Fulda und die Rhön 5

Der Eingang an der Südseite des Langhauses entstand 1685. Der an das 1479 erneuerte Lang¬haus anschließende Chorturm mit achteckigem Tambour gehört noch der Romanik an. Seit¬lich des Triumphbogens sowie an den Lang¬hauswänden sind im Innern bemerkenswerte romanische Reliefs eingemauert, die Chri¬stus, Maria, Bonifatius und karolingische Herrscher in Sitzposition zeigen. Der Chor¬turm öffnet sich in zwei Seitenkapellen durch Rundbogenarkaden auf korinthischen Kapi¬tellen. Die Altäre gehören dem 17. Jh. an. Im Langhaus ist die mit Ölbildern versehene Decke bemerkenswert; die Bilder zeigen die Himmelfahrt Mariens sowie die Heiligen Isi¬dor von Sevilla, Papst Gregorius, Anselmus von Canterbury und Udephonsus von Toledo, ferner an der Wand ein überhoher Christo- phorus in Formen der Renaissance. Eine romanische Platte, 1479 als Grabstein ge¬nutzt, dient jetzt als Lesepult.
Seitlich führen Stufen in die Krypta unter der Choranlage, die aus vier parallelen tonnengewölbten Räumen besteht. Sie dürfte dem 9. Jh. zuzurechnen sein. Die Putzfläche scheint in weiten Teilen original zu sein und läßt noch Malereien erkennen, bei denen es sich wohl um romanische Erneuerungen nach karolingischen Vorlagen zu handeln scheint (nach anderer Auffassung stammen die erhaltenen Malereien aus den Jahren um 836). In der mittleren und der nördlichen Kryptennische befinden sich noch Altarplatten der Zeit um 836.
Die Benediktinerabtei St. Andreas in Neuenberg, unmittelbar an der Straße Lauterbach – Fulda gegenüber der Altstadt gelegen, ist ihrer architektonischen Erscheinung nach auf den ersten Blick ein eher belangloser barocker Längsbau mit solider schlichter Gliederung. Im Kern haben wir jedoch einen frühsalischen Bau vor uns. Diesem einschiffigen (!) Bau des 11. Jh. wurde gegen 1200 ein Westturm angefügt. Bei einem Umbau 1764-68 erhielt das Lang¬haus die heutige einfache Barockform.
Höchste kunsthistorische Bedeutung hat die Vierstützenkrypta mit halbrundem Ostab¬schluß, deren seitliche Tonnengewölbe und mittleres Kreuzgratgewölbe noch die Ausmalung der Erbauungszeit aufweisen: die Kirche war um 1018 gegründet und 1023 geweiht worden. Bemalungsreste weisen übrigens auch die Außenseiten der Kryptenmauern zum Querhaus hin auf, dort blieb die Bemalung erhalten, weil die heutigen Kryptentreppen etwas zur Seite gelegt worden sind. Am besten erhalten sind die gemalten Engelstatuen. Zur Ausstattung der im Mauerwerk wohl noch romanischen, in der Spätgotik veränderten Kirche (Nordquerhaus¬portal zum Kreuzgang mit Stabwerk) gehören ältere Epitaphien, u. a. aus der Renaissancezeit. Der Hochaltar ist mit einem Tabernakel von Lioba Münz versehen, eine Senkemailarbeit von 1960, die Anbetung der drei Könige darstellend.
Auch die ursprüngliche Kirche der 811 gegründeten Propstei Johannesberg (einige Kilo¬meter südlich der Stadt) ist völlig durch Neubauten ersetzt. Die heutige Kirche entstand 1686-91 anstelle eines gotischen Vorgängers (um 1500) im nachgotischen Stil, jedoch unter Einbeziehung eines Westturmes aus dem frühen 13. Jh. (romanisches Portal). Das Kirchen¬schiff mit seinen dünnen hölzernen Rippengewölben und maßwerklosen Spitzbogenfenstern ist nachgotisch. Die Chorfassade wurde 1744 hinzugefügt, sie sollte der Mittelpunkt des barocken Schloßbaues (Propstei) sein. Die geschnitzte Kanzel gehört der Bauzeit der Kirche an, der Hochaltar entstand um 1700 und die Seitenaltäre um 1744, der barock gegliederte Orgelprospekt (1844-47) stammt vielleicht von Augustin Ostreich. In der gotischen Turm¬kapelle über dem Eingang blieben Wandmalereien der Jahre um 1300 erhalten.
Südlich sind der Kirche die Klostergebäude angefügt. Der Westflügel mit Renaissanceprofi¬len ist 1700 erneuert worden, ältere Teile gehören dem 16. Jh. an, wie sich an Baufugen und Arkaden zum östlichen Hof zeigt. Unmittelbar an die Kirche ist die Quirinuskapelle angefügt, mit Malereien E. Wohlhaubters. Zum Garten hin steht dahinter das Propsteischloß, das nach Plänen von Andreas Gallasini in den Jahren 1726-33 entstand. Es enthält im Obergeschoß einen Saal mit Deckenfresko von E. Wohlhaubter, Stukkaturen in mehreren Räumen und die Wappen des aus dem Weserraum stammenden Propstes Konrad von Mengersen. – Die 150 m lange eindrucksvolle Fuldabrücke bei Kohlhaus von 1765 wurde nach 1813 und nach 1945 erneuert.
Die katholische Pfarrkirche St. Godehard in Kämmerzell nordwestlich von Fulda ist ein klas¬sizistischer Bau (1802-04) von Bauinspektor Wilhelm Arnd, mit einem bemerkenswerten barocken Altar ausgestattet, der aus der Universitätskirche in Fulda übernommen wurde. – Die barocke kreuzförmige Kirche St. Georg in Großenlüder zwischen Fulda und Lauterbach wurde 1731-35 durch Andreas Gallasini erbaut. Die Westseite ist durch eine Quaderfassade mit Pilastern und Segmentbogengiebel ausgezeichnet. Der mittelalterliche Chorturm (Auf¬stockung 1516) wurde in den Barockbau einbezogen. Einer an ihn angefügten spätromanischen Apsis ist eine doppelte Säulenordnung vorgelegt, die einen Rundbogenfries trägt. Die Kapitelle zeigen reiches Blattwerk des 13. Jh. Eine zweite Apsis wurde – wie den Quaderkanten der Hauptapsis anzusehen ist – nachträglich angefügt. Das südliche Turmportal ist mit einem Klee¬blattportal versehen, das an die rheinische Romanik erinnert. Zur Ausstattung der Kirche zäh¬len neben bedeutenden Barockaltären und dem wichtigen Orgelprospekt (J.M. und Georg Ost¬reich, 1784) auch der spätgotische Taufstein von 1501. Das nahe gelegene Amtshaus ist ein barocker Steinbau aus dem 16. Jh., weitgehend im späten 17. Jh. und nochmals 1732 (mit barockem Portal) erneuert.
Wenige Kilometer südlich von Fulda liegt das Schloß Fasanerie (Adolphseck bei Eichen¬zell). Eine lange Allee führt auf das Schloß zu, das durch drei Tore abgeriegelt ist. Ein kleines Landschloß des beginnenden 18. Jh. wurde um 1730 unter Fürstbischof Adolf von Dalberg aus¬gebaut und unter seinem Nachfolger Amand von Buseck (1737-56) nach Entwürfen von A. Gallasini entscheidend vergrößert. Mitte der 40er Jahre konnten Teile des Inneren von E. Wohlhaubter ausgemalt werden. 1816 kurhessisch geworden, ließ Wilhelm II. von Hessen die wichtigsten Säle des Schloßinneren 1825-27 durch Baumeister J. C. Bromeis umgestalten sowie den Barockpark in einen englischen Garten umwandeln. Heute unterhält die Hessische Hausstiftung im Schloß ein bedeutendes Museum, so daß auch die barocken und klassizi¬stischen Räume des Schlosses besichtigt werden können.

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