Der Odenwald – vom Main zum Neckar 7

827 hatte die soeben vollendete Eigenkirche des Biographen Karls des Großen, Einhard (770-840), die Einhardsbasilika in Steinbach, die Gebeine der um 299 unter Diocletian er¬mordeten Märtyrer Marcellinus und Petrus aus Rom aufzunehmen. Allerdings verbrachte man diese bedeutenden Reliquien schon 828 nach Seligenstadt, so daß die Basilika Einhards keine besonders große Bedeutung erlangte und trotz einiger Umbauten der karolingische Kern erhalten blieb. 1073 wurde die Kirche von Lorscher Benediktinerinnen zur Gründung einer kleinen Propstei genutzt und diese 1232 in ein Nonnenkloster umgewandelt, das lange Zeit als Grablege der Erbacher Grafen diente. 1535 aufgehoben, wurden die Klosterbauten ab 1542 zum Spital. Einschneidend waren der Abbruch der Seitenschiffe kurz nach 1300 und die Ver¬mauerung der Mittelschiffarkaden. Ein Teileinsturz 1855 machte weitere Erneuerungen not¬wendig. Das ohne eigentlichen Dachstuhl, also ohne senkrechte Stützhölzer (nur aus den Sparrengebinden) errichtete hölzerne Dachwerk entstammt einer Erneuerung von etwa 1170. Berühmt ist Steinbach heute als Torso einer karolingischen Kirche, denn aus der Zeit Einhards stammen das Mittelschiff, die Krypta und der nördliche Nebenchor. An den Stellen der karolin¬gischen Seitenschiffe hat man 1972-74 neue Seitenschiffmauern zur Stabilisierung des Mittel¬schiffs errichtet; aber die meisten späteren Veränderungen sind inzwischen wieder verschwun¬den. Die karolingische Basilika hatte ein Langhaus von sechs Jochen, an das sich im Mittelschiff und den beiden Seitenschiffen je ein Chorjoch in einer querhausartigen Anordnung anfügten, jeweils mit einer Apsis versehen. Unter den Ostteilen der Kirche befindet sich die bedeutende bruchsteingemauerte und überkälkte Gangkrypta aus drei Längsgängen, die etwa in der Mitte des Langhauses ansetzten und in den Seitenschiffen die Treppenzugänge enthielten, sowie unter den Chorräumen einen Quergang, der sich mit den Längsgängen kreuzt. Die ehern. Basilika in Steinbach ist in einer für ihr Alter seltenen Vollständigkeit erhalten und zählt damit neben der karolingischen Stiftskirche in Hersfeld und der Abteikirche in Seligenstadt zu den drei wichtigsten karolingischen Kirchenbauten Hessens. – An das Nordquerhaus wurde im 12. Jh. in sorgfältigem Quadermauerwerk ein Flügel angesetzt, der vielleicht als Winterkirche diente, hofseitig sieht man deutlich die Gerüstlöcher der jüngeren Aufstockung, die dieser Technik nach jedoch kaum aus dem 16. Jh. stammen kann, in das dieser Teil allgemein datiert: Auslegergerüste waren im 16. Jh. nicht mehr üblich.
Die Stadt Erbach kann man ihrer Anlage wegen als eine der merkwürdigsten Städte in Hessen bezeichnen. Die gleichnamigen 1095 erstmals erwähnten Grafen besaßen hier eine Wasserburg. Im frühen 14. Jh. ließen sich Burgmannen neben der Burg nieder und bildeten eine kleine städtische Siedlung, 1321 erwähnt (>Städtel<), in der jedoch die für Städte sonst so typischen Handwerker, Kaufleute usw. fehlten. Außerhalb der Ummauerung dieser aus rund einem Dutzend Anwesen bestehenden Stadt (zum Vergleich: die Marburger Altstadt hat 700 Häuser und Höfe) bildete sich eine unregelmäßige kleine Streusiedlung, in der die zur Versor¬gung des Schlosses notwendigen Handwerker siedeln konnten; es entstanden einfache Fach¬werkhäuser, die altersmäßig kaum über das 17. Jh. zurückreichen. Vielleicht, doch dies ist nur eine Hypothese, hat sich in Erbach jene Frühform einer städtischen Besiedlung erhalten, wie wir sie in anderen Orten vor der eigentlichen Gründung bürgerlicher Städte im 11. und 12. Jh. zu vermuten haben.
Die mittelalterliche Burg, von der noch der Bergfried mit Buckelquadermauerwerk der Zeit um 1200 sowie ein Helm von 1497 besteht, wurde mehreren Baudaten zufolge im 16. Jh. aus¬gebaut (Kanzleibau 1540, Alter Bau 1550; Portal und Giebel Ende 16. Jh.) und erneut im 18. Jh. Seinerzeit entstand der schlichte stadtseitige Barockßügel (1736), 1902 durch barocki- sierende Dekorationselemente aus Blech bereichert; das Schloß war 1893 bei einem Brand be¬schädigt worden. Diese Fassade bestimmt heute den äußeren Eindruck. 1893/94 begann die Erneuerung des Schlosses. Zuvor schon hatte man (1863) eine aus dem späten 17. Jh. stam¬mende Deckentäfelung in der Hirschgalerie eingebaut, sie stammt aus der Abtei Rot an der Rot. Von großer Bedeutung sind die Sammlungen, die vielfach schon Graf Franzi. (1754-1823) zusammengetragen hatte; er war auch der Begründer der Elfenbeinschnitzerei in Erbach (1783), die ihren Ruf bis heute bewahrt hat. Für die Sammlungen wurden 1805 wichtige früh- historistische Räume geschaffen, nämlich die beiden Römischen Zimmer im klassizistischen Stil und der Rittersaal im spätgotischen Stil. Die Sammlungen enthalten Rüstungen und früh¬neuzeitliche Waffen (Rittersaal), antike Vasen und Grabungsfunde aus Herculaneum und Tivoli (Römische Zimmer), die Familiengrabmäler aus Steinbach sowie Glasmalereien aus Altenburg; schließlich lockt die umfangreiche Sammlung historischer Gewehre (vielfach reich dekorierte Jagdwaffen) die Besucher an.

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