Der Odenwald – vom Main zum Neckar 4

Als Höhenburg ist Burg Breuberg (Neu¬stadt i. O.) ein mittelalterliches Bauwerk. Eine Vorburg und ein äußerer Burghof um¬geben den dicht bebauten inneren Burghof, der nur geringe Veränderungen im 16. Jh. er¬fahren hat. Den äußeren Burghof rahmen hin¬gegen bedeutende Renaissancebauten, näm¬lich das ehern. Wachthaus mit dem Torbau im Südosten und der Johann-Casimir-Bau im Südwesten, die im rechten Winkel zuein¬ander stehen; der anschließende Löwenstein- sche Kanzleibau und das Zeughaus sind nur noch als Ruinen erhalten. Der Torhau mit seitlichem Treppengiebel und Sandstein-Qua¬derfassade im Torbereich kann 1499 entstan¬den sein, doch der >1499< bezeichnete Wap¬penstein des Grafen Michel zu Wertheim über dem Tor ist in der heutigen Form ein Stein der Jahre um 1900 (1499 hätte der Wappenstein noch spätgotisch ausgesehen). Hingegen ist die Bauinschrift >1513< am Quadersockel des Johann-Casimir-Baues glaubwürdig, in spätgotischem Duktus gehalten. Die oberen Mauer¬teile aus Bruchstein gehören erst dem frühen 17. Jh. an. Der durch einen inneren Wendel¬treppenturm erschlossene Bau fällt durch die reiche hofseitige Beschlagwerkbalustrade auf, über der sich heute ein jüngerer Fachwerkaufbau befindet. Einst handelte es sich um einen offenen, durch Konsolen gestützten Laufgang vor diesem Flügel. Eine Inschrift nennt den Bau¬herren Johann Casimir und die Jahreszahl 1613. Von außerordentlicher Bedeutung ist die Stuckdecke im Saal des Hauptgeschosses. In der mittleren Bahn finden sich die Ahnenwappen des Grafen, gerahmt von antiken mythologischen Figuren, dem Stukkateur Eberhard Fischer aus Babenhausen zugeschrieben, ähnlich der Decke im Einhardhaus in Seligenstadt. Eine weitere Inschrift, >1528<, ein für die Baukunst in Deutschland ungewöhnlich frühes Beispiel der antikisierenden Schreibweise der Renaissance, datiert das Portal des inschriftlich genannten Baumeisters bzw. Steinmetzen Hanns Stainmiller am ehemaligen Wertheimer Zeughaus. Es handelt sich um ein sehr ungewöhnliches Portal, auf dessen Architrav sich zwei Viertelkreis¬bögen und zwischen ihnen ein Fensterchen mit einer vollplastischen Büste und der besagten Jahreszahl finden. Die Kernburg ist allseits nahezu vollständig von Gebäuden umgeben, und den Platz des kleinen Innenhofs nimmt zudem ein mächtiger, annähernd quadratischer Berg¬fried ein. Die Treppengiebel der Flügel kennzeichnen mittelalterliche Entstehungszeit, auch wenn man am Oberen Saalbau einen Erker mit der Jahreszahl 1553 entdecken wird. Jüngster Bau des Hofs soll das Erbacher Herrenhaus südlich des Bergfrieds sein (1568). Der Altbau nörd¬lich des Bergfrieds enthält die 1357 erstmals erwähnte Burgkapelle. Das Fachwerk-Amtshaus mit einer Bohlenstube im Obergeschoß und einer Decke aus Bohlen und Balken im Erdgeschoß entstand 1448 (d); die Elemente der Bauausstattung erinnern an süddeutsches Fachwerk.
Die katzenelnbogensche Burg Lichtenberg (Fischbachtal) bestand seit dem 13. Jh. und gelangte mit deren Aussterben 1479 an Hessen. Mit der Teilung der Landgrafschaft 1567 unter den Söhnen Philipps des Großmütigen – Georg I. erbte den südlichen Teil mit Darmstadt als Residenz – begann eine Blütezeit der weithin sichtbaren Höhenburg: Sie wurde 1570-81 zu einem markanten dreiflügeligen Renaissanceschloß ausgebaut, und nur in der Vorburg blieben mittelalterliche Mauern sichtbar. Die Bauleitung hatte der wichtige, aus Kassel stammende Baumeister Jacob Kesselhut, der zunächst die Alte Burg zu modernisieren hatte, um an-schließend den Neubau zu errichten. In den Formen orientierte er sich an den anderen Bauten der Landgrafen, darunter dem Kasseler Residenzschloß Philipps des Großmütigen (Giebel). Die drei Flügel erhielten an den Ecken Dachausbauten mit Giebeln und Zwerchgiebeln, die sich optisch zu einem vierten Geschoß zusammenschließen und dem Schloß aus der Ferne einen geradezu kastellartigen Eindruck verleihen. Die mittelalterlichen Teile der Burg, der nördlich das Renaissanceschloß abschließende Winkelbau und die ausbauchende Mauer des Ostflügels, sind entweder zerstört oder ab 1570 überformt worden. Nur der Torbau zu dem kleinen vorgelagerten Städtchen und der angebaute Marstall sind erkennbar spätmittelalterlich. Im Hof befindet sich ein gut gestaltetes Renaissanceportal mit dem Wappen des Bauherren und seiner Gemahlin, Magdalena zur Lippe (eine Schwester des befreundeten, in Brake bei Lemgo residierenden Grafen Simon VI. zur Lippe). Der Ostflügel enthält eine schlichte Kapelle, der Südflügel einen Saal mit geometrischer Stuckdecke, ebenso wie bei dem Hofportal nach dem Vorbild des Architekturtraktats des Italieners Sebastiano Serlio. Derartige mittelbare Bezüge zur italienischen Renaissance, vermittelt durch Bücher und Drucke, sind im Deutschland des 16. Jh. die Regel gewesen. – Auf dem Hügel gegenüber dem Schloß errichtete man im späten 15. Jh. ein Bollwerk, das der Sicherung des Tales diente und mit Kanonen bestückt werden konnte.

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