Der Odenwald – vom Main zum Neckar 10

In dem schon 773 in einer Lorscher Schenkungsurkunde erwähnten Dörfchen Ersheim auf der südlichen Neckarseite, als einziger hessischer Ort südlich des Neckars seit langem ein Stadt¬teil von Hirschhorn, befindet sich die ehern. Pfarrkirche St. Nazarius und Celsus, die seit dem 16. Jh. nur mehr als Friedhofskapelle dient, da zu dieser Zeit das Dorf aufgelöst (>wüst<) wurde; Hirschhorn selbst hatte seit 1391 Stadtrechte. Außeres und Inneres zeigen eine merk¬würdige Dreiteiligkeit. Aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. stammt das flachgedeckte Langhaus mit zwei Fenstern, an das sich in äußerlich gleicher Breite ein einjochiger, innen etwas ein- gezogener Rechteckchor anschließt, um 1345/55 errichtet. Der aufwendige heutige Chor wurde um 1517 angefügt, mit einem reichen Netzgewölbe auf Konsolen ausgestattet. Diese Staffelung aus drei Räumen folgt sicher dem Vorbild der Karmeliterkirche auf dem anderen Neckarufer. Im älteren Chorraum konnten umfangreiche figürliche Wandmalereien entdeckt werden, Propheten und Apostel aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. Einige bedeutende gotische Statuen überstanden die Zeit, weil sie im 19. Jh. in einen neugotischen Altar eingefügt wurden. Neben den Titelheiligen der Kirche ist auf eine Sebastiansstatue zu verweisen, der ein Stich des Meisters E.S. zur Vorlage diente (um 1500). Die Grabdenkmäler würdigen mehrere Herren von Hirschhorn.
Bereits der Nachbarort Neckarsteinach unterstand wiederum einem anderen, gleichfalls lokalen Adelsgeschlecht, den Landschad von Steinach, deren bekanntester Sproß der Minne¬sänger BliggerIL (um 1165-1210) aus dem Umkreis Kaiser Heinrichs VI. (1190-97) ist. Lehns¬herr war zumindest teilweise der Bischof von Speyer, im 14. Jh. wuchs der Einfluß der Kur-pfalz. An den Burgen hatten auch Worms und Mainz Anteile, so daß die politischen Verhält¬nisse recht kompliziert gewesen sind. Der 1531 verstorbene Hans III. Landschad führte die Reformation ein. Zu Beginn des 19. Jh. gelangte auch Neckarsteinach an Hessen(-Darmstadt).
Von den vier Burgen Schadeck, Vorder-, Mittel- und Hinterburg ist letztere, heute Ruine, die älteste und wurde bereits im frühen 12. Jh. gegründet. Halsgraben und Bergfried schützen die Bergseite, ein Palas aus dem 13. Jh. mit frühgotischen Fenstern weist zum Neckartal. Die ebenfalls im 12. Jh. gegründete Mittelburg umgibt mit drei Flügeln einen kleinen Innenhof, die Stelle des westlichen Flügels nimmt ein mittelalterlicher Bergfried ein (13./14. Jh.). Die ande¬ren Flügel baute man Mitte des 16. Jh. aus, und um 1820 wurden sie grundlegend erneuert, so daß sich von ferne ein neugotischer Eindruck ergibt, wie etwa am Treppenturm zu beobachten ist, dessen oberer Abschluß neugotisch ist. Schadeck ist die kleinste und jüngste, aber auch die malerischste der vier Burgen, im zweiten Viertel des 13. Jh. gegründet. Der Lage am steilen Felsen verdankt sie ihren Namen Schwalbennest.
Die evang. Pfarrkirche entstand 1481-83 als spätgotische Chorturmkirche, namentlich der Chor zeigt mit seinem Sterngewölbe den Reiz spätgotischer Architektur; das Langhaus wurde 1778 erweitert. Der Zeit der Renaissance gehören sowohl ein Wandschrank als auch die Wand¬malereien der Fides, Spes und Caritas (Glaube, Liebe, Hoffnung) an der Ostwand des Lang¬ hauses an. Vor allem stammen auch einige bedeutende Epitaphien der Landschade zumeist aus der Zeit der Renaissance und sind mit den zeittypischen Elementen ansehnlich gestaltet. Die Chorverglasung schuf 1958 Joachim Burgert (Berlin), Glasbilder aus dem Jahre 1483 befinden sich im Landesmuseum in Darmstadt. Die kath. Pfarrkirche ist ein neubarocker Bau aus den Jahren 1906-09, nach Plänen von Friedrich Putzer. Neben dem klassizistischen Rathaus entstammen einige Fachwerkhäuser mittelalterlicher Bau¬zeit (Bliggerstr. 15, Kirchenstr. 6/8); aller¬dings ist die verkehrdurchflossene Stadt nicht so günstig zu durchwandern wie dies für Hirschhorn gilt.
Von Neckarsteinach bzw. Hirschhorn ist es nicht mehr weit in die westlich bzw. öst¬lich gelegenen Städte Heidelberg und Eber¬bach, so daß ein lohnender Blick über die badische Grenze unsere Rundfahrten be¬schließen kann.

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