Der Odenwald – vom Main zum Neckar

Bei der ersten urkundlichen Erwähnung von Babenhausen ist der Ort im Besitz der Herren von Münzenberg, die sicherlich auch die Burg angelegt hatten. Nach deren Aussterben 1255 gelangt es an die Herren von Hanau (ab 1458 Residenz) und von diesen 1736 an Hessen. Die Burg ist eine quadratische Anlage, was durch die erhaltenen romanischen Mauerteile schon für den Gründungsbau verbürgt und damit nach dem heutigen Kenntnisstand durchaus ungewöhnlich ist. Mitten im Burghof befand sich ein ebenfalls quadratischer Bergfried. Der romanischen Periode gehören wesentliche Teile der Umfassungsmauern sowie der Westflügel an, der sich zum Hof hin in einigen Arkaden mit besonders ansehnlichen romanischen Kelch¬blockkapitellen öffnet. Dieser Flügel wird durch eine dendrochronologische Datierung in die Jahre um 1200 gesetzt. Nach allgemeiner Auffassung gehört auch der Treppenturm dieses Flügels zur romanischen Substanz, womit es sich um ein ausgesprochen frühes Beispiel handeln würde, was aber angesichts der inneren Backsteinausmauerung und der ausgegrabenen Sockelprofile nicht ausgeschlossen ist. Ein weiterer Treppenturm entstammt der Renaissance¬zeit und hat eine gewundene Spindel. Der Nordflügel und der nördliche Teil des Ostflügels entstammen dem Spätmittelalter, um 1460 (Bauinschrift), teilweise im 18. Jh. aufgestockt. Komplettiert wurde die Anlage 1570-78 durch den Ausbau des Südflügels, so daß ein regelmäßiges vierflügeliges Renaissanceschloß entstand. Jeder Flügel hatte inzwischen auf der Hof¬seite einen Wendeltreppenturm erhalten. Die Zwerchgiebel der Renaissance zeigen Beschlag¬werk, nur die Portale unterliegen der antikisierenden Säulenordnung dieser Epoche; im Innern gehört eine Stuckdecke dieser Phase an. Gleichfalls in der Renaissancezeit wurde der getrennt stehende Pfortbau (1595) erneuert, die Jahreszahl über dem Spitzbogentor nennt das Baujahr 1525; im 18. Jh. wurde ein Mansarddach aufgesetzt. Geschützt wird die Burg seit dem späten 15. Jh. durch eine Bastion mit vier Rundtürmen (Batterietürme für Kanonen).
Auch in der Stadt reichen mehrere Fachwerkhäuser bis in das 15. Jh. zurück (Am Hexen¬turm 22, um 1480; Schloßgasse 15, Neugasse 4). Aus der ursprünglichen einheitlichen Fach¬werkbebauung ragen nur wenige Steinbauten hervor. Wie üblich sind dies die Kirche und die Stadtbefestigung. Die evang. Pfarrkirche besteht aus einem 1383 gestifteten Chor mit seit¬lichem Turm und einem 1472 angefügten dreischiffigen flachgedeckten (leicht stufigen) Hallen¬langhaus, dessen Arkaden die Seitenschiffe deutlich abtrennen. Wandmalereien der ausgehen¬den Gotik (um 1520/25) im Seitenschiff zeigen, daß diese Flachdecke von Anfang an besteht. Wertvollstes Kunstwerk ist der spätgotische Flügelaltar (um 1518), der dem hl. Papst Cornelius geweiht ist und sein Standbild zwischen denjenigen des Nikolaus und des Valentin zeigt; auf den Flügeln weitere Heiligenreliefs und darunter jeweils Reliquienbüsten. Das Epitaph des Burkhardt von Hertinghausen gibt den 1570 Verstorbenen in einer vollplastischen Statue wie¬der. Fünf Grabplatten für Adlige aus der Familie von Hanau schuf 1475 der Bildhauer Hans Merkel. Die Renaissancekanzel mit einer barocken Sanduhr – einst typischer Bestandteil einer protestantischen Predigtkirche – sowie die Orgel von Johann Nikolaus Schäfer, schließlich der spätgotische Taufstein gehören noch zu der reichen Kirchenausstattung.
Als weiterer Steinbau fällt neben dem Brechturm der Stadtumwehrung der Adelshof derer von Babenhausen auf, ein massives Gebäude mit Treppengiebeln von 1544 (Sackgasse 23), 1591 mit dem betonten Portalvorbau zum Keller ergänzt. Häufig wurden Adelshöfe an die Stadtmauer angesetzt, sie schirmen die Stadt von der Mauer ab. In Babenhausen finden sich beide Modelle: Die Stadtbefestigung aus dem 14. Jh. ist zu großen Teilen erhalten, der als Scha¬lenturm (zur Stadt hin offene) Hexenturm steht noch unter Dach; die Konstruktion sollte ver¬hindern, daß sich Angreifer im Turm gegen die Stadt festsetzten. Im Nordosten führt eine Gasse (Zwingergasse) innen unmittelbar an der Mauer entlang, im Westen und Süden schieben sich adlige Grundstücke zwischen Mauer und die nächste Gasse; im Norden der Stadt hat man den Bereich an der Mauer seit dem 16. Jh. zugebaut, was für eine frühe Aufgabe der Mauer in ihrer reinen Wehrfunktion spricht. Mehrere Adelshöfe sind in der Amtsgasse versammelt. Der Hof der Geiling von Altheim am Beginn der Amtsgasse (Nr. 30-33) aus zwei Renaissance¬giebelhäusern (1555/56 bzw. 1578-80) und einem auf der anderen Straßenseite gelegenen Winkelbau aus Stein und Fachwerk ist besonders eindrucksvoll. Das Amtshaus selbst (Amts¬gasse 29, 1560) ist durch zwei Fachwerkgiebel hervorgehoben und hat hofseitig einen Treppen¬turm (1602). – Einen interessanten Vergleich zur Stadt bietet das gut erhaltene Dorf Harres¬hausen (Babenhausen) mit seinen Fachwerkhäusern; ein weiterer sehenswerter Vorort ist Langstadt mit seinem ovalen, einst wohl durch eine Hecke befestigten Ortskern.
1368 erhielt Schaafheim Stadtrechte. Damit mag die Anlage des städtischen Straßensystems einhergegangen sein, das durch seine Rechtwinkligkeit auffällt. Nur der Bereich um die Kirche hat eine unregelmäßige Straßenanlage, die sicher auf die dörflich geprägte Zeit zurückgeht; erstmals erwähnt wurde Schaafheim schon 830. Die evang. Pfarrkirche entstand 1839-41 nach Plänen von Georg Möller und Georg Lerch. Doppelte Rundbogenarkaden mit romanisieren- den Kapitellen bilden eine großzügige, fast theatralische Innengestaltung. Zahlreich ist das Fachwerk, zumeist aus dem 17. bis 19. Jh.; nur das Haus Weedgasse2 geht in die Jahre um 1500 zurück. Auch das Rathaus mit einem Fachwerkstock des 17. Jh. entstammt im Kern bereits einer spätmittelalterlichen Bauperiode. Die Schaafheimer Warte ist ein Rundturm von 1492, nördlich des Ortes in beherrschender Lage errichtet.

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