Fulda und die Rhön 3

Der dreigeschossige Barockbau westlich von St. Michael wurde 1771/78 von Karl Philipp Arnd als Hof- und Klosterbibliothek errichtet und dient heute als Hochschulgebäude der Philo¬sophisch-Theologischen Hochschule. Der holzumkleidete Bibliothekssaal hat sich erhalten. – Das nördlich an St. Michael anschließende Propsteischloß, jetzt Bischöfliches Palais, erbaute 1717/21 Joh. Georg Meinwolf unter Verwendung älterer Teile. Einige der Räume haben alte Ausstattung bewahrt, vor allem der Festsaal und die Hauskapelle. – Nach Norden werden Stadt und Abtei durch eine Mauer abgeschlossen, in deren Verlauf sich das 1711 von Johann Dientzenhofer errichtete Paulustor befindet, 1771 von K. P. Arnd erweitert.
Die Pauluspromenade trennt den Dombezirk von der Abtsburg mit dem Schloßgarten und der Orangerie. Letztere steht nahe dem Paulustor. Sie entstand nach Entwurf des Bau¬meisters Maximilian von Welsch (1719/20) und unter Bauleitung von Andreas Gallasini in den Jahren 1722-25, die Ausstattung wurde 1737 vollendet. Eine breite Terrasse mit halb konvexer, halb konkaver Freitreppe, geziert durch die kunstvolle 6,8 m hohe Floravase des Bildhauers Johann Friedrich Humbach (1728), leitet vom Schloßpark zur Orangerie über. Verglaste Arkaden öffnen sie zum Park hin, den M. von Welsch entworfen hatte. Hervorgehoben ist der Mittelrisalit, der als einziger Teil über ein Mezzanin verfügt, zur Aufnahme des hohen Fest¬saales nötig. Pilaster und Gebälke bilden die Wandgliederung, über der sich in einer flachen Kuppel das hervorragende Deckenfresko von E. Wohlhaubter (1730) befindet. Es setzt die architektonische Gliederung des Saales in den imaginären Himmelsraum in Anlehnung an einen Kupferstich (von Paul Decker, veröffentlicht in dem Werk fürstlicher Baumeister^ Nürnberg 1711) fort und stellt die Verherrlichung des Apollo dar. Die Stukkaturen fertigte 1730-34 Andreas Schwarzmann. Auch die Nebenräume sind barock ausgestattet.
Anstelle einer um 1300 errichteten Abtsburg ließ Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach 1607-12 ein Renaissanceschloß errichten, das heutige Stadtschloß, von dem Teile in der heu¬tigen Anlage erhalten sind. Der fast vollständige Umbau zum barocken Schloß mit erheblicher Vergrößerung fand unter den Fürstäbten Adalbert von Schleifras 1706-14 und Konstantin von Buttlar 1719-21 nach Plänen von Johann Dientzenhofer statt. Die insgesamt sechs Hauptflügel des Schloßbaues umgeben einen vorderen und einen inneren Schloßhof. Der vordere Schloßhof wird zur Pauluspromenade, also zum Dom hin, lediglich durch ein barockes Gitter mit Vasen und Figuren von Johann Neudecker d. Ä. (1710) begrenzt. Der Querflügel am Ende dieses Hofes, des Ehrenhofes, enthält eine Tordurchfahrt, zu deren Seiten sich das Haupttreppenhaus befindet. Dieser Trakt geht auf mittelalterliche Entstehungszeit und den Umbau 1607-12 zurück (Befunde von Renaissancefenstern innen seitlich der Durchfahrt). Nach Osten schlie¬ßen sich die Seitenflügel des inneren Schloßhofes an. Zur Gartenseite enthält der nördliche Seitenflügel den Schloßturm, der im Kern dem frühen 14. Jh., weitgehend aber dem frühen 17. Jh. angehört. Zur Achse des Barockschlosses steht er etwas schief und geht oberhalb der Dachtraufe in einen achteckigen Grundriß über. Den östlichen Abschluß des inneren Schloßhofes bildet der Marstall, dem mittig zum Hof zu der Dianabrunnen vorgesetzt ist. Diesen schufen die Bildhauer G. B. Artari und A. B. Weber 1710.
Die Eingangshalle mit Kreuzgewölben über toskanischen Säulen führt sowohl in das barocke Treppenhaus als auch in den Kaisersaal (Gartensaal). In das weitgespannte Gewölbe des Saales schneiden Stichkappen tief ein und erhöhen die Plastizität des Raumes. Vor den Wandpfeilern haben Hermen Platz gefunden. Sie stammen von Joh. Friedrich Humbach, während Andreas Schwarzmann 1728-30 die Stukkaturen schuf. 16 gemalte Herrscherporträts von Emanuel Wohlhaubter stellen Kaiser aus dem Hause Habsburg dar. Wohlhaubter schuf auch die Deckenfresken zur Verherrlichung des Kaiserhauses. In den Obergeschossen sind aus einer Reihe typischer barocker Schloßräume der Gobelinsaal mit flämischen Wandteppichen des 17. Jh. und ein Nebenraum mit einer Pariser Bildtapete (1814) der Schlacht bei Austerlitz zu erwähnen. Der Festsaal im zweiten Obergeschoß wird von einer sehr flachen Spiegeldecke überspannt, die zwischen Stuckrahmen mit einem Fresko von Melchior Steidl (1712) versehen ist. Es stellt die Versammlung der Götter auf dem Olymp dar, für ein Abteischloß nur vorder¬gründig ein ungewöhnliches Thema: weniger die christliche Religion als vielmehr Kultur und Bildungsstand sollen sich in solchen Malereien dokumentieren. Die Nebenszenen zeigen eben¬falls antike Götter. Auch die Schloßkapelle ist mit Deckenfresken (Melchior Steidl) zwischen Stuckrahmen versehen; den Altar schuf A. B. Weber, das Altarbild Joh. Ignaz Albin. – Einige weitere Barockräume enthält der südliche Ehrenhofßügel (Spiegelsäle). Die Stukkaturen ge¬hören hier bereits dem Rokoko an, Höhepunkt ist dabei das Spiegelkabinett mit 420 Spiegeln sowie Ölbildern von J. A. Herrlein, um 1758. Einige Räume im zweiten Obergeschoß zeigen sogar schon klassizistische Gestaltung. – Die durch sieben Arkaden geöffnete Hauptwache gegenüber dem Stadtschloß ließ Adalbert von Walderdorff in Anlehnung an die Frankfurter Hauptwache 1757-59 errichten. Vor ihm steht ein Bonifatius-Denkmal von Werner Henschel (Kassel), 1842. Zwei 1737-39 nach Plänen A. Gallasinis erbaute Palais bilden an dieser Stelle das Tor zur Altstadt, sie gehörten den Familien von der Tann und von Buttlar.
1626 berief Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg Benediktinerinnen zur Gründung eines Klosters nach Fulda. 1631 konnte das Kloster bezogen werden. Die Nonnen¬kirche entstand 1629-31, wurde jedoch erst nach 1648 ausgestattet und 1678 geweiht. Das rechteckige Außere ist ungegliedert, die Längswände werden nur durch die dicht angeordneten spitzbogigen Fenster aufgelockert. Die Schmalseiten haben hohe Volutengiebel mit Pilastern und Beschlagwerk im Übergang von der Renaissance zum Barock – insgesamt steht der Bau der >Jesuitengotik< sehr nahe. Das Portal (1677) zeigt bereits ausgeprägte barocke Formen mit Ohrmuschelrahmungen und gedrehten Säulen. Die neun Joche des einschiffigen Langhauses sind mit Kreuzrippengewölben versehen, für die Strebepfeiler an den Innenwänden angeord¬net wurden. Der eingezogene Chor ist mit einem Netzgewölbe versehen. Den Hochaltar schuf 1964 Lioba Münz OSB, die Angehörige dieser Ordensniederlassung ist und durch bedeutende religiöse Kunstwerke bekannt wurde. Südlich schließen sich die Klostergebäude (1628-31) mit rippengewölbtem Kreuzgang an. – Die Christuskirche an der Lindenstraße wurde in den Jahren 1894-96 in gotischen Formen nach Plänen von Friedrich Zoffmann und Bernhard Zölffel errichtet.

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