Fulda und die Rhön 6

Die Gesamtanlage baut sich um vier Höfe bzw. Plätze auf; die Auffahrt zum Schloß wird von zwei Wachgebäuden von 1754 flankiert. Der (westliche) Ehrenhof besteht aus dem hervorgehobenen Mittelflügel mit Tordurchfahrt, im Obergeschoß zugleich Saalbau, sowie seitlichen Flügeln, die durch ein drittes Geschoß an den vorderen Enden und Kreuzungspunkten mit den anderen Flügeln pavillonartig betont sind. In gleicher Form gibt es am ersten Innenhof Verbin¬dungsbauten zum sogenannten Alten Schloß, das als zweiter Querflügel in die Gesamtanlage eingegangen ist. Das Alte Schloß bildet die Trennung zwischen dem repräsentativen Schlo߬bereich und den Wirtschaftshöfen. Das ursprünglich freistehende Gebäude von etwa 1710/30, dem nachträglich ein Balkon vorgelagert wurde, ist ein schlichter, Johann Dientzenhofer zuge¬schriebener Bau. An den Längsfronten ist dieser Bauteil durch zwei niedrige Türme mit Zwi¬schenhelmen hervorgehoben. An diesen Querflügel schließt sich ein vorderer Wirtschaftshof mit eingeschossigen Gebäuden an (heute Verwaltung), in der Hofmitte einer großen Pferde¬tränke Platz bietend. Rückwärtig folgt ein weiterer Wirtschaftshof, der Pferdehof samt Arbeiter- häusem, 1740-43.
Uber der Eingangshalle (Kaisertreppe mit Rokokostukkaturen) am Torflügel gelangt man im Obergeschoß in den Antikensaal, den Großen Saal, den Galeriesaal und den Audienzsaal. Vor allem Audienzsaal und Großer Saal weisen Formen der bedeutenden klassizistischen Erneuerung auf, die Johann Conrad Bromeis entwarf (1825-27). Pilaster tragen ein horizon¬tales Gesims aus Stuck; die Deckenbilder befinden sich innerhalb klarer Rahmungen ohne barocke Schwünge und Schnörkel. Das Musikzimmer enthält eine Bildtapete von Dufour, auch in den übrigen Räumen stehen hervorragende klassizistische Ausgestaltungen im Vorder¬grund. – Die Wohngemächer des Kurfürsten und des Prinzen befinden sich in den Seiten¬flügeln. Nennenswert sind in einigen Räumen auch die Rokokostukkaturen. Ein Zimmer enthält eine Waberner Jagdtapete (Versöhnung Landgraf Wilhelms VIII. mit Fürst Carl von Waldeck).
Im Schloß wurden sehenswerte Sammlungen zusammengetragen, die einen Bogen von der Antike (Skulptur, Vasenmalerei) über Werke der Renaissance und des Barock, darunter eine Entwurfszeichnung von Rubens und Zeichnungen Tiepolos, zu Gemälden Tischbeins und Augsburger Silber sowie Porzellan aus China, Meißen und Fulda und zu Kunstwerken des 19. Jh. schlagen. Eindrucksvoll ist der Zyklus Johann Heinrich Tischbeins d.A. zur Reiherjagd aus Schloß Wabern (1764-66), wichtig auch seine Ansicht des Schlosses Weißenstein bei Kassel im Zustand von 1604/06 (heute: Wilhelmshöhe).
In einer Reihe von Dorfkirchen des Fuldaer Landes stößt der aufmerksame Besucher immer wieder auf Taufsteine mit spätgotischem Blendmaßwerk und aufwendigen prismatisch gestalte¬ten Sockeln. Sie bilden eine künstlerische Gruppe mit Taufsteinen in den Kirchen von Schlitz (1467) bis Eisenach (1501), namentlich im Kreis Fulda. Hier finden wir derartige Taufsteine in Flieden (1495, die Kirche selbst entstand 1715-19 unter Beibehaltung älterer Teile), Floren¬berg (1500, hier auch eine spätgotische Sakramentsnische), Großenlüder (1501), Neuhof (1503), Eichenzell (1511 in der Kirche von 1832-34), Dipperz (1512; Kirche von A. Gülden¬pfennig 1895-96), Hofbieber (1520) und Weyhers (1520). Ähnliche Moden haben im 17. und 18. Jh. auch bestimmte Altar- und Kanzelformen erfahren, die ebenso eine Entdeckungsreise zu wenig bekannten sehenswerten Kunstwerken im Fuldaer Land anregen können. Daneben wird man auch immer wieder auf barocke Fluraltäre stoßen, also Altäre in der Landschaft statt kleineren Wegekreuzen, die für den katholischen Raum kennzeichnend sind. Die Wallfahrts¬kirche St. Flora und Kilian in Florenberg erhielt 1511-16 einen spätgotischen Neubau mit netz¬gewölbtem Chor; das Langhaus wurde 1740 mit einer barocken Stuckdecke modernisiert. Der Westturm ist romanisch. Die katholische Pfarrkirche in Pilgerzell erbaute 1962-64 Hans Schädel.
Schloß Bieberstein in Langenbieber erbaute 1711-14 J. Dientzenhofer als Sommerresidenz des Fürstabts Adalbert von Schleifras. Das Schloß der Herren von Eberstein in Schackau wurde im 17. Jh. errichtet (Inschrift 1630). Ein Renaissancebau ist das Schloß von Eichenzell, 1584, mit einem kräftigen Rundturm an der Ecke und einem schlankeren Treppenturm versehen.
Durch das von zwei Rundtürmen gerahmte und in seiner heutigen Form auf das Jahr 1557 zurückgehende Stadttor betritt man die kleine Altstadt von Tann, deren Hauptstraße (Markt- straße/Steinweg) sich nach wenigen Schritten zu einem Marktplatz weitet. Außer drei barocken Putzbauten, darunter der 1689 errichtete Neue Bau der Herren von der Tann, ist hier ein Fachwerkhaus des 17. Jh. bemerkenswert, in dessen Brüstungsständern die Büsten von elf Aposteln eingeschnitzt sind. Östlich des Marktplatzes steht die 1888/89 erbaute Pfarrkirche, westlich führt die Schloßstraße zu den Tanner Schlössern. Hier wurde auch ein kleines, inzwischen bekannt gewordenes Freilichtmuseum (Rhöner Museumsdorf) eingerichtet, das dem >Hessenpark< im Taunus im wissenschaftlichen Aufbau und in atmosphärischer Genauigkeit haushoch überlegen ist.

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