Der Odenwald – vom Main zum Neckar 8

Das Rathaus des Städtel von 1545 überbaut zugleich dessen Stadttor. 1593 erhielt es eine Erdgeschoßlaube, im folgenden Jahr einen Anbau. Buckelquader weisen auf einen älteren, wohl spätmittelalterlichen Baukern. Das Städtel besteht im wesentlichen aus Adelshöfen. Bedeutendstes Bauwerk ist das sog. Templerhaus aus dem 14. Jh., ein Steinbau mit gotischen Eckbuckelquadern sowie Treppengiebeln. Weitere Massivbauten wurden von verschiedenen Adligen vielfach im 16. Jh. errichtet (z. B. Städtel 21: Echter von Mespelbrunn).
Keinesfalls sollte man sich die bedeutenden Sammlungen im Deutschen Elfenbeinmuseum entgehen lassen, das am Stadtrand in einem gemeinsamen Bau mit der Stadthalle untergebracht ist. Kunstgewerbliche Stücke von höchster Qualität aus dem 16. bis 20. Jh. sind hier in einer Dauerausstellung zu sehen; das Museum bemüht sich dabei auch um die Förderung der aktuel¬len künstlerischen Produktion. Elfenbein selbst darf heute nicht mehr verarbeitet werden. Daher ist man seit geraumer Zeit auf andere Materialien ausgewichen, etwa auf Steinnuß (versteinerte Nußform ähnlich großen Paranüssen), Knochen (Bein) oder auf Elfenbein von Mammutstoßzähnen, die häufiger in Sibirien entdeckt werden. Schmuck, Tafelaufsätze und Kleinskulpturen wurden und werden aus diesen Materialien hergestellt.
Eine Straße windet sich von Erbach bis zum Neckar hinab. Kurz vor der hessisch-badischen Grenze liegt oberhalb des Ortes Gammelsbach als >Talsperre< die Ruine der im 14. Jh. aus¬gebauten Burg Freienstein, deren Wohnbauten durch eine kräftige Schildmauer gedeckt sind. In Beerfelden macht vor allem der Galgen aus dem 16. Jh. auf sich aufmerksam, auf einer Anhöhe oberhalb des Ortes geradezu funktionstüchtig erhalten. Drei Säulen aus Quadern, die durch Eisenklammern befestigt sind, tragen erneuerte Balken mit insgesamt sechs Eisen¬ketten – offenbar bestand erheblicher Bedarf, Menschen auf diese Weise vom Leben zum Tode zu befördern. Den Ort Beerfelden legte man nach einem Brand 1810 neu an. Die rechtwinklige Neuplanung nahm der gräflich-erbachische Baumeister Jänisch vor, der auch die Häuser ent¬warf, teilweise sind sie aus Stein gebaut. Die Kirche entstand 1812-20 nach Plänen von Fried¬rich Gerhard Wahl, das ehern. Rathaus am Marktplatz 1824 nach Plänen von Sylvester Stockh aus Erbach.
Ein schmaler Landzipfel erstreckt sich vom Odenwald bis an den Neckar, gehört aber erst seit 1803 zu Hessen, bis dahin hatte Kurpfalz die Oberhand. Das Adelsgeschlecht der Herren von Hirschhorn hatte Hirschhorn (Farbabb. 21) zu Lehen, es verfügte über weit verstreuten Besitz von Weißenburg bis Ingelheim. 1404 stifteten die Herren von Hirschhorn das Karmeli-terkloster. 1529 führten sie die Reformation ein und hoben das Kloster auf. Doch 1629 mußten sie die Wiedereinrichtung des Klosters zulassen, für den lutherischen Gottesdienst wurde eine eigene Kirche nötig. Beim Aussterben der Hirschhörner 1636 kam es gänzlich zur Rekatholi- sierung durch Kurpfalz. Daran änderte sich beim Übergang an Hessen nichts, nur das Kloster wurde erneut aufgehoben.
Die hochmittelalterliche Burg war ursprünglich dreiflügelig. Eine um 1200 entstandene Schildmauer mit Eckbuckelquadern schützt gegen die nördliche Hangseite und ist westlich mit einem schlanken quadratischen Turm verbunden, der wohl aus dem 14. Jh. stammt. Die Schild¬mauer bildete den rückwärtigen Abschluß eines dreiseitigen Hofs; der westliche Seitenflügel ist bis auf das Sockelgeschoß abgebrochen, dem östlichen fehlt das Obergeschoß. Dies ist der ehern, frühgotische Palas mit gekuppelten Fenstern nach Osten und Kaminresten im Norden im Verlauf der Schildmauer (beim Aufstieg zum Turm geht man an ihnen vorbei). Südlich ist ihm der quadratische Eingangs- und Kapellenbau vorgelagert (Hoteleingang). Die Urkunden zufolge von 1345-50 erbaute ehern. Kapelle im Obergeschoß (Hotelbereich) enthält aus der Spätgotik in zwei Reihen Wandmalereien zur Passion Christi (Einzug in Jerusalem, Abend¬mahl, Christus am Ölberg, Kreuztragung, Kreuzigung, Kreuzabnahme, segnender auferstande¬ner Christus). 1582-86 erweiterte man die Kernburg, indem man nach Osten einen neuen höheren Saalbau der Renaissance anbaute und nunmehr der mittelalterliche Palasrest als Kern der Anlage seinerseits wie ein Anbau an diesen Saalbau wirkt. Dieser unter Maria von Hirsch¬horn geb. Hatzfeld vollendete Flügel fällt schon vom Tal her durch den pilastergeschmückten Giebel mit zwei Blendmaßwerkrundfenstern sowie die rekonstruierte Architekturbemalung (Pilaster und Diamantquader) auf; im Innern hat er Ofenstellen mit Datierungen und Stein¬metzzeichen des Baumeisters. Gleichzeitig erneuerte man auch die Obere Vorburg samt Burg¬tor, die, wie die Untere Vorburg im frühen 15. Jh. angelegt worden war.

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