Der Odenwald – vom Main zum Neckar 6

Die evang. Stadtkirche ist eine 1461 mit Errichtung des Chors begonnene spätgotische Anlage, der eine karolingische Kirche (aus der Zeit Einhards) vorausging. An der Westseite findet sich außer der Jahreszahl 1490 auch das Meisterzeichen des Amorbacher Meisters Hans Eseler, der 1487 auch den Chorneubau der Pfarrkirche in Fränkisch-Crumbach errichtet hatte. Ein Einsturz der Chorgewölbe machte deren Erneuerung 1543 durch den Heidelberger Bau¬meister Moritz Löchler nötig, ein Jahr vor der Reformation durch die Erbacher Grafen. Löchler hatte im Jahr zuvor die Eberhardskapelle als Anbau am Südseitenschiff errichtet. Zum Einbau eines Mittelschiffgewölbes kam es allerdings nicht mehr; die dortige Barockdecke ent¬stand 1733. Aus der Ausstattung sind neben der klassizistischen Orgel (1804-07, Franz Stumm) vor allem die Grabdenkmäler der Grafen von Erbach hervorzuheben. Ihre Reihe beginnt im 14. Jh. Bedeutend sind namentlich die drei Alabasterwandgräber im Chor für Georg III. (J1605) und Friedrich Magnus (J1618) von dem Renaissancebildhauer Michael Kern, sowie für Johann Casimir (f 1627).
Als 1938 die Synagogen in Deutschland in Brand gesteckt und die jüdischen Geschäfte geplündert wurden, blieb auch Michelstadt nicht verschont. Während das Innere verwüstet wurde, blieb das Bauwerk jedoch erhalten. Die 1791 am Rande der Altstadt in der Mauerstraße errichtete Synagoge, ein kleiner spätbarocker Bau mit rundbogigen Fenstern, an der rechten Seite einem Erker, wurde Ende der 1970er Jahre wiederhergestellt (Museum jüdischer Alter¬tümer). Der Stadtkern hat noch zahlreiche Fachwerkhäuser bewahrt, deren älteste aus dem späten Mittelalter stammen (Braunstr. 7,1443 d, Untere Pfarrgasse 21,1456 d, Burgmannenhaus der Grafen zu Erbach). Beim Durchwandern der Altstadt wird man auch einige bedeutende Fachwerkhäuser des 16. Jh. und der Barockzeit finden. Von den fünf Brunnen stammen zwei aus dem 16. Jh.
Schloß Fürstenau im nahe gelegenen Vorort Steinbach ist eine spätmittelalterliche Anlage. Heute ist das Bauwerk von einem kleinen Wäldchen umgeben und fällt erst aus unmittel¬barer Nähe auf. Dies entspricht sicher nicht dem Eindruck, den unsere Vorfahren vor einem halben Jahrtausend von einer solchen Burg hatten. Seinerzeit stand sie frei im Tal, war von weither zu sehen und gewährleistete einen guten Ausblick, schon aus Gründen der Sicher¬heit. Heute fallen zuerst der am Mümlingbach gelegene Pavillon aus dem Jahre 1756, ein recht aufwendiger Barockbau, sowie die Schloßmühle auf. Diese entstand im späten 16. Jh. (Portal 1733 erneuert) und liefert mit ihrem reichen Renaissancegiebel mit ausladendem Schweifwerk einen Vorgeschmack auf die Renaissancekunst, die uns am Schloß selbst erwartet. Zunächst durchschreitet man den Torhau von 1765 und gelangt in den Wirtschaftshof, dessen Gebäude dem 16. bis 18. Jh. angehören – Wirtschaftsbauten dienten der Versorgung des einst völlig wasserumflossenen Schlosses und waren wichtige Bestandteile einer solch aufwendigen Anlage. Dem Kernschloß vorgelagert sind die Beschließerei aus dem 16. Jh. (Fotoausstellung zur Einhardsbasilika) und das klassizistische Neue Palais, 1810. Das Schloß aus drei mächti¬gen Flügeln wird durch einen weitgespannten Schwibbogen bestimmt, der den Hof abschließt und die Seitenflügel verbindet. Ein Wappenstein an der Galerie datiert ihn in das Jahr 1588. Die Flügel sind im Kern älter. Während ihre einst figürlich bemalten Hoffassaden mit Wendeltreppentürmen in den Hofwinkeln den Umbau der Renaissancezeit widerspiegeln, zeigt sich an der Außenseite das Mittelalter, besonders auffällig am bergfriedartigen hohen Eck¬turm aus Quadermauerwerk, der in der Renaissancezeit eine neue Haube erhielt. Der Innenhof des Schlosses ist zugänglich; das Innere mit seiner bemerkenswerten offenen Wendeltreppe (in Straßburg und Mergentheim gibt es Vergleichbares) und den Räumen mit Ausmalungen ist üblicherweise aber nicht zu besichtigen. Im südöstlichen Turm ist ein Raum mit Malereien in das Jahr 1542 datiert, im nordwestlichen in das Jahr 1563. Den Humor eines Landsknechtes braucht man, um sich an dem Bild des Strebkatzspiels zu erfreuen (Strebkatzzimmer im Süd¬osten): Ein Seil wird um den Hals zweier miteinander kämpfender (spielender) Landsknechte gelegt und mit der Kraft der Halsmuskulatur muß man den jeweils anderen zu sich ziehen. Der Clou langweiliger Landsknechtstage: Zwischen beiden steht ein Kessel kochenden Wassers auf einem Lagerfeuer.

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