Der Odenwald – vom Main zum Neckar 2

Ein Mithras-Heiligtum im Museum von Dieburg läßt ahnen, mit welch alter Siedlung wir es hier zu tun haben. Die römische Stadt, mit einer Stadtmauer befestigt, war zudem größer als die mittelalterliche, die wir heutzutage besuchen können. Die kleine Altstadt ist trapez¬förmig und hat ein weitgehend rechtwinkliges Straßensystem. Die unregelmäßige westliche Begrenzung der Altstadt wird durch die Gersprenz gebildet (hier gibt es auch noch Stadt¬mauerreste, sonst ist die Altstadt nur durch die Umgrenzung des Herrengrabens hervor¬gehoben), jenseits des Flüßchens befindet sich im Nordwesten die ehern. Wasserburg (Albini- sches Schloß, heute Landratsamt). Die mittelalterliche Anlage war quadratisch und wurde kastellartig von einer Wehrmauer mit Eckrondellen geschützt. Der allein erhaltene Südflügel von 1809 enthält zweifellos Teile des mittelalterlichen Mauerwerks; nach dem damaligen Bau¬herren von Albini hat das Schloß heute seinen Namen. Die Stadt als späterer Besitzer trieb Schindluder mit dem Erbe und setzte in den 60er Jahren des 20. Jh. einen hohen Büroblock in die Schloßanlage; die Ausstattung des Altbaues (bemalte Wandtapeten) wurde entfernt oder gar vernichtet.
Hauptstraße der Altstadt ist die Zuckerstraße, die am Rande des Marktplatzes mündet. Mittelalterliche Fachwerkhäuser aus den Jahren 1465-68 (d) konnten bei jüngeren Unter¬suchungen entdeckt werden (Marktplatz 23, Zuckerstr. 17 und 19); die dicht beieinanderliegen¬den Baudaten lassen auf einen Bauboom schließen. Deutlich älter sind Zuckerstr. 4 (1383), Zuckerstr. 5 (um 1360) und Zuckerstr. 7, mit einem Entstehungsjahr 1358 (umgebaut 1437 und um 1600) das älteste bekannte Haus Dieburgs; Haus Nr. 8 zeigt Renaissancedekor. Einen modernen Brunnen schuf Bonifatius Stirnberg (Aachen). In der Parallelstraße fanden 1828 das ehern. Rathaus bzw. 1834 das ehern. Kreisamt ihren Platz, beides klassizistische Bauten des Mollerschülers Georg Lerch. Die kath. Pfarrkirche wirkt durch den historistischen Neubau (1893) für die Altstadt zu groß. Aus dem Vorgängerbau wurde eine aus Leder geformte Pieta übernommen, ein bedeutendes frühes Werk wohl desselben Meisters, der auch die Pieta in der Marienkirche schuf. Die Badgasse trägt ihren Namen nach dem 1579-81 errichteten und noch weitgehend erhaltenen Badehaus (Nr. 10); kulturgeschichtlich ist dies eine Besonderheit in Hessen. Im Nordwesten der Altstadt findet sich an der Eulengasse nahe der Stadtmauer das Fechenbachsche Schloß, ein ehern. Adelssitz, den Johann Pleikard von Ullner 1717 errichten ließ und der 1860 durch den Kreisbaumeister Krauß seine heute sichtbare klassizistische Gestal¬tung erfuhr. – Frühzeitig wurde über die enge Stadtmauer hinausgebaut, so im Südwesten am Steinweg und im Osten die >Altstadt<, die zur kath. Wallfahrtskirche St. Maria östlich der mittelalterlichen Stadt führt. Sie geht auf einen vorromanischen, vielleicht karolingischen Bau zurück, der im 12. Jh. umgebaut sowie nach einem Brand 1216 als dreischiffige Basilika wieder aufgebaut wurde. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. erhielt er einen neuen Chor. Im späteren 15. oder 16. Jh. wurde offenbar das Mittelschiff nochmals erneuert (Obergadenfenster). Eine Barockisierung 1696-1715 bewirkte die aktuelle Erscheinung der Kirche mit ihrem auffallen¬den weit ausladenden Westquerhaus und der Ausrichtung auf den im Westen stehenden Hoch¬altar. Das Innere ist mit bedeutenden barocken Altären ausgestattet, jüngstes Werk davon ist der aus geschliffenem Stuck (stucco lustro) geschaffene Hochaltar aus dem Jahre 1749 (Johann Peter Jäger), der eine lederne Pieta der Jahre um 1420 birgt. Diese ist ein technisch außer¬gewöhnliches Werk, da es sich um eine Skulptur aus Leder mit Mörtelauftrag und Leinwand¬schichten handelt. Der Barockzeit gehören auch die Kanzel (vor 1750), zwei Seitenaltäre, die Orgel (1759, Prospekt von Peter Achtekirch, der auch die Seitenaltäre schnitzte) und mehrere Statuen an. – Das gegenüberliegende ehern. Kapuzinerkloster (1692-1738) dient heute als Justiz¬vollzugsanstalt.
Von der Wasserburg in Klein-Zimmern, im Kern zumindest ein zweiflügeliges Schloß der Renaissance (1603), dürfte mehr erhalten sein, als der Besucher auf den ersten Blick wahr¬nimmt. In Reinheim bei Dieburg ist der Herrenspeicher der Kalbe von Reinheim neben der Pfarrkirche ein bedeutender spätmittelalterlicher Fachwerkbau, wohl erst im 19. Jh. durch einen kleinen Massivbau mit Treppengiebel erweitert. Auch sonst zeigt sich Reinheim noch als recht geschlossenes Fachwerkörtchen. Die Kirche entstand in der Renaissancezeit, 1610/11; vom sog. Amtshaus, dem Herrenhaus des Willichhofs (1695), steht inzwischen allerdings nur noch das Hauptgebäude. Unter den Fachwerkhäusern ist Kirchstr. 32 (um 1600) besonders auf¬fallend verziert. Einige Reste der Stadtbefestigung weisen auf die 1318 erstmals genannten Stadtrechte hin.

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