Der Vogelsberg 5

Nach Gründung einer Burg in der Mitte des 13. Jh. legten die Fuldaer Äbte auch die Stadt Herbstein an, spätestens 1338 als solche genannt. Anstelle der Burg wurde auf der Kuppe des Basaltkegels um 1400 die katholische Pfarrkirche St. Jakobus als spätgotische Hallenkirche errichtet. Uber dem westlichen Langhausjoch steht der Turm. Achteckpfeiler tragen die Kreuzrippengewölbe. Zu den Resten figürlicher Malereien gehören eine Kreuzigungsgruppe an einer der überhöhten Mittelschiffarkaden, ferner ein hl. Michael im Chor. Der barocken Ausstattung gehören die Kanzel und zwei Nebenaltäre an. Den Taufstein schuf der Renaissance-Bildhauer Andreas Herber (AB), das Gewände zeigt das Wappen des Caspar Schutzbar gen. Milchling und seiner Gemahlin, die Jahreszahl 1580, den hl. Jakob und eine Taufe Christi. – Zweigeschossige Fachwerkbauten säumen den Kirchplatz mit einer für den Vogelsberg typischen Holzverschindelung (trotz häßlicher Einscheiben-Fensterhöhlen noch gut erhalten); die Fachwerkhäuser gehören dem 17. bis 19. Jh. an. Teilweise präsentiert sich auch die Stadtmauer noch in gutem Zustand. Die mitunter grausame Realität der früheren Rechtsprechung mag man sich 2 km nordöstlich der Stadt Herbstein verdeutlichen, wo zwei steinerne Säulen eines Galgens aus dem 16. Jh. erhalten geblieben sind.
Das Schloß der Freiherren Riedesel zu Eisenbach in Stockhausen (Herbstein) ist ein 1770 von Georg Koch begonnener Barockbau, dessen Vollendung sich jedoch bis nach 1800 hinzog; einige Reste haben sich auch vom zugehörigen Park erhalten. – Die Chorturmkirche von Angersbach (Wartenberg) entstand 1498 und wurde kurz darauf ausgemalt (u. a. Jüngstes Gericht), doch wie bei mehreren Kirchen des Vogelsberges erfuhr das Schiff einen völligen Neubau im Barock, hier in den Jahren 1762/63 durch Johann Nikolaus Koch. Die Orgel baute Johann Schlottmann 1785-88; die Kanzel entstand bereits 1680.
Das Renaissanceschloß Eisenbach (Frischborn) der hessischen Erbmarschall-Familie Riedesel zu Eisenbach liegt auf einer kleinen Anhöhe oberhalb eines Tales zwischen Herbstein und Lauterbach. Durch einen Halsgraben wird es vom Bergrücken getrennt, auf dem sich zwei Wirtschaftshöfe (der untere am Tor 1625 datiert) befinden. Man gelangt durch einen dem 16. Jh. angehörenden Torbau in den Vorhof des Schlosses, in dem weitere Wirtschafts¬bauten stehen, darunter ein 1559 errichtetes Gebäude im Norden des Burghofes. In seine Wand ist ein Wappenstein eingelassen. Östlich wird der Hof durch die Burgkapelle begrenzt, ein Bau der Jahre 1671-74 mit Kanzel (Caspar Wiedemann), Orgel der Bauzeit und einem spätgotischen Taufstein. Eine 1861 erneuerte zweibogige Brücke, der eine Zugbrücke vorausheutigen Schloßzugang.
Die beiden seitlichen Flügel des Kemschlosses sind mittelalterlich, im 16. Jh. wurden sie weit¬gehend erneuert. Ein rechtwinkliger Treppenturm nördlich und ein polygonaler Treppenturm südlich erschließen sie hofseits. Im Nordflügel ist zur Vorburg ein quadergemauerter (im 19. Jh. veränderter) Anbau vorgelagert. Der Hauptgiebel des Flügels zeigt Voluten und Obelis¬ken in der Art der Schloßbauten der Landgrafen von Hessen (Kassel, Marburg). Der südliche Flügel ist an den Außenseiten mit einem Rundbogenfries und einer turmartigen Eckverstär¬kung versehen, mittelalterliche Relikte: Eckbuckelquader lassen an eine Entstehung im 13. Jh. denken. Auch der Zwischenbau Hugo von Ritgens bezieht mittelalterliches Außenmauerwerk mit ein.
Die mittelalterliche Vorburg-Befestigung umzieht auf allen Seiten das Schloß, das in seinen Außen¬bereichen weitgehend besichtigt werden kann. Ein Durchgang neben der Kapelle ist außen 1603 datiert, das zweite Vorburggebäude 1587.
Ein Kirchspiel Lauterbach besteht seit dem 9. Jh. Zur Abtei Fulda gehörend und später an Ziegenhain als Landesherren übergehend, wurden die von Eisen¬bach mit der Vogtei belehnt, denen die Riedesel folg¬ten. Stadtrechte erhielt Lauterbach um 1265. Am Marktplatz, eigentlich einer platzartig geweiteten Straße, steht seitlich die barocke evangelische Stadt¬kirche. 1764-67 von Georg und Georg Veit Koch errichtet, wird ihre Fassade durch einen Mittelturm überhöht. Die nach Norden auf die aus Stuckmar¬mor erstellte Altarkanzelwand ausgerichtete Saal¬kirche hat doppelgeschossige Emporen, gleich alt ist auch die Orgel. Sie wird durch ein flaches Spiegel¬gewölbe mit reichen Rocailleformen überdeckt. Unter der Empore stehen aufwendige Renaissance- Epitaphien, teilweise von Andreas Herber (bez. AB), verschiedenen Mitgliedern der Familie Riedesel zu Eisenbach gehörend, u. a. Hermann Riedesel (f 1569).
Das Schloß der Freiherren Riedesel zu Eisenbach nördlich der Stadtkirche ist ein dreigeschossiges Bruchsteingebäude von 1679 (Jahreszahl an der Ost¬seite), das jedoch ältere Bauteile birgt. Das 1680 erbaute Pächterhaus an der Seite des Burghofes hat einen Giebel in Formen der späten Renais¬sance. Das nachgotische Brunnenbecken des 17. Jh. zeigt Stabwerk. – Wie schon in Eisenbach, so ist auch hier die Zugänglichkeit der Gesamtanlage vorbildlich.

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