Der Vogelsberg 6

Ein Mauerring umschließt die im Mittelalter sehr kleine Stadt, an der Südseite mit dem >Ankerturm< aus dem 13. Jh. Spätestens im 17. Jh. wurde der Bereich vor der Stadtmauer bebaut, ein Beispiel ist die Straße Im Graben mit dem bemerkenswerten klassizistischen Steinbau Nr. 18 aus dem Jahre 1823 (Haus Diehm), ferner versah man einige Fachwerkbauten mit guten Haustüren des Rokoko und des Klassizismus.
Außer dem Schloß hat das Stadtpalais Hohhaus (Hohhaus-Museum) des Freiherren Georg Friedrich Riedesel Bedeutung, 1770-78 nach Plänen von Georg Veit Koch als dreiflügelige Anlage erbaut. Die Stukkaturen des Saales sowie der übrigen Räume führten den erhaltenen Verträgen zufolge die Stukkateure Andreas Wiedemann und Johann Michael Hoys aus, die dazu eine Arbeitsgemeinschaft gebildet hatten. Die Entwürfe stammen von Wiedemann (vgl. Stadtpfarrkirche in Fulda). Die Dekoration setzt sich aus Girlanden, Blüten und Blättern, geschwungenen Rokokoformen und figürlichen Reliefs sowie Musikinstrumenten an den Supraporten zusammen. Pastellhafte Farbtöne in Gelb und Grün (man verwendete Malachit¬grün) sind archivalisch verbürgt und nach den Befunden der Restauratoren 1970/71 wieder auf-getragen worden. – Vor dem Hohaus weitet sich die Obergasse zu einem kleinen Platz, von Fachwerkbauten des späten 16. und 17. Jh. umstellt. Die zentral gelegene steinerne Stadtmühle entstand 1628.
Im Chorturm der evangelischen Kirche von Wallenrod (Lauterbach) befinden sich Wand¬malereien des 15. Jh.; das Schiff wurde 1727/28 angefügt. Hopfgarten (Schwalmtal) gehört zu den Dörfern im Vogelsbergkreis mit nennenswerten Fachwerkhäusern, vor allem des 17. und 18. Jh. Die evangelische Kirche ist im Kern zumindest noch gotisch, 1734 wurde sie erheblich vergrößert. Die Ausstattung gehört dem Barock an.
Berühmt ist die Stadt Schlitz wegen ihrer fast vollständigen Ummauerung und der vier die Mauer säumenden Burgen bzw. kleinen Schlösser. 812 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, als Erzbischof Richolf von Mainz im Beisein des Abtes Ratgar von Fulda eine Kirche weihte, von der Reste in der heutigen Kirche noch bestehen. Fulda belehnte Ziegenhain, später die Herren von Schlitz mit dem Ort – diese trugen ab 1408 den Namen Schlitz-Görtz. Aus dem Jahre 1439 stammt die erste Erwähnung als Stadt, 1418 noch wurde Schlitz als Flecken bezeich¬net. 1632 erfolgte der Übergang an die hessischen Landgrafen, nach dem Reichsdeputations¬hauptschluß (Enteignung geistlicher Territorien) 1803, der die fuldische Oberherrschaft end¬gültig beendete, schließlich 1806 an Hessen-Darmstadt.
Die imposanteste der Burgen ist die winkelförmige Vorderburg, deren Renaissanceflügel an einen mittelalterlichen Bergfried angelehnt sind. Renaissance kennzeichnet sich hier wie meistens in Hessen nicht durch Pilaster und Gebälk, sondern nur durch schlichte Fenster¬gewände mit Profilen, Volutengiebel und durch Beschlagwerk (z.B. am Kellerportal von 1600). Der Ausbau des Renaissanceschlosses erfolgte um 1565 bzw. um 1600 (Jahreszahlen). Der Zieh¬brunnen vor dem Schloß ist noch mit dem Fachwerkbrunnenhäuschen und dem Räderwerk des 17. Jh. versehen. Die Steinmetzen der Vorderburg schufen um 1600 auch das Portal des Benderhauses, das ganz ähnliche Beschlagwerkformen erkennen läßt. Der Fachwerkaufbau ist nicht nur mit zeitgenössischem Schnitzwerk versehen, sondern zeigt an seiner Fassade auch die heute für das Schützer Land noch immer typischen Holzverschindelungen.
Den höchsten Punkt des Ortes nimmt die evangelische Stadtkirche ein. Ihre Baugeschichte reicht bis in karolingische Zeit zurück, zumal das Weihejahr 812 überliefert ist. Schon außen sind mehrere Bauphasen ablesbar. Der Chor schließt in einer runden Apsis und wird von zwei Nebenarmen begleitet, im Norden mit einer erkerartigen Apsis. Bis auf den südlichen Neben¬raum stammt dieser Bauteil aus der Mitte des 13. Jh. und gehört der jüngsten größeren Bau¬phase an. In der Mitte der Kirche ragt ein achteckiger Helm aus dem Langhaus. Die Langhaus¬teile östlich des Turmes entstanden im 11. oder 12. Jh., westlich dagegen in vorromanischer Zeit. Der südüch vorgebaute schlanke Turm mit gestrecktem spitzen Helm entstand 1598 und zeigt ein Wappen des Diderich von Schachten. Dem westlichen Teil des Langhauses ist im Süden eine spätgotische Vorhalle (1505) mit Giebel von 1557 vorgelagert. Im Westen führt ein vierfach abgestuftes Portal des späten 13. Jh. in das Innere.
Das Innere wird durch eine Vierung mit heute vier gleich hohen Arkaden bestimmt, ursprünglich handelte es sich zu den Seitenschiffen um niedrigere Arkaden. Wir haben hier den Rest einer hochmittelalterlichen Basilika vor Augen. Das Langhaus ist flachgedeckt, der Ostteil wurde 1638 mit einer geometrischen Stuckdecke ausgestattet, die Blumengirlanden, Wappen, Pelikan und Doppeladler mit Krone enthält. Sie steht in Zusammenhang mit der Stuckdecke der Pfarrkirche in Nidda. Das Chorjoch hat Dreiviertelsäulen mit Schaftringen und Knospenkapitellen sowie sehr wulstige runde Rippen, wohl aus der Mitte des 13. Jh. An der Stelle des Hochaltars befindet sich ein Renaissancegrabstein, Doppelgrab für Hans von Görtz und Margarethe geb. von Dörnberg. Über dem Eingang zur Sakristei befindet sich das Doppelgrab des Georg von Schachten und der Sidonie geb. Riedesel zu Eisenbach, das 1591 von Andreas Herber geschaffen wurde. Ein reicher spätgotischer Taufstein stammt aus dem Jahre 1467, der älteste einer in Osthessen und Westthüringen verbreiteten Gruppe.
Der Steinbau östlich des Chores ist das Rathaus aus der Mitte des 16. Jh., dessen Kielbogen¬portal noch ganz in der Tradition gotischer Bauten steht. Nur wenige Schritte wieder abwärts befindet sich die aus zwei Gebäuden beste¬hende Hinterburg. Ein Wohnbau der Renais¬sance wurde 1561-65 errichtet und mit einem Treppenturm zum Hof hin sowie einem erkerartigen Risalit und einem Aborterker zur Außenseite hin versehen. Auch hier kenn¬zeichnen nur einfache Profile und die Be¬schlagwerkgiebel die Renaissance. Der zweite Flügel wurde 1553 an einen mittelalterlichen runden Bergfried angefügt, sein Außenmauer¬werk bezieht zudem an der Westseite und an der Gartenfront Mauerwerk der Stadtmauer und wohl einen ehemaligen kleineren halb¬kreisförmigen Wehrturm (seit dem 16. Jh. als Treppenturm genutzt) mit ein. Das Fach¬werkgeschoß wurde 1653 aufgesetzt. Der Bergfried kann bestiegen werden und ge¬währt einen weiten Blick über das Land.

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