichteten im zweiten Viertel des 13. Jh. oberhalb des Dörf¬chens Alsbach eine Burg samt Bergfried (Aisbacher Schloß), die Mitte des 14. Jh. durch eine Vor¬burg und nach 1510 mit einem zusätzlichen Zwinger geschützt wurde. Die Ruine des Bau¬werks bietet heute mit ihrem doppelt gesicherten Zugang und dem Bergfried neben dem inne¬ren Tor, heute Aussichtsplattform mit Blick in das Rheintal, ein malerisches Ausflugsziel. 1908-14 baute der Architekt Heinrich Metzendorf das Anwesen Hindenburgstr. 1-2 als Sanato¬rium aus. In der Neuen Bergstraße befindet sich der bedeutendste Judenfriedhof Südhessens. In Bickenbach werfen wir einen Blick auf die evang. Pfarrkirche (spätgotischer Turm, Lang¬haus im 17. Jh. und 1809 verändert) sowie das ehemalige Jagdschloß der hessischen Landgrafen (1721, heute Mittelpunkt eines Einzelhandelskomplexes), in Alsbach gleichfalls auf die evang. Pfarrkirche (Chor 3. Viertel 15. Jh., Schiff 1604-06).
Die evang. Kirche von Zwingenberg steht innerhalb eines noch weitgehend erhaltenen Wehrkirchhofs mit geschlossener Mauer (Tor von 1575). Der im Kern spätmittelalterliche Bau wurde zuletzt 1701-07 verändert. Von der Oberburg und der Unterburg der Grafen von Katzenelnbogen sind nur geringe Reste erhalten. Das Schlößchen ist ein Wohn- und Amtshaus der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, 1603 gehörte es dem Hofmeister Arnold Schwarz. Viele Fachwerkhäuser wurden nach einem Brand 1693 errichtet.
Die evang. Kirche von Auerbach, oberhalb des Ortes gelegen, läßt sich auf romanischen Ursprung zurückführen, wurde allerdings 1479 spätgotisch durchgreifend erneuert. Das Fürstenlager in (Bensheim-)Auerbach verdankt seine Entstehung der Entdeckung von heil¬kräftigem Wasser im Jahre 1738. Es sollte aber noch eine Generation dauern, bis im Auftrag des Landgrafen Ludwig VIII. mehrere Gästehäuser entstanden, und erst unter seinem Enkel Ludwig (Ludewig) X. 1790-95 wurden durch den Baumeister Johann Martin Schuhknecht die heutigen Gebäude errichtet, das Herrenhaus (Restaurant, Museum) und das gegenüberliegende Wachhaus sowie das Kavalierhaus. Das von Auerbach aus erste Gebäude ist als Stampflehmbau errichtet und gehört damit in eine kleine Gruppe experimenteller Bauten der Jahre um 1800. Den Löwenanteil der Anlage nimmt aber der ausgedehnte Park ein, dessen Bedeutung die der Trinkkuren bald überragte. Hinter dem Namen Auerbacher Schloß verbirgt sich eine der bedeutendsten südhessischen Burgen, wie man selbst der Ruine noch anmerkt. Eine erste Burg der Grafen von Katzenelnbogen aus dem frühen 13. Jh. wurde im 14. sowie im 15. Jh. wesent¬lich ausgebaut. Nach Durchschreiten der Vorburg gelangt man in die der Anlage nach hoch-mittelalterliche dreieckige Kernburg mit einem spätmittelalterlichen Wohnbau (Palas) und starken Befestigungen, namentlich einer kräftigen Schildmauer zur Angriffsseite. Hohe spät- mittelalterliche Ecktürme übernehmen die Funktion des ursprünglich frei im Hof stehenden Bergfrieds. Der Brunnen im Hof weist eine Tiefe von 75 m auf; das Ausschachten des Brunnens von Hand in einer solchen Tiefe mag man sich gar nicht vorstellen.

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Rheintal und Bergstraße 5

Der Park Rosenhöhe weiter östlich (Steinweg/Ludwig-Engel-Weg) besteht zwar schon seit dem frühen 19. Jh., doch erst die Erneuerungen unter Großherzog Ernst Ludwig gaben dem Park die heutige, ab 1979 wiederhergestellte Erscheinung. Das eindrucksvolle Löwentor war 1914 von Albin Müller und Bernhard Hoetger für die 3. Ausstellung auf der Mathildenhöhe geschaffen worden; anschließend abgebaut, fand es 1927 hier seinen endgültigen Platz und leitet zu einer Gruppe neuer Atelierhäuser einer zweiten Künstlerkolonie (1954-67) über. Das Mausoleum am Rande des Parks entwarf Georg Möller 1826, das Rosarium (>Rosendom<) wurde 1900 als gärtnerischer Höhepunkt des Parks angelegt.
Im südlich gelegenen Stadtteil Bessungen unterhielten die Landgrafen einen von Louis Remy Delafosse entworfenen Park (1719-21). Die von ihm erbaute Orangerie (Bessunger Str. 44), durch Arkaden, drei Risalite und seitliche flache Dreiecksgiebel ausgezeichnet, mußte nach einem Brand 1774 erneuert werden. Zeitweilig war die Verlegung der Residenz hierher er¬wogen worden. Ferner gab es einen landgräflichen Jagdhof (Bessunger Str. 84-88), von 1709-25 angelegt und ab 1983 restauriert. Die quadratische Hofanlage besteht heute aus teil¬weise erneuerten Gebäuden, ist jedoch in ihrer Geschlossenheit erhalten geblieben. Der ehe¬malige Dorfkern von Bessungen weist einige gepflegte Fachwerkhäuser auf, so das barocke Haus Bessunger Str. 72 (1718, d). Die Kirche entwarf 1909 Friedrich Pützer. Den Prinz-Emil- Garten in Richtung Stadtzentrum Darmstadt ließ ab 1772 Karl Friedrich von Moser anlegen, in der Parkmitte steht das Gartenpalais des Baumeisters Johann Martin Schuhknecht.
Hinter dem Namen Grube Messel nordöstlich von Darmstadt verbirgt sich nicht nur eine langjährige politische Diskussion um die Errichtung einer großen Mülldeponie, sondern vor allem die durch ihre sensationellen Funde berühmte Olschiefergrube, die nach ihrer wirt¬schaftlichen Ausbeutung zu eben jener Müllhalde werden sollte. Inzwischen scheint ent¬schieden zu sein, daß man die Grube weiter der naturwissenschaftlichen Ausbeute Vorbehalten will, die mit größtem Erfolg durch das Frankfurter Senckenberg-Institut betrieben wurde.
Als Burglehen eines Henne Cranich wurde das Jagdschloß Kranichstein bei Darmstadt erstmals 1399 urkundlich erwähnt. Als Eigentümer seit 1571 ließ Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt durch Jakob Kesselhut das Jagdschloß als eines der ersten offenen drei¬flügeligen Schlösser errichten, wie wir es sonst erst aus dem Barock kennen. Üblicherweise war das Schloß der Renaissance eine geschlossene Anlage, und sei es, daß man die vierte Seite zwi¬schen drei Flügeln durch eine Mauer oder wenigstens, wie in Steinbach-Fürstenau, durch einen großen Bogen optisch abschloß. Die Seitenflügel der auf die Schloßzufahrt nach Süden ausgerichteten Anlage enthielten Stallungen sowie die Schloßkapelle, die im 18. Jh. neu ausgestattet wurde. Mehr der Renaissance verpflichtet sind noch die rechtwinkligen Treppentürme in den Hofwinkeln. Die heutige Erscheinung mit betontem Mittelrisalit wurde erst durch Umbauten im 19. Jh. bewirkt, 1840 entstand der Mittelrisalit, der 1863 durch den Architekten Ludwig Weyland seinen (Neo-)Renaissancegiebel erhielt. Auf der Außenseite wurde unter Landgraf Ludwig VIII. (1739-68) ein durchfensterter Eckturm, das Rondell, angefügt, auf den man neue lange Schneisen in alle Richtungen ausrichtete, um bei Jagden einen guten Überblick zu gewin¬nen. Diese Anlage ist so bedeutend, daß heute nicht nur das Bauwerk (Restaurierung ab 1988, Jagdmuseum), sondern auch die Schneisen unter Denkmalschutz stehen.
Ein eindrucksvolles Ausflugsziel ist Burg Frankenstein in Nieder-Beerbach (Mühltal), die Stammburg der Herren von Frankenstein, die von zwei quadratischen Türmen eingefaßt wird, dem fünfgeschossigen zur Kernburg offenen Torturm – einem Schalenturm der Jahre um 1450 – und dem viergeschossigen Wohnturm der Kernburg von 1527. Einiges wurde bei einer Restaurierung 1893 hinzugefügt. Die bis 1850 wieder aufgebaute Kapelle in der Vorburg ent¬hält drei eindrucksvolle Grabdenkmäler der Familie von Frankenstein aus der Renaissancezeit, darunter eines (Hans zu Frankenstein) aus dem Jahre 1533 mit noch gotisch wirkenden Figuren in Nischen und mit einer Beschriftung im Stil der frühen Renaissance. – Im Ortsteil Ernsthofen der Gemeinde >Modautal<, die einen jener phantasielosen Kunstnamen der hessischen Gebietsreform der 1970er Jahre trägt, erwartet uns die spätmittelalterliche, 1592 erneuerte Wasserburg der Herren von Wallbrunn. Vor 1447 entstand sie zur Sicherung bzw. Sperre des Taldurchgangs; ältestes Bauwerk ist wohl der runde Bergfried im Verlauf der Wehr¬mauer, der noch dieser Zeit angehört. Die Landgrafen von Hessen erwarben das Anwesen 1722 und bauten es als Jagdhaus aus, wobei sowohl Bauteile des Mittelalters als auch solche der Renaissance erhalten blieben. Die evang. Pfarrkirche mit fünf Grabdenkmälern (erste Hälfte 16. Jh.) der Herren von Wallbrunn entstand 1480.

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Rheintal und Bergstraße 4

1951 beauftragte die Stadt angesichts der Kriegszerstörungen mehrere Architekten mit Ent¬würfen für öffentliche Gebäude, die als >Meisterbauten< in die Kunstgeschichte eingehen soll¬ten. Fünf der Entwürfe wurden verwirklicht und gehören zu den wesentlichen Leistungen der Nachkriegsarchitektur. Dazu zählen das nach seinem Baumeister benannte Ernst-Neufert-Haus, Pützerstr. 6 (1952-55), ein Wohnheim, sowie das Ludwig-Georgs-Gymnasium des Architekten Max Taut (1952-55). Die Frauenklinik (Grafenstraße 9) entwarfen Otto Bartning und Otto Dörnbach, sie erfuhr besonderes Lob wegen ihrer Gestaltung und Funktionalität. – Ein israelitischer Friedhof besteht am Steinbergweg östlich der Bessunger Straße. Auf dem Alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter Straße liegen einige wichtige Persönlichkeiten Darmstadts; das Grabdenkmal für Georg Möller ziert die Statue der Architectura, 1853/54.
Berühmt ist Darmstadt wegen der Künstlerkolonie Mathildenhöhe. 1830 hatte Ludwig II. östlich der Stadt auf einer Anhöhe einen Park anlegen lassen und nach seiner Schwiegertochter Mathilde benannt. »Für uns, als wir jung waren, begann das zwanzigste Jahrhundert, als Ver¬sprechen wie als Aufgabe, recht eigentlich in Darmstadt«, resümierte der Kunsthistoriker und erste Bundespräsident Theodor Heuss die Wirkung der Mathildenhöhe. 1897-99 ließ die – noch heute bestehende – russische Gemeinde durch den bedeutenden St. Petersburger Bau¬meister Leontius Nikolajewitsch Benois (1856-1928; übrigens ein Großvater Peter Ustinovs) die Russisch-orthodoxe Kapelle St. Maria und Magdalena mit vergoldeten Zwiebelhelmen für Alicia von Hessen, Schwester des Großherzogs und Gattin des letzten Zaren, errichten. Die Entwürfe zu den Mosaiken und Malereien stammen von dem St. Petersburger Maler Viktor Michajlowitsch Wasnezow (1848-1926). Dargestellt sind über dem Portal Maria Magdalena, an der Chorseite Christus und darüber Maria, innen in der Apsis die thronende Muttergottes. Die Ikonostase war einige Jahre zuvor für die Londoner Hauskapelle des Herzogs von Edinburgh (1844-1900) geschaffen worden; ihre Bilder stammen von einem Maler Neff, vielleicht Timoleon Neff (gest. in St. Petersburg 1876).
Bald nach Errichtung der Kapelle gründete Großherzog Ernst Ludwig die Künstlerkolo¬nie Mathildenhöhe, wobei er einer Anregung des weithin bekannten Verlegers Alexander Koch (Herausgeber von »Deutsche Kunst und Dekoration<) folgte. 1898 fand die »Erste Darmstädter Kunst- und Gewerbeausstellung» statt, im gleichen Jahr wurde Hans Christian¬sen berufen. 1899 kam Rudolf Bosselt nach Darmstadt, bald folgten Ludwig Habich, Peter Behrens (als Maler) und Josef Maria Olbrich, später Friedrich Wilhelm Kleukens. Mit dem frühen Tod Olbrichs (1908) ließ der Elan nach, zumindest architektonisch haben die Nachfolger weniger Spuren hinterlassen. Albin Müller fügte noch den Lilienteich vor der Russischen Kapelle hinzu, ferner entstand das Löwentor. Von 1911-15 wirkte Bernhard Hoetger in Darmstadt. Die erste bedeutende Ausstellung wurde 1901 eröffnet und war mit der Errichtung mehrere Häuser namhafter Architekten verbunden; weitere Villen und das Ausstellungsgebäude folgten bis 1908, den Abschluß bildete die Anlage des Platanen¬hains 1912-14. Man erreicht die Mathilden¬höhe, auch zu Fuß, vom Schloß aus in öst¬licher Richtung. Eine lange Rampe führt direkt auf das Ausstellungsgebäude mit dem weithin sichtbaren Hochzeitsturm zu, 1906-08 von Josef Maria Olbrich errichtet. Der Hochzeitsturm ist heute das bekannteste Wahrzeichen Darmstadts. Die Stadt stiftete das Bauwerk aus Anlaß der Hochzeit des Großherzogs. Vor dem Ausstellungsgebäude liegt der Platanenhain, in dem Skulpturen von Bernhard Hoetger Platz gefunden haben, seitlich davon steht die russische Kirche. Süd¬lich des Ausstellungsgebäudes erhebt sich das Ernst-Ludwig-Haus (Atelierhaus), 1901 von J. M. Olbrich, mit Großfiguren von L. Habich und Genienbildern von R. Bosselt, 1900/01. Auf seiner Rückseite befindet sich der Alexandraweg, an dem bergseits das Haus Olbrich (1901; Umschlagklappe hinten) und talseitig die Häuser Behrens (Peter Behrens, 1901), Gluckert I (restauriert), Gluckert II, Habich (schlecht erhalten) und Beaulieu (alle Olbrich, 1901) stehen, am Mathildenhöhenweg das Haus Deiters, ebenfalls von Olbrich (1992 restauriert). Die stadt¬seitige Begrenzung der Mathildenhöhe bildet am Eugen-Bracht-Weg das Alfred-Messel-Haus (um 1908); nicht zum Komplex gehört das Haus Mühlberger (Architekt F. Pützer, 1905).

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Rheintal und Bergstraße 3

Unmittelbar nördlich des Schlosses steht das Hessische Landesmuseum in einem 1892-1905 von Alfred Messel errichteten Bauwerk. Vom klassizistischen, 1818-20 erbauten Hoftheater Georg Möllers blieb nach einem Brand 1871 nur der Portikus erhalten. Das 1875-79 durch Stadtbaumeister Horst wieder aufgebaute Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg erneut schwer getroffen und zuletzt um 1978 erneuert. Mit beiden Gebäuden wurde der Herrengarten vom Schloß abgeschirmt. Er besteht seit 1580 und wurde im 17. Jh. zu einem französischen (d. h. barocken, stark geometrischen) und ab 1766 zu einem englischen (d.h., die Natürlichkeit des Wachstums betonenden, unregelmäßigen, auf scheinbar zufällige Sichtachsen und Blickwinkel berechneten) Park umgewandelt. Eine barocke Gartenerweiterung ist heute wieder im barocken (französischen) Sinne bepflanzt, der Hauptgarten zeigt den englischen Charakter, der der Stilstufe des Klassizismus bzw. Biedermeier entspricht, auch wenn diese Begriffe kaum richtig treffen. Das Prinz-Georg-Palais errichtete 1710 wahrscheinlich Louis Remy Delafosse. Es enthält nicht nur im Festsaal des Obergeschosses Schnitzereien von Johann Paul Eckard, sondern beherbergt insbesondere die Großherzogliche Porzellansammlung. Begrenzt wird der Herrengarten in seiner barocken Erweiterung (Prettlackscher Garten) außer durch das Garten¬haus, ein dreiflügeliges Gartenschlößchen (wohl ebenfalls von Delafosse), auch durch den hochaufragenden Bau der gotisierenden Elisabethkirche. 1903-05 errichtete sie die katholische Gemeinde nach Plänen des Mainzer Architekten Ludwig Becker. Der Bau verrät den ein¬heitlichen Stil der Spätgotik, wobei südhessische Bauten Pate standen. Die gleichfalls dem spät¬gotischen Stil folgende Ausstattung ist bis auf wenige Stücke (darunter der prachtvolle jetzige Hauptaltar) im Zweiten Weltkrieg verlorengegangen; zu den Neuschöpfungen zählt das histo-risierende Elisabethglasfenster im Südquerhaus von Bruno Müller-Linow (1977).
Die beiden nordöstlich gelegenen Straßenzüge mit Serienhäusern der Spätrenaissance, namentlich die Magdalenenstraße, bilden die ab 1590 nach Plänen Jakob Wustmanns ange¬legte Vorstadt. Das Hauptgebäude der Technischen Hochschule, 1893-95, wurde von den Darmstädter Architekten Prof. E. Marx, Geh. Baurat Prof. Henrich Wagner und Geh. Ober¬baurat von Weltzien entworfen, seine barockisierende Erweiterung, 1908, von A. Georg Wickop, von dem auch die Maschinenhalle (1904) stammt. Die Bildnisbüsten des Ursprungs¬baues schuf der Bildhauer Ludwig Habich (geb. 1872). Das Achteckige Haus, Mauerstr. 17 (östlich der Technischen Hochschule), entstand 1627 als Gartenhaus für Kanzler Wolff von Todenwarth von A. Jakob Müller. Es ist ein interessanter zweigeschossiger Spätrenaissancebau mit pyramidalem Dach. – Südöstlich der Kernstadt schließt sich als Stadterweiterung des Historismus das Paulusviertel an, dessen Bebauungsplan 1900 von Friedrich Pützer entworfen wurde. Von ihm stammt auch der Plan zur Pauluskirche, 1904-06. Wenig älter ist die Villa Herdweg 79 von Architekt Heinrich Metzendorf. Bemerkenswert sind die Mosaikpflaster auf den Gehwegen.
Das umfangreiche Stadtviertel westlich des Schlosses fällt schon im Stadtplan durch seine regelmäßige rechtwinklige Stadtanlage auf. Hervorgegangen ist dieses Viertel aus der 1695-1720 angelegten westlichen Vorstadt, die im späten 18. Jh. im Luisenplatz einen repräsen¬tativen Hauptplatz erhielt und im 19. Jh. nach Westen erweitert wurde. Doch bis auf wenige Bauten, darunter das Kollegienhaus von Franz Ludwig von Cancrin (1777-80, ab 1952 wieder aufgebaut), ist der barocke Ursprung dieses Quartiers kaum zu erkennen. Eine Achse ergab sich vom Luisenplatz zur Ludwigskirche, bis auf die Endpunkte leider in völlig neuer und äußerst durchschnittlicher Erscheinung. Die Ludwigsäule ist das beherrschende Denkmal. Sie wurde zu Ehren Großherzog Ludwig I. von 1838-44 errichtet. Es handelt sich, einer Idee Georg Möllers folgend, um eine dorische Säule von 27,5 m Höhe, deren Aufgabe es ist, ein rund 9 m hohes Standbild (samt rundem Sockel) des Herzogs zu tragen. Das Standbild schuf Ludwig von Schwanthaler. Der Neubau am südlichen Platzrand stülpt sich über einen Brunnen des Aachener Künstlers Bonifatius Strindberg.
Die Ludwigskirche am anderen Ende dieser Blickachse entstand im Rohbau 1822-27 nach Plänen Georg Möllers, der als der entscheidende südhessische Architekt des Klassizismus zugleich einer der wichtigen Architekten seiner Epoche in Deutschland war. 1837 wurde die Kirche vollendet, die dem Vorbild des Pantheons in Rom folgt. Wie dort entspricht der Durch¬messer des Baues der lichten Höhe, wird die halbkreisförmige Kuppel mit einer kreisrunden Öffnung im Scheitel als einziger Lichtquelle – hier allerdings zum Fenster geschlossen, wäh¬rend in Rom der Regen durch die Kuppelöffnung eindringen kann – von einem Säulenring getragen. Dieser Säulenkranz findet sich im Pantheon nicht, sondern geht auf die frühchrist¬liche Kirche San Stefano Rotondo in Rom zurück. 1944 brannte die Kirche bis auf die Außen¬mauern aus, 1958/59 wurde sie nach Plänen von Clemens Holzmeister (Wien) baulich wieder¬hergestellt; Details wie die Kassettendecke sind jedoch nur angedeutet, eine geschickte Maß-nahme, vergleicht man dies mit den jüngsten geradezu verlogenen Nachbauplänen einst kriegs¬zerstörter Gebäude in anderen Städten. Eine überhöhte Arkade bildet den Eingang und macht dem Besucher seine geringe eigene Größe deutlich. Das Kircheninnere nimmt einige gro߬herzogliche Grabdenkmäler auf, ferner historistische Kreuzwegstationen in Form von Reliefs. Das Alicedenkmal (1902 v. L. Habich) vor der Kirche gedenkt der Mutter Ernst Ludwigs, Alice, Tochter der Queen Victoria.
Der Hauptbahnhof von 1907-12 ersetzt zwei ältere Bahnhöfe getrennter Bahnlinien. Formen des Neubarock und des Jugendstils mischen sich an diesem von Friedrich Pützer ent¬worfenen Gebäude; auch für die Bahn war der Historismus inzwischen Vergangenheit. Bahn¬steig 1 stand als Fürstenbahnsteig dem Großherzog zur besonderen Verfügung. Die gesamte Bahnanlage einschließlich der tiefer gelegten Gleiskörper wurde seinerzeit erneuert. Nahe dem Bahnhof stehen auch einzelne expressionistische Häuser, so das Musterhaus der Eisenbahnbau¬genossenschaft, Goebelstr. 32. Zu den bemerkenswerten neueren Bauten zählen die Kunsthalle von Theo Pabst, 1956, Steubenplatz 1, ferner das Hessische Staatstheater am Marienplatz, 1968-72 von Rolf Prange.

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Rheintal und Bergstraße 2

Das Schloß im Zentrum der Darmstädter Innenstadt markiert den nördlichen Rand der ehe¬maligen Altstadt. Es ist ein umfassender Baukomplex, der geringe Reste mittelalterlichen Mauerwerks erkennen läßt, nämlich die Außenmauern des schräg zum übrigen Schloß stehen¬den Herrenbaues. Nach einem Brand 1546 und anschließender Wiederherstellung erfolgte ab 1567 unter Landgraf Georg I. der Ausbau zum Residenzschloß. Christoph Müller aus Kassel dürfte hierzu die Pläne angefertigt haben. Der Hauptflügel des Renaissanceschlosses entstand 1595-97. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (Glockenbau: 1663) und von 1715-30 unter Land¬graf Ernst Ludwig nahm man bedeutende Erweiterungen vor. 1944 brannte das Schloß bis auf das Mauerwerk der beiden unteren Geschosse aus und wurde bis 1966 modern ausgebaut.
Die ausgedehnte Schloßanlage schließt drei Innenhöfe ein. Ein Brand 1715 hatte einen umfassenden Neubau notwendig gemacht, der nach den ursprünglichen Überlegungen das gesamte ältere Schloß ersetzen sollte. Ihn plante Louis Remy Delafosse (de La Fosse). Doch der ehrgeizige Bau blieb unvollendet und legt sich deshalb nur auf zwei Seiten, im Süden und Westen, vor das Renaissanceschloß, wobei aus Maueransätzen die geplanten Erweiterungen erkennbar sind. Pavillons betonen die Ecken und die Mittelachse, doch auf gestaltende Gliede¬rungselemente wurde bis auf den Mittelpavillon verzichtet; das Schloß steht in dieser Hinsicht auf einer Stilstufe mit dem zerstörten Stadtschloß in Berlin. Von der Stadt aus gelangt man durch den Barockflügel in den Glockenhof. Im Osten des Hofs befindet sich der Glockenbau, den 1664-71 Baumeister Johann Wilhelm Pfannmüller errichtete und damit das Kernschloß zur Stadt hin erweiterte. Die Giebelformen und der vorgelagerte Treppenturm stehen noch ganz in der Tradition der Renaissance. Im Westen des Hofs befindet sich der barocke Prinz- Christian-Bau, durch den der Zugang zum Parforcehof führt und der die Verbindung zwischen dem Renaissance- und dem Barockschloß herstellt. Nordflügel des Glockenhofs ist der zum Kernschloß gehörende Kaisersaalhau, durch den man in den Kirchmhof gelangt, den inneren und ältesten Schloßhof. Das im Innenhof 1595 datierte Tor zeigt typische Renaissancequader mit Steinmetzzeichen. Die hier stehenden Bauten wurden teilweise 1567 begonnen, im wesentlichen (Kirchenbau im Osten, Kaisersaalbau) aber erst 1595-97 unter Baumeister Jakob Wust¬mann ausgebaut. Der Hof ist unregelmäßig und fällt vor allem wegen des schmalen Arkaden¬flügels auf, den Paukergang, der dem Vorbild des Gläsernen Saalbaues in Heidelberg folgt und die Schloßkapelle mit dem mittelalterlichen Herrenbau verbindet. Dieser besonders alte Teil des Schlosses ist im Krieg leider auch besonders stark beschädigt worden; allerdings erkennt man an der Außenseite, neben dem Rondell von 1895, noch Teile des mittelalterlichen Giebels. – Durch den Paukergang führt ein Ausgang nach Norden, stadtabseits, aus dem Schloßbereich hinaus. Das kleine Torgebäude im Norden wirkt vor allem durch sein stark geschweiftes Dach und das von zwei Löwen gehaltene Wappen des Landgrafen Georg II. und seiner Gemahlin Sophia Eleonora (1627, Baumeister Jakob Müller).
Die Altstadt Darmstadts kann man in ihrer Ausdehnung erkennen, wenn man von den Stadtmauerresten im Osten des Schlosses über das Rathaus südlich vor den Toren des Schlosses bis zur evang. Stadtkirche etwas weiter östlich geht – damit hat man die Tiefe der Altstadt bereits weitgehend durchwandert. Die Ost-West-Ausdehnung ist hingegen heute schwer zu begreifen, da die historische Stadt zu stark zerstört wurde. Die Altstadt erstreckte sich vor allem im Südosten des Schlosses und wies kein Straßensystem auf, das ohne weiteres auf den ältesten Kern schließen ließe. Die Stadtkirche befand sich abgedrängt am Rande. Gegenüber der Südwestecke des Schlosses fällt ein schlanker Rundturm funktionslos und scheinbar sinn¬los inmitten der Kaufhaus-Bebauung auf wie ein Hafen im Gebirge – hier mündete einst die westliche Stadtmauer, die die Grafen von Katzenelnbogen ab 1330 anlegen ließen. Es handelt sich um den Weißen Turm aus dem 14. Jh., der in den Jahren 1706-08 auf seine heutige Höhe aufgestockt wurde.
Das Rathaus ist ein Bau der späten Renaissance, 1588-90 von Baumeister Jakob Wustmann in Anlehnung an die Formen des Schlosses mit geschweiften Giebeln errichtet, 1676 durch das große Barockportal bereichert. Die evang. Stadtkirche steht an der ehemaligen Stadtmauer. Ihr im Krieg stark beschädigtes gotisierendes Langhaus wurde sehr vereinfacht wieder auf¬gebaut (Karl Gruber, 1952/53). Das Langhaus war 1685-87 erweitert und 1845 nach Plänen Georg Möllers weitgehend erneuert worden, 1929 hatte Heinrich Walbe die Kirche restauriert, bekannt vor allem als Verfasser eines Buches über das – heute nicht mehr so bezeichnete – >hessisch-fränkische< Fachwerk. Der im dritten Jahrzehnt des 15. Jh. erneuerte Chor blieb mit seinem Gewölbe erhalten und bewahrte damit auch das bedeutende Epitaph der ersten Gemahlin Landgraf Georgs I. (J1596), Magdalena zur Lippe (f 1587). Der Entwurf wird Nico¬laus Bergner zugeschrieben, die Ausführung dem in Mainz ansässigen Bildhauer Peter Osten aus Ypern, einem Mitglied der Bildhauerfamilie Robijn-Osten. Das den Chorraum abschlie¬ßende Denkmal zeigt den Landgrafen und seine Gemahlin als Standbilder und zentral als Relieffiguren unter einem Kruzifix kniend, darüber den Empfang der Landgräfin im Himmel. Ausführliche Inschriftfelder erläutern das theologische Programm dieses wichtigen protestan¬tischen Denkmals der Renaissance in Deutschland, mehrere Wappenserien führen die Ahnen der Verstorbenen an.
Südöstlich der Stadtkirche befindet sich die Ruine der neugotischen Stadtkapelle, markanter ist das wieder aufgebaute Pädagog südwestlich der Stadtkirche nahe dem früheren Bessunger Tor, 1627-29 von Seyfried Pfannmüller als erste Lateinschule der Landgrafschaft erbaut (später: Ludwig-Georgs-Gymnasium); hier drückte 1825-31 Georg Büchner die Schulbank. Das mit vier Geschossen ungewöhnlich steil aufragende Gebäude hat auf jeder Seite zwei kleine Giebel, an der Eingangsfront gibt es einen rechteckigen Treppenturm. Die ursprünglich unterschiedlichen Giebel wurden nach 1945 vereinheitlicht wieder aufgebaut.

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Rheintal und Bergstraße

Der Oberrhein ist die wärmste Gegend Deutschlands, mithin ist das Rheintal zwischen Ginsheim-Gustavsburg (am Zusammenfluß von Rhein und Main) und Bensheim die wärmste, die Bergstraße die lieblichste und freundlichste Region Hessens. Den Rhein nimmt man aller¬dings kaum wahr, es sei denn, man hat ihn zu überqueren (Brücken bei Mainz/Ginsheim und Worms, Fähren in Oppenheim und Gernsheim), was sich sehr lohnt, etwa wegen Oppenheim mit seiner berühmten Kirche oder wegen Worms, nicht zu vergessen den rheinhessischen Wein, den man am besten vor Ort erwirbt. In weiten Kehren schlängeln sich die Altarme des Rheins mit wenig Gefälle durch das flache Tal zwischen Mannheim und Mainz; die meisten Arme sind abgeschnitten, einige trockengelegt, was die Koblenzer, Bonner und Kölner in ent¬sprechenden Hochwassermengen auszubaden haben. Eingefaßt wird die Bergstraße durch das Hessische Ried, die Wald- und Sumpflandschaft am Ufer des Rheins, und die Anhöhen des Odenwaldes, die sich von knapp 100 m im Tal auf über 500 m erheben (Felsberg bei Zwingen¬berg: 514 m); auf den höchsten Kuppen werden rund 600 m erreicht (Neunkircher Höhe).
Der Pfarrkirche von Trebur sieht man bis auf die Vorhalle den karolingischen Kern kaum an, seit sie durch J.W. Pfannmüller in der zweiten Hälfte des 17. Jh. und nochmals 1748-52 um¬gebaut wurde, so daß sie heute als Saalbau mit umlaufenden Emporen vor uns steht. Viele Häu¬ser bestehen aus Fachwerk, das Rathaus (1577) über einem steinernen Erdgeschoß ebenfalls.
Von der spätgotischen Marienkirche in Groß-Gerau (1470-90) blieben nach Umbauten des 19. Jh. und der Kriegszerstörung 1944 nur wenige Teile erhalten. Bemerkenswert ist das West¬portal mit seinem Maßwerktympanon und der aus der Bauzeit stammenden Madonnenstatue. Stadtrechte gab es seit 1398. Das Rathaus wurde 1578/79 errichtet. Obergeschoß und Giebel aus Fachwerk zeigen dekorative Elemente der Renaissance, typisch für das Mittelrheingebiet (Fenstererker, Bänder, Kreise und Rauten in den Brüstungen), das steinerne Erdgeschoß ent¬hält eine Halle. Die Fachwerkhäuser gehören sonst zumeist dem 17. und 18. Jh. an, spätmittel¬alterlich ist Mainzer Str. 6. – Das Rathaus im nahen Büttelborn folgt in seinem Fachwerk dem Vorbild Groß-Geraus. 1582 erbaut, wurde es 1906 renoviert und ergänzt. Dagegen ist das Rat¬haus von Berkach bei Groß-Gerau ein zweistöckiger reiner Fachwerkbau von 1597.
Schloß Braunshardt (Weiterstadt, nordwestl. Darmstadt) ist als eingeschossiger vierflüge- liger Baukörper des Rokoko erhalten (um 1760); der zugehörige Barockpark ist in Umrissen noch gut zu erkennen. In Gräfenhausen (Weiterstadt) besaßen die Herren von Heusenstamm ein Schloß, das in der Gründerzeit stark umgebaut wurde und daher nur noch in mageren Resten erkennbar ist, durch seinen alten Wendeltreppenturm (1555, Portal mit Ornamenten der frühen Renaissance) aber noch seine frühere Bedeutung erkennbar macht (Ohlystift).
□ Darmstadt
Burg und Siedlung Darmstadt bestanden zwar schon seit dem 13. Jh., doch unter den Grafen von Katzenelnbogen hatten beide nur bescheidene Ausmaße. 1479 erbten die Landgrafen von Hessen die Grafschaft, um die sich ein jahrzehntelanger Streit zwischen Nassau und Hessen um die Rechtmäßigkeit des katzenelnbogenschen Erbes entwickelte; Hessen behielt hierbei die Oberhand. Doch Darmstadt spielte weiterhin nur eine Nebenrolle. Landgraf Philipp der Großmütige verfügte in seinem Testament, daß seine Söhne, falls sie sich nicht auf eine gemein¬same Regierung verständigen könnten, eine Aufteilung des Landes vornehmen sollten. Dabei erhielt Georg I. die Obergrafschaft Katzenelnbogen, das nachmalige Hessen-Darmstadt, die >Obergrafschaft< im Gegensatz zur >Niedergrafschaft< Katzenelnbogen, die rheinabwärts bei Rheinfels liegt und an Philipp d. J. fiel, mit dem denkwürdigen Satz im Testament des Vaters: »Lipps, Du sollst Rheinfels haben, denn Du trinkst gern«. Georg bestimmte Darmstadt zur Hauptresidenz und bewirkte damit den entscheidenden Ausbau von Schloß und Stadt. Vor¬städte entstanden um 1600 im Osten des Schlosses und gegen 1700 im Westen, historistische Viertel entwickelten sich vor allem im Norden und Osten; das Johannesviertel nordwestlich des Herrengartens, das Rhönringviertel nordöstlich, aber auch ein Viertel südlich der Ludwigs¬kirche. Für die Geschichte der Stadt sollte die Regierungszeit des >Großherzogs von Hessen und bei Rheim Ernst Ludwig (reg. 1892-1918) besonders wichtig werden, durch dessen Förde¬rung Darmstadt mit dem Aufbau der Künstlerkolonie Mathildenhöhe zu einem Zentrum des Jugendstils wurde. Ernst Ludwig war 24jährig an die >Macht< gekommen, doch laut Verfassung als Bundesgenosse Preußens festgelegt, hatte er keinen Handlungsspielraum und konnte sich, politisch unbedeutend, intensiv der Kunst- und Kulturförderung widmen. – Außerordentlich verheerend waren die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die kaum ein Gebäude in der Innenstadt ausgespart haben, selbst Kirchen und Schloß waren zu erheblichen Teilen betrof¬fen. Lediglich die äußeren Bereiche der Stadt blieben verschont, darunter größerenteils die Mathildenhöhe, aber erstaunlicherweise auch der Bahnhof.

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Fulda und die Rhön 7

Die nach einer früheren Farbgebung benannten Schlösser sind an sich eine Gesamtanlage. Das dreigeschossige Renaissanceschloß mit zwei polygonalen Türmen an den Seiten ist das Rote Schloß, seine südliche Fortsetzung das Blaue Schloß und der große Bau im Hof das Gelbe Schloß. Am nördlichen Turm des Renaissanceschlosses findet sich neben der Bauinschrift des Jahres 1574 eine Galerie der Ahnenwappen und Inschrifttafeln mit Nennung der sieben Kinder des Christoph bzw. der 17 Kinder des Melchior von der Tann und seiner Gemahlin Margarete von Mansbach. Der südliche (Fachwerk-)Turm entstand um 1560. Die Tordurchfahrt ist 1689 erneuert worden. Hofseits ist der Renaissanceflügel mit einem runden Treppenturm versehen, hier finden sich die Jahreszahlen 1550 und am Wappenstein 1558; 1591 wurde dieser Flügel erweitert. Der Westflügel, das Gelbe Schloß, entstand 1699-1714 und wurde um 1850 spätklas¬sizistisch erneuert. Das bemerkenswerte Portal mit einem Segmentbogengiebel wird von zwei Pilastern mit Flammenvasen gerahmt. Barocktreppen mit hölzernen Balustern erschließen diesen Flügel, dessen Saalgeschoß z. T. noch über alte bleiverglaste Fensterflügel verfügt. Der mit einem Vierpaßbecken versehene Brunnen vor dem Schloß entstand 1686. Die barocke Friedhofskirche von 1741 enthält das Renaissancegrabdenkmal des Melchior von der Tann (11608), das dieser sich zu Lebzeiten hersteilen ließ.
Die 1793-96 von Johann Michael Schauer erbaute Kirche von Hilders erhielt nach einem Brand 1851 ihre spätklassizistische Ausstattung mit drei Altären, Kanzel und Orgel. Die barocke Variante einer solchen Ausstattung zeigt die Kirche im benachbarten Batten, 1737-41 von Andreas Gallasini erbaut. Die Rokokoaltäre entstanden um 1756 (Altarbild J. A. Herrlein).
Zwischen Hilders und Gersfeld steigt die Rhön zu ihrer höchsten Erhebung an, der Wasser¬kuppe. Von ihrem 950 m hohen Gipfel bietet sich ein hervorragender Rundblick über das Bergland. Berühmt ist sie als Segelflugzentrum, woran auch ein Denkmal erinnert. Von Abtsroda aus (Parkplatz am Ortsrand) führt ein informativer Geologischer Wanderpfad als Rundweg am Bergrücken der Wasserkuppe entlang (Markierung: blaues G). Will man etwas von der Landschaft erfahren, sollte man sich nicht auf eine Autofahrt über die Wasserkuppe beschränken, sondern tatsächlich einen der Berge (z. B. die Milseburg, Farbabb. 15, 835 m, Kreuzigungsgruppe von 1756 am Gipfel) ersteigen.
Der – öffentlich zugängliche – Schloßpark von Gersfeld wird durch das barocke Unterscbloß im Westen (1740, mit sehr schönem Rokokostuck der Jahre um 1765) und das aus drei Gebäu¬den bestehende stark umgebaute Mittel- und Oberschloß, ein Renaissanceschloß, im Osten gerahmt. 1605 entstanden ein heute ein- bzw. ein zweigeschossiger Flügel, an deren profilierten Portalen sich noch Reste der ursprünglichen blaugrauen Farbfassung erhalten haben. Ein drei¬geschossiger Bau zum Park hin wurde im 18. Jh. und 1903 stark umgebaut. Hangseits wird der Park durch eine 1907-09 erbaute neubarocke Villa begrenzt. Die evangelische Pfarrkirche wurde 1780-88 nach Plänen von Johann Kaspar Heym errichtet. Der bemerkenswerte Raum enthält die Ausstattung aus der Bauzeit, von der Altar, Kanzel und Orgel, ehemals auch die Taufe (wie in Schmalkalden), eine zusammenhängende Gruppe bilden. Die Orgel schuf Johann Michael Wagner.
Ausflüglern und Bierfreunden sei ein Abstecher zum Kreuzberg (oberhalb Bischofsheim/ Unterfranken) empfohlen, in dessen Kloster ein untergäriges dunkles Klosterbier kredenzt wird. Kloster und Kirche sind schlichte Bauwerke des 17. Jh.

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Fulda und die Rhön 6

Die Gesamtanlage baut sich um vier Höfe bzw. Plätze auf; die Auffahrt zum Schloß wird von zwei Wachgebäuden von 1754 flankiert. Der (westliche) Ehrenhof besteht aus dem hervorgehobenen Mittelflügel mit Tordurchfahrt, im Obergeschoß zugleich Saalbau, sowie seitlichen Flügeln, die durch ein drittes Geschoß an den vorderen Enden und Kreuzungspunkten mit den anderen Flügeln pavillonartig betont sind. In gleicher Form gibt es am ersten Innenhof Verbin¬dungsbauten zum sogenannten Alten Schloß, das als zweiter Querflügel in die Gesamtanlage eingegangen ist. Das Alte Schloß bildet die Trennung zwischen dem repräsentativen Schlo߬bereich und den Wirtschaftshöfen. Das ursprünglich freistehende Gebäude von etwa 1710/30, dem nachträglich ein Balkon vorgelagert wurde, ist ein schlichter, Johann Dientzenhofer zuge¬schriebener Bau. An den Längsfronten ist dieser Bauteil durch zwei niedrige Türme mit Zwi¬schenhelmen hervorgehoben. An diesen Querflügel schließt sich ein vorderer Wirtschaftshof mit eingeschossigen Gebäuden an (heute Verwaltung), in der Hofmitte einer großen Pferde¬tränke Platz bietend. Rückwärtig folgt ein weiterer Wirtschaftshof, der Pferdehof samt Arbeiter- häusem, 1740-43.
Uber der Eingangshalle (Kaisertreppe mit Rokokostukkaturen) am Torflügel gelangt man im Obergeschoß in den Antikensaal, den Großen Saal, den Galeriesaal und den Audienzsaal. Vor allem Audienzsaal und Großer Saal weisen Formen der bedeutenden klassizistischen Erneuerung auf, die Johann Conrad Bromeis entwarf (1825-27). Pilaster tragen ein horizon¬tales Gesims aus Stuck; die Deckenbilder befinden sich innerhalb klarer Rahmungen ohne barocke Schwünge und Schnörkel. Das Musikzimmer enthält eine Bildtapete von Dufour, auch in den übrigen Räumen stehen hervorragende klassizistische Ausgestaltungen im Vorder¬grund. – Die Wohngemächer des Kurfürsten und des Prinzen befinden sich in den Seiten¬flügeln. Nennenswert sind in einigen Räumen auch die Rokokostukkaturen. Ein Zimmer enthält eine Waberner Jagdtapete (Versöhnung Landgraf Wilhelms VIII. mit Fürst Carl von Waldeck).
Im Schloß wurden sehenswerte Sammlungen zusammengetragen, die einen Bogen von der Antike (Skulptur, Vasenmalerei) über Werke der Renaissance und des Barock, darunter eine Entwurfszeichnung von Rubens und Zeichnungen Tiepolos, zu Gemälden Tischbeins und Augsburger Silber sowie Porzellan aus China, Meißen und Fulda und zu Kunstwerken des 19. Jh. schlagen. Eindrucksvoll ist der Zyklus Johann Heinrich Tischbeins d.A. zur Reiherjagd aus Schloß Wabern (1764-66), wichtig auch seine Ansicht des Schlosses Weißenstein bei Kassel im Zustand von 1604/06 (heute: Wilhelmshöhe).
In einer Reihe von Dorfkirchen des Fuldaer Landes stößt der aufmerksame Besucher immer wieder auf Taufsteine mit spätgotischem Blendmaßwerk und aufwendigen prismatisch gestalte¬ten Sockeln. Sie bilden eine künstlerische Gruppe mit Taufsteinen in den Kirchen von Schlitz (1467) bis Eisenach (1501), namentlich im Kreis Fulda. Hier finden wir derartige Taufsteine in Flieden (1495, die Kirche selbst entstand 1715-19 unter Beibehaltung älterer Teile), Floren¬berg (1500, hier auch eine spätgotische Sakramentsnische), Großenlüder (1501), Neuhof (1503), Eichenzell (1511 in der Kirche von 1832-34), Dipperz (1512; Kirche von A. Gülden¬pfennig 1895-96), Hofbieber (1520) und Weyhers (1520). Ähnliche Moden haben im 17. und 18. Jh. auch bestimmte Altar- und Kanzelformen erfahren, die ebenso eine Entdeckungsreise zu wenig bekannten sehenswerten Kunstwerken im Fuldaer Land anregen können. Daneben wird man auch immer wieder auf barocke Fluraltäre stoßen, also Altäre in der Landschaft statt kleineren Wegekreuzen, die für den katholischen Raum kennzeichnend sind. Die Wallfahrts¬kirche St. Flora und Kilian in Florenberg erhielt 1511-16 einen spätgotischen Neubau mit netz¬gewölbtem Chor; das Langhaus wurde 1740 mit einer barocken Stuckdecke modernisiert. Der Westturm ist romanisch. Die katholische Pfarrkirche in Pilgerzell erbaute 1962-64 Hans Schädel.
Schloß Bieberstein in Langenbieber erbaute 1711-14 J. Dientzenhofer als Sommerresidenz des Fürstabts Adalbert von Schleifras. Das Schloß der Herren von Eberstein in Schackau wurde im 17. Jh. errichtet (Inschrift 1630). Ein Renaissancebau ist das Schloß von Eichenzell, 1584, mit einem kräftigen Rundturm an der Ecke und einem schlankeren Treppenturm versehen.
Durch das von zwei Rundtürmen gerahmte und in seiner heutigen Form auf das Jahr 1557 zurückgehende Stadttor betritt man die kleine Altstadt von Tann, deren Hauptstraße (Markt- straße/Steinweg) sich nach wenigen Schritten zu einem Marktplatz weitet. Außer drei barocken Putzbauten, darunter der 1689 errichtete Neue Bau der Herren von der Tann, ist hier ein Fachwerkhaus des 17. Jh. bemerkenswert, in dessen Brüstungsständern die Büsten von elf Aposteln eingeschnitzt sind. Östlich des Marktplatzes steht die 1888/89 erbaute Pfarrkirche, westlich führt die Schloßstraße zu den Tanner Schlössern. Hier wurde auch ein kleines, inzwischen bekannt gewordenes Freilichtmuseum (Rhöner Museumsdorf) eingerichtet, das dem >Hessenpark< im Taunus im wissenschaftlichen Aufbau und in atmosphärischer Genauigkeit haushoch überlegen ist.

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