Der Odenwald – vom Main zum Neckar 3

Erst 1967 entdeckte man unter der evang. Stadtkirche von Groß-Umstadt die Grund¬mauern einer römischen Villa, die zwischen der Mitte des 2. und der Mitte des 3. Jh. benutzt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert in das Jahr 743. Mit einem Kirchenbau des 9. Jh. wurde die heutige Mittelschiffbreite festgelegt, im 13. Jh. fügte man Seitenschiffe an; auf diesen Fundamenten entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jh. die heutige Kirche (Chor um 1460, Langhaus um 1490), die durch ihre Balkendecke über den gotischen Arkaden recht nüchtern wirkt; nur der Westturm gehört über einem älteren Untergeschoß den Jahren 1372-95 (d) an. Ausgestattet ist das Bauwerk mit gotischen Wandmalereien, die ver¬schiedene Heilige zeigen, ferner mit einem geschnitzten spätgotischen Chorgestühl. Die Werk-statt des Bambergers Adam Philipp Schleich schuf 1699 die auf der Westempore aufgestellte Orgel, deren Spielwerk man zuletzt 1960 erneuerte. – Das benachbarte Rathaus ist nicht nur ein bedeutendes Bauwerk der späten Renaissance, sondern zudem ein gutes Beispiel für die Unzuverlässigkeiten von Bauinschriften. Am Portal liest man >1596<, an der Bekrönung dar¬über >1625<. Doch das Rathaus wurde eindeutig 1604-06 errichtet, das Portal von anderer Stelle übernommen und die Bekrönung erst 1902 (mit der falschen Jahreszahl 1625) geschaffen. Für die imposanten Beschlagwerkgiebel diente das soeben errichtete Wamboldt-Schloß als Vorbild. Von der großzügigen Halle im Erdgeschoß ist ein Altan abgeteilt, im Obergeschoß gab es Rats¬stube und Kammern. Einen Marktbrunnen hat man bereits 1547/48 aufgestellt, die Brunnensäule (wahrscheinlich auch das Becken) stammt aus dem Jahre 1714. – Die in der Hanauer Gasse gelegene Synagoge wurde keineswegs zwischen 1933 und 1945, sondern erst 1979/80 >zugunsten< einer Gedenkplakette abgebrochen, im >Hessenpark< entstand als Alibi ein Nach¬bau unter Verwendung von Steinmaterial aus Groß-Umstadt.
Die an sich sehr bescheiden dimensionierte Altstadt fällt dadurch auf, daß sie mehrere Schlösser und Adelshöfe beherbergt. Einschließlich des erst 1963 abgebrochenen Curti- Schlosses (1590-96) – der Nachfolgebau stellt auch nicht die mindesten Anforderungen an den architektonischen Geschmack – kann man zumindest sieben Höfe zählen. Vielfach sind sie nahe der Stadtmauer untergebracht. Bedeutendster unter den erhaltenen ist das Wamboldt- Schloß, Curtigasse 6. Die hufeisenförmige Anlage ist durch Bauinschriften in die Jahre 1600-02 datiert, zumindest Nord- und Westflügel gehören dieser Bauperiode an, und hier finden wir im Innern auch eine bauzeitliche geometrische Stuckdecke. Der Südflügel wurde wohl erst 1681 hinzugefügt oder grundlegend erneuert. In die Straße hinein schiebt sich das aus Fachwerk konstruierte Jägerhaus, 1609. Weitere Adelshöfe sind Brunnengasse 14, vielleicht ein Adelshof der Familie von Praunheim (Besitzer bis 1560), das Rodensteiner Schloß (Roden¬steiner Str. 3, 1540, verändert 1789) mit einem hofseitigen Treppenturm und gegenüber der ehemalige Hof der Familie von Heddersdorf (Rodensteiner Str. 4, 16. Jh.). Das Darmstädter Schloß nördlich der Pfarrkirche (Hanauer Gasse 15), genannt nach seiner hessischen Zeit, war die klösterliche Vogteiburg, später im Besitz der Herren von Hanau (Teilbesitzer der Stadt), ab 1524 hessisch. Spätmittelalterliche Bauteile, am hofseitigen Wappenstein bezeichnet 1465, wurden 1727/47 ausgebaut. Parallel dazu gibt es ein Pfälzer Schloß (Pfälzer Gasse 16) an der Südwestecke der Altstadt, das größte Schloßgebäude. Schon seit 1390 war es pfälzisch. Das heutige Gebäude wurde um 1450 errichtet und 1739 im Innern sowie 1806 nochmals im Ober¬geschoß erneuert. Sicher schon im 14. Jh. wurde die Altstadt nach Süden durch eine Vorstadt um zwei parallele Straßen erweitert, die teilweise mit großzügigen Höfen bebaut wurden, zu erwähnen ist besonders die Hintergasse. – Im östlich gelegenen Dörfchen Radheim (Schaaf¬heim) überrascht die kath. Pfarrkirche mit einer Rokokoausstattung und drei spätgotischen Holzstatuen des Meisters der Mosbacher Kreuzigung. Diese namengebende Kreuzigung, um 1520, befand sich in der Johanniterkirche in Mosbach (Schaafheim) und wird heute im Landes¬museum in Darmstadt aufbewahrt.
Der südliche Zipfel Hessens bis hin zum Neckar wird von den Anhöhen des Odenwaldes eingenommen. Ähnlich dem westlichen Taunus handelt es sich um ausgesprochene Burgen¬landschaft, wie an den Höhenzügen entlang der Weinstraße bereits bemerkt wurde. Als eine Höhenburg mit zentralem Bergfried überragt die Burg Otzberg die Burgmannensiedlung Hering (Gde. Otzberg) und ist festungsartig mit doppelten Mauern gegen Eindringlinge ge¬sichert; hierbei handelt es sich um den jüngsten Ausbau aus dem 16. Jh. Der Torbau gehört gleichfalls diesem Ausbau an (1511, Umbau 1543), ursprünglich ein Tor mit Zugbrücke. Auf der Innenseite befindet sich gleich neben dem Tor ein Brunnenhäuschen. Inmitten der Burg¬anlage steht der runde Bergfried mit einem rundbogigen Zugang im oberen Geschoß, um 1200. Das zweiflügelige Kommandantenhaus des späten 16. Jh. mit Treppenturm im Hofwinkel vertritt den Typ eines kleinen Adelssitzes der Renaissancezeit. Ein zweigeschossiger Bau des 15. Jh. steht an der Südseite der Burg noch unter Dach. Leider haben Renovierungen 1993/94 durch das Hessische Staatsbauamt zu den von der Fachwelt immer wieder auf das heftigste kritisierten Beeinträchtigungen des historischen Charakters geführt. Der bereits in früher Zeit bestehende Ort dürfte 766 von Pippin dem Kloster Fulda geschenkt worden sein, eine Burg wird erstmals 1231 erwähnt; 1390 gelangte sie in pfälzischen Besitz, erst 1803 kamen Burg und Ort an Hessen. – Wohnbau und Torturm des Schlosses Nauses (Otzberg-Ober-Nauses) stammen in den älte¬sten sichtbaren Teilen aus den Jahren um 1500. Das reizvolle Örtchen Lengfeld an der Auffahrt zum Otzberg hat ein ehern. Rathaus mit Straßendurchfahrt, 1717.

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