Fulda und die Rhön 4

Die Stadtpfarrkirche St. Blasius am Platz Unterm Heilig Kreuz wurde 1770-89 anstelle einer seit dem 10. Jh. nachweisbaren und in der zweiten Hälfte des 15. Jh. neu aufgeführten Kirche errichtet, von der wir den nördlichen Turm der Westfassade noch vor uns sehen; der südliche Turm wurde mit leichten barocken Abwandlungen (Ecklisenen statt Eckquader) dem alten Turm angepaßt; zwischen beiden Türmen quillt die Mittelschiffassade hervor. Die Barockkirche entstand nach Plänen des Jesuiten Johann Andreas Anderjoch aus Südtirol als dreischiffige Basilika mit eingezogenem Chor, der von zwei Sakristeien gerahmt ist. Die Aus¬führung betreute Franz Engelbert Springer. Die Deckenstukkaturen führten Johann Michael Hoys und Andreas Wiedemann in Werkgemeinschaft aus; Flauptmeister war hier Hoys (vgl. Lauterbach, Hohaus), der seit 1774 Hofstukkateur in Fulda war. Die Fresken von Johann Andreas Herrlein zeigen die Bergpredigt, die Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel, bez. 1783, sowie König David. Auch den Hochaltar schufen Hoys und Wiedemann gemeinschaft¬lich; mit seinen voreinanderstehenden Säulen, die ein doppeltes Gebälk mit einer Bekrönung tragen, ist er dem Domaltar nachgebildet. Auch die Nebenaltäre sind bedeutende Kunstwerke des Barock. Der klassizistische Orgelprospekt entstand 1836/37 (G. F. Ratzmann, Ohrdruf), der Taufstein mit Blendmaßwerk ist 1483 datiert.
Das Alte Rathaus ist einer der wenigen älteren Fachwerkbauten Fuldas, über einem spät¬gotischen Steingeschoß mit offenen Arkaden wohl um 1550 errichtet und 1581 (Bauinschrift am steinernen Anbau) erweitert. – An der Universitätsstraße südöstlich des Marktes stehen die Gebäude der Alten Universität, 1734 von A. Gallasini, und des ehemaligen Päpstlichen Semi¬nars, heute Museumsbau (Vonderau-Museum), 1731/32 unter Verwendung von drei Flügeln der Zeit um 1620 ebenfalls von Gallasini. Im Innern des Seminars befinden sich das ehemalige Refektorium und in einem auch außen hervorgehobenen Eckraum das ehemalige Oratorium mit Stukkaturen und Malereien von A. Schwarzmann und E. Wohlhaubter. Die Aula der Universität nimmt die frühere Universitätskirche ein; sie enthält Stukkaturen und Decken¬bilder an der von Stichkappen eingeschnittenen gewölbten Decke.
Nach Plänen des Hofarchitekten Andreas Gallasini wurde 1729-33 die Heilig-Geist-Kirche errichtet. Sie hat eine Quaderfassade mit zwei flachen seitlichen Risaliten, die von Dreiecks¬giebeln abgeschlossen werden. Das einschiffige Langhaus wird durch einen Triumphbogen vom Altarraum abgeteilt, der einen Altar aus Stuckmarmor aufnimmt. Das Altarblatt mit dem Pfingstwunder stammt von Emanuel Wohlhaubter. Das 1290 erstmals genannte Hospital selbst ist ein einfacher zweigeschossiger Putzbau von 1728.
Der mittelalterliche Stadtgrundriß ist besonders im Süden der Altstadt (Buttermarkt, Karl¬straße, Kleine Marktstraße) noch erkennbar. Auch westlich der Achse Dom-Rathaus befinden sich in engen Altstadtstraßen noch bemerkenswerte Bauten, darunter das ehemalige Wohnhaus des Baumeisters Johann Dientzenhofer, Rittergasse 4, aus dem Jahre 1707. Die Severikirche zwi¬schen Dom und Stadtpfarrkirche, 1438-45, war die Kapelle der Wollweberzunft. Das schlichte Langhaus ohne alte Ausstattung schließt in einem spätgotischen netzgewölbtem Chor. Zu den Resten der Stadtbefestigung zählen der Hexenturm (Kanalstraße), der Bierturm (Im Sack) und der Spillingsturm (Rabanusstraße).
Die Josephskirche (Amand-Ney-Straße, nördlich der Altstadt) entstand 1929 nach Plänen von Hermann Mahr, Fulda. Äußerlich schlicht, zeigt der Altarraum eine einfache expressioni¬stische Gestaltung. Die Sturmiuskirche (Wallweg, südlich der Altstadt), 1963-66 von Erwin von Aaken, hat mit einem Parabelbogen als Querschnitt und freistehendem Glockenturm typische Züge der sechziger Jahre. Bedeutender ist die Elisabethkirche (Gallasiniring, östlich der Altstadt), 1961-63 von Alois Giefer und Hermann Mäckler, deren Dach von schlanken Betonpfeilern getragen wird. Die Pauluskirche (Goerdelerstraße) auf achteckigem Grundriß mit Nebenräumen, die den Grundriß zum Rechteck erweitern, wurde 1965 nach Plänen von Herbert Rimpl errichtet.
Ein Ring von Nebenklöstern umgibt das Stift Fulda. Im Norden liegt der Frauenberg, im Westen Neuenberg (ursprünglich Andreasberg genannt) und im Osten Petersberg, weiter süd¬lich schließt Johannesberg diesen Reigen. Das Chorherrenstift Frauenberg (seit 1623 Franzis¬kanerkloster) wurde zwischen 803 und 817 gegründet. Nach Zerstörungen im Bauernkrieg und bei einem Brand 1757 wurden die heutige einschiffige Kirche mit Wandpfeilern an den Innenseiten 1758-60 und das Kloster 1762-65 erbaut. Die Bauleitung der Kirche hatte der Franziskaner Cornelius Schmitt, die reiche Ausstattung besorgten Hyazinth Wiegand (Hoch¬altar), C. Schmitt und J. A. Herrlein. Der Orgelprospekt verblieb von der Barockorgel Ernst Wegmanns. Eine barocke Terrasse beim Kloster nimmt eine fast lebensgroße Kalvarienberg- gruppe von Wenzel Marx ein (1735-38), zu der ein Kreuzweg führt.
Die katholische Pfarrkirche im Stadtteil Horas wurde 1881-85 nach Plänen des Paderborner Dombaumeisters A. Güldenpfennig errichtet. Es handelt sich um eine gotisierende dreischif- fige Basilika mit Dreikonchenchor und eintürmiger Westfront. Das Motiv des Dreikonchen- chors mag von der Elisabethkirche in Marburg abgeleitet sein, die ihrerseits Vorbild für den dem 13. Jh. angehörenden Nordchor des Paderborner Domes war. Der basilikale Aufbau hat sein Vorbild allerdings in keiner der beiden Kirchen, dabei handelt es sich vielmehr um ein im 19. Jh. besonders beliebtes Schema (Vorbilder z. B. in Frankreich), für das es ein weiteres Bei¬spiel in Amöneburg bei Marburg gibt.
Von der Kirche zu Petersberg aus hat man den besten Blick über das Fuldaer Land. Die Kirche wurde im späten 8. Jh., ein Kloster bald darauf gegründet, 836 geweiht und 915 be¬schädigt. Das Kloster wurde 1802 aufgehoben, die Gebäude brach man ab. Die Kirche erfuhr seit dem Mittelalter zahlreiche Veränderungen. Sie besteht aus einem ehemals dreischiffigen Langhaus, in der heutigen Form ab 1479 erbaut, mit einem Westturm des 11. Jh. und dem mit einer Krypta versehenen Ostteil. An dieser sind Umbauten nach 915 (flacher statt runder Abschluß) und später mehrfach Änderungen an den Fenstern sowie Erweiterungen vorgenom¬men worden. Nur das nördliche Kryptenjoch hat noch die alte Außenfront und weist drei romanische Lanzettfenster auf.

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