Der Odenwald – vom Main zum Neckar 5

Das eindrucksvolle Renaissancewappen (1574) des Philipp von Rodenstein kennzeichnet das ehern. Kellereigebäude, also den Sitz seiner Güterverwaltung in Fränkisch-Crumbach (Darm¬städter Str. 3) unmittelbar vor der gotischen Kirche. Mit barocken Stein- und Fachwerkbauten ist das Ortsbild insgesamt noch recht reizvoll.
Die Ruine der Burg Lindenfels liegt auf einer Anhöhe des Odenwaldes zwischen Michel¬stadt und Bensheim. 1208 wurde sie erstmals erwähnt, mag aber als Sitz eines gleichnamigen 1123 gen. Grafengeschlechts schon lange zuvor bestanden haben. Erst im 18. Jh. verfiel sie. Die Wehrmauern der polygonalen Anlage sind samt dem gotischen Tor noch leidlich erhalten, vom Palas das Kellergeschoß und eine Giebelwand. Von weiteren Gebäuden, darunter dem Bergfried im Hof, sieht man Grundmauern. Das heutige Burgtor war an sich ein Stadttor, erst 1857 hatte man es hierher versetzt. Unterhalb der Burg befindet sich der kleine Ort, 1336 zur Stadt erhoben, in Teilen noch von einer Stadt¬mauer umgeben, von der der Bürgerturm und das Fürther Tor bemerkenswert sind. Beide stammen aus dem 15. Jh., letzterem wurde 1634 noch ein äußeres Tor vorgestellt. Die kath. Kirche vor der Burg wurde 1745 ge¬weiht und mit drei Altären aus der Heilig- Geist-Kirche in Heidelberg ausgestattet, die aus dem beginnenden 18. Jh. stammen. Den Entwurf zum Kirchenbau hatte vermutlich Kaspar Valerius schon 1727 geliefert. Das kath. Pfarrhaus ist ein 1750 entstandener Barockbau. Im benachbarten Rathaus, nach 1737 wohl von Joh. Jakob Rischer als kur¬pfälzisches Oberamtsgebäude errichtet, ist heute das Museum untergebracht. Die evang. Stadtkirche erbaute man 1823-25 nach Plä¬nen von Georg Möller.
Die Burg Reichenberg der Herren von Erbach wurde um 1230 oberhalb des heutigen Ortes Reichelsheim angelegt und im 16. Jh. ausgebaut. An die inzwischen verfallene Schildmauer baute man 1554 einen Wohnbau an. In der Vorburg befindet sich eine kleine spätgotische Burg¬kapelle. Die ortsbildprägende evang. Pfarrkirche hat einen spätgotischen Chorturm und ein barockes Langhaus, 1716-25. – Die spätgotische evang. Pfarrkirche in Kirch-Brombach (erneuert 1715-19) war einst dem hl. Alban geweiht. Ein prächtiges spätgotisches Werk (nach 1518) ist der Flügelaltar mit den Statuen des Heiligen und seiner Gefährten; auf den gemalten Flügelinnenseiten findet sich u. a. eine Abbildung des Klosters St. Alban in Mainz. – Eine weitere kleine Burg verbirgt sich in der Schloßanlage von Bad König. Hinter einem 1559 für Georg I. von Erbach-Fürstenau weitgehend erneuerten Schloßflügel mit Tordurchfahrt und barocker Fassadenbemalung bilden die Kirche aus einem Turm von 1479 und dem Langhaus von 1750/51 sowie das Kammergebäude einen kleinen Innenhof. Benachbart steht das 1771 von Franz Ludwig von Cancrin erbaute Neue Schloß.
Eine Mark Michelstadt und vermutlich auch ein Wohnplatz finden 741 eine erste Erwäh¬nung. 815 verschenkte Ludwig der Fromme diese Mark an Einhard, den Chronisten Karls des Großen. Dieser gab den Besitz später an das Kloster Lorsch weiter. 821 wird eine Marienkirche genannt, jedoch ist von dieser karolingischen Kirche nichts stehengeblieben. Seit dem 13. Jh. war Michelstadt Sitz einer Nebenlinie der Schenken und späteren Grafen zu Erbach, die ihrer¬seits Mainzer Burgmannen waren. Sie hatten im Ort eine Burg, südlich des Rathauses gelegen, die nach dem Aussterben der Linie 1531 zur gräflichen Kellerei umgewandelt wurde. Eine zweite Burg entstand abseits des Ortes nahe der Einhardsbasilika in Steinbach, zunächst als Burg der Mainzer Erzbischöfe zur Sicherung der Abtei Lorsch gegen Kurpfalz; 1355 ging sie vorläufig, 1454 endgültig in Erbachischen Besitz über. Als Stadt wurde Michelstadt spätestens im 13. oder frühen 14. Jh. ausgebaut, wie die damals errichtete Stadtmauer bezeugt. Ihre Mauer¬teile sind verschiedentlich noch erhalten, nahe der Synagoge mit einem kleinen, nahe der Kellerei mit einem großen Turm, dem Diebesturm.
Die sog. gräfliche Kellerei folgt dem Bau der 1307 vom bayerischen Herzog geschleiften Burg, die wohl schon um 960 entstanden war. Die Stadtburg diente damals als Sitz eines Vogts, in der Neuzeit reduzierte sich ihre Bedeutung auf die Funktion als Kellerei. Sie reicht in ihren sichtbaren Bauteilen kaum über die Jahre um 1500 zurück. Der mittlere Teil wurde 1506 als selbständiges Bauwerk errichtet und noch im 16. Jh. erweitert. Der westlich stehende ehern. Speicherbau ist am Giebel >1517< datiert und erhielt 1539 eine hofseitige Freitreppe (heute Museum). Das Amtshaus an der Nordseite zeigt die Jahreszahlen 1549 und 1621, dürfte im Kern jedoch spätmittelalterlich sein.
Das Michelstädter Rathaus ist einer der bekanntesten und meistfotografierten Fachwerk¬bauten Deutschlands. Zweimal liest man die Inschrift >1484< (die >4< ist in gotischer Schreib¬weise als unten offene halbe >8< geschrieben). Das schmale zweistöckige Gebäude paßt sich mit seinem steilen Dach und dem Halbwalm sowie zwei Eckerkern unseren Vorstellungen von gotischer Baukunst an. Die offene Halle im Erdgeschoß ist typisch für ein Rathaus; solche Hallen konnten sowohl als Markt- wie als Gerichtsstätte dienen. Das Rathaus verkörpert gemeinsam mit den Rathäusern in Frankenberg und Alsfeld den Übergang von der spät¬gotischen bzw. spätmittelalterlichen zur frühneuzeitlichen Architektur in besonders ein-drucksvoller Weise.

See more:  excursion mekong 2 jours | tour ninh binh 2 jours | visa au vietnam | circuit laos cambodge 15 jours | voyages vietnam cambodge

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply