Der Odenwald – vom Main zum Neckar 10

In dem schon 773 in einer Lorscher Schenkungsurkunde erwähnten Dörfchen Ersheim auf der südlichen Neckarseite, als einziger hessischer Ort südlich des Neckars seit langem ein Stadt¬teil von Hirschhorn, befindet sich die ehern. Pfarrkirche St. Nazarius und Celsus, die seit dem 16. Jh. nur mehr als Friedhofskapelle dient, da zu dieser Zeit das Dorf aufgelöst (>wüst<) wurde; Hirschhorn selbst hatte seit 1391 Stadtrechte. Außeres und Inneres zeigen eine merk¬würdige Dreiteiligkeit. Aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. stammt das flachgedeckte Langhaus mit zwei Fenstern, an das sich in äußerlich gleicher Breite ein einjochiger, innen etwas ein- gezogener Rechteckchor anschließt, um 1345/55 errichtet. Der aufwendige heutige Chor wurde um 1517 angefügt, mit einem reichen Netzgewölbe auf Konsolen ausgestattet. Diese Staffelung aus drei Räumen folgt sicher dem Vorbild der Karmeliterkirche auf dem anderen Neckarufer. Im älteren Chorraum konnten umfangreiche figürliche Wandmalereien entdeckt werden, Propheten und Apostel aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. Einige bedeutende gotische Statuen überstanden die Zeit, weil sie im 19. Jh. in einen neugotischen Altar eingefügt wurden. Neben den Titelheiligen der Kirche ist auf eine Sebastiansstatue zu verweisen, der ein Stich des Meisters E.S. zur Vorlage diente (um 1500). Die Grabdenkmäler würdigen mehrere Herren von Hirschhorn.
Bereits der Nachbarort Neckarsteinach unterstand wiederum einem anderen, gleichfalls lokalen Adelsgeschlecht, den Landschad von Steinach, deren bekanntester Sproß der Minne¬sänger BliggerIL (um 1165-1210) aus dem Umkreis Kaiser Heinrichs VI. (1190-97) ist. Lehns¬herr war zumindest teilweise der Bischof von Speyer, im 14. Jh. wuchs der Einfluß der Kur-pfalz. An den Burgen hatten auch Worms und Mainz Anteile, so daß die politischen Verhält¬nisse recht kompliziert gewesen sind. Der 1531 verstorbene Hans III. Landschad führte die Reformation ein. Zu Beginn des 19. Jh. gelangte auch Neckarsteinach an Hessen(-Darmstadt).
Von den vier Burgen Schadeck, Vorder-, Mittel- und Hinterburg ist letztere, heute Ruine, die älteste und wurde bereits im frühen 12. Jh. gegründet. Halsgraben und Bergfried schützen die Bergseite, ein Palas aus dem 13. Jh. mit frühgotischen Fenstern weist zum Neckartal. Die ebenfalls im 12. Jh. gegründete Mittelburg umgibt mit drei Flügeln einen kleinen Innenhof, die Stelle des westlichen Flügels nimmt ein mittelalterlicher Bergfried ein (13./14. Jh.). Die ande¬ren Flügel baute man Mitte des 16. Jh. aus, und um 1820 wurden sie grundlegend erneuert, so daß sich von ferne ein neugotischer Eindruck ergibt, wie etwa am Treppenturm zu beobachten ist, dessen oberer Abschluß neugotisch ist. Schadeck ist die kleinste und jüngste, aber auch die malerischste der vier Burgen, im zweiten Viertel des 13. Jh. gegründet. Der Lage am steilen Felsen verdankt sie ihren Namen Schwalbennest.
Die evang. Pfarrkirche entstand 1481-83 als spätgotische Chorturmkirche, namentlich der Chor zeigt mit seinem Sterngewölbe den Reiz spätgotischer Architektur; das Langhaus wurde 1778 erweitert. Der Zeit der Renaissance gehören sowohl ein Wandschrank als auch die Wand¬malereien der Fides, Spes und Caritas (Glaube, Liebe, Hoffnung) an der Ostwand des Lang¬ hauses an. Vor allem stammen auch einige bedeutende Epitaphien der Landschade zumeist aus der Zeit der Renaissance und sind mit den zeittypischen Elementen ansehnlich gestaltet. Die Chorverglasung schuf 1958 Joachim Burgert (Berlin), Glasbilder aus dem Jahre 1483 befinden sich im Landesmuseum in Darmstadt. Die kath. Pfarrkirche ist ein neubarocker Bau aus den Jahren 1906-09, nach Plänen von Friedrich Putzer. Neben dem klassizistischen Rathaus entstammen einige Fachwerkhäuser mittelalterlicher Bau¬zeit (Bliggerstr. 15, Kirchenstr. 6/8); aller¬dings ist die verkehrdurchflossene Stadt nicht so günstig zu durchwandern wie dies für Hirschhorn gilt.
Von Neckarsteinach bzw. Hirschhorn ist es nicht mehr weit in die westlich bzw. öst¬lich gelegenen Städte Heidelberg und Eber¬bach, so daß ein lohnender Blick über die badische Grenze unsere Rundfahrten be¬schließen kann.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 9

Den höchsten Punkt der Altstadt nimmt das ehern. Karmeliterkloster mit der Kirche Mariä Verkündigung ein. Gründung und Baubeginn der Klosterkirche (heute kath. Pfarrkirche) ver¬mutet man schon wenige Jahre vor der Klostergründung 1404, denn bereits 1406 wurde die Kirche geweiht, und 1411 war sie sicher vollendet. Im 19. Jh. stark verfallen, bedurfte sie einer grundlegenden Erneuerung, die Max Meckel 1887-92 vornahm. Sie weist ein einschiffiges flachgedecktes Langhaus, ein kreuzgewölbtes rechteckiges Vorchorjoch und einen netzge¬wölbten Chor auf. Bauleiter, möglicherweise auch Entwerfer, war der Steinmetz Heinrich Isenmenger aus Wimpfen. Einer Erneuerung der baulichen Ausstattung gehört die 1908/09 nochmals grundlegend erneuerte Westempore an, bei der Teile eines älteren Lettners samt einer geschwungenen offenen Wendeltreppe wiederverwendet wurden. Ferner entstand 1618 die steinerne Kanzel mit gewundenem Fuß und Wendeltreppenaufgang; für sie kragte man die Arkade zum Vorchorjoch auf einer Renaissancekonsole ab und höhlte im Mauerpfeiler eine Muschelnische aus. Den östlichen Triumphbogen schmückt ein Verkündigungsbild aus der Bauzeit der Kirche, gemalt im Weichen Stil des frühen 15. Jh.; die Nordwand ziert eine gemalte Kreuzigungsdarstellung mit Maria und Johannes als Trauernden, an der Südwand entdecken wir den überlebensgroßen Christophorus. Der historistische Hochaltar im gotisierenden Stil (Georg Busch, 1910) birgt eine spätgotische Mondsichelmadonna (um 1510). Die St. Annen- kapelle wurde 1513/14 auf der Südseite angebaut, die Rankenbemalung ihres spätgotischen Netzgewölbes erneuerte man 1929 nach erhaltenen Resten. Von der Nutzung der Kirche als herrschaftliche Grabstätte zeugt das spätgotische Doppelgrabmal des Melchior von Hirsch¬horn (eigentlich Deckplatte einer Tumba) und seiner Gemahlin Kunigunde von Oberstein. Die Orgel entstammt der Mitte des 18. Jh. – Das Karmeliterkloster wurde mit dem Übergang Hirschhorns an Hessen aufgehoben. 1778 baute man es um, nur der heute als kath. Pfarrhaus genutzte Flügel ist erhalten geblieben, innen mit Malereien der Renaissancezeit.
Die Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis entstand 1629/30 für die lutherische Gemeinde, die jedoch bald nach der Errichtung aufgehoben wurde. 1730-32 wurde das nach¬gotische Bauwerk für die katholische Gemeinde mit barocken Altären und Orgel ausgestattet; die reliefgeschmückte Steinkanzel des Ursprungsbaues mit Evangelistendarstellungen am Treppenaufgang mußte man nur renovieren. – Das Stadtbild des an den Hang des Neckartales gedrückten Ortes – bis vor wenigen Jahren reichte der Neckar fast an die Stadtmauer heran, die besonders talseitig die Stadt noch vollständig einfaßt – ist besonders malerisch und den bedeutendsten Städtchen an Rhein und Mosel ebenbürtig. In der Hauptstraße stehen mehrere mittelalterliche Stein- und Fachwerkhäuser. Teils reichen die Häuser ins späte Mittelalter zurück wie das Steinhaus Hauptstr. 60 mit Buckelquadern an den Ecken, etwa gleich altem Fachwerkäufbau sowie einer Portalerneuerung von 1584 und das Fachwerkhaus Hauptstr. 48 mit einem jüngeren massiven Sockelgeschoß (1602), teils sind es eindrucksvolle Renaissance¬bauten wie Hauptstr. 46 (1608) aus Fachwerk und das breite auffällige Eckhaus mit einem poly¬gonalen Erker auf einer Engelskonsole sowie steinernen Kellerfensterschiebeläden an der Seitenfront zum Hang.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 8

Das Rathaus des Städtel von 1545 überbaut zugleich dessen Stadttor. 1593 erhielt es eine Erdgeschoßlaube, im folgenden Jahr einen Anbau. Buckelquader weisen auf einen älteren, wohl spätmittelalterlichen Baukern. Das Städtel besteht im wesentlichen aus Adelshöfen. Bedeutendstes Bauwerk ist das sog. Templerhaus aus dem 14. Jh., ein Steinbau mit gotischen Eckbuckelquadern sowie Treppengiebeln. Weitere Massivbauten wurden von verschiedenen Adligen vielfach im 16. Jh. errichtet (z. B. Städtel 21: Echter von Mespelbrunn).
Keinesfalls sollte man sich die bedeutenden Sammlungen im Deutschen Elfenbeinmuseum entgehen lassen, das am Stadtrand in einem gemeinsamen Bau mit der Stadthalle untergebracht ist. Kunstgewerbliche Stücke von höchster Qualität aus dem 16. bis 20. Jh. sind hier in einer Dauerausstellung zu sehen; das Museum bemüht sich dabei auch um die Förderung der aktuel¬len künstlerischen Produktion. Elfenbein selbst darf heute nicht mehr verarbeitet werden. Daher ist man seit geraumer Zeit auf andere Materialien ausgewichen, etwa auf Steinnuß (versteinerte Nußform ähnlich großen Paranüssen), Knochen (Bein) oder auf Elfenbein von Mammutstoßzähnen, die häufiger in Sibirien entdeckt werden. Schmuck, Tafelaufsätze und Kleinskulpturen wurden und werden aus diesen Materialien hergestellt.
Eine Straße windet sich von Erbach bis zum Neckar hinab. Kurz vor der hessisch-badischen Grenze liegt oberhalb des Ortes Gammelsbach als >Talsperre< die Ruine der im 14. Jh. aus¬gebauten Burg Freienstein, deren Wohnbauten durch eine kräftige Schildmauer gedeckt sind. In Beerfelden macht vor allem der Galgen aus dem 16. Jh. auf sich aufmerksam, auf einer Anhöhe oberhalb des Ortes geradezu funktionstüchtig erhalten. Drei Säulen aus Quadern, die durch Eisenklammern befestigt sind, tragen erneuerte Balken mit insgesamt sechs Eisen¬ketten – offenbar bestand erheblicher Bedarf, Menschen auf diese Weise vom Leben zum Tode zu befördern. Den Ort Beerfelden legte man nach einem Brand 1810 neu an. Die rechtwinklige Neuplanung nahm der gräflich-erbachische Baumeister Jänisch vor, der auch die Häuser ent¬warf, teilweise sind sie aus Stein gebaut. Die Kirche entstand 1812-20 nach Plänen von Fried¬rich Gerhard Wahl, das ehern. Rathaus am Marktplatz 1824 nach Plänen von Sylvester Stockh aus Erbach.
Ein schmaler Landzipfel erstreckt sich vom Odenwald bis an den Neckar, gehört aber erst seit 1803 zu Hessen, bis dahin hatte Kurpfalz die Oberhand. Das Adelsgeschlecht der Herren von Hirschhorn hatte Hirschhorn (Farbabb. 21) zu Lehen, es verfügte über weit verstreuten Besitz von Weißenburg bis Ingelheim. 1404 stifteten die Herren von Hirschhorn das Karmeli-terkloster. 1529 führten sie die Reformation ein und hoben das Kloster auf. Doch 1629 mußten sie die Wiedereinrichtung des Klosters zulassen, für den lutherischen Gottesdienst wurde eine eigene Kirche nötig. Beim Aussterben der Hirschhörner 1636 kam es gänzlich zur Rekatholi- sierung durch Kurpfalz. Daran änderte sich beim Übergang an Hessen nichts, nur das Kloster wurde erneut aufgehoben.
Die hochmittelalterliche Burg war ursprünglich dreiflügelig. Eine um 1200 entstandene Schildmauer mit Eckbuckelquadern schützt gegen die nördliche Hangseite und ist westlich mit einem schlanken quadratischen Turm verbunden, der wohl aus dem 14. Jh. stammt. Die Schild¬mauer bildete den rückwärtigen Abschluß eines dreiseitigen Hofs; der westliche Seitenflügel ist bis auf das Sockelgeschoß abgebrochen, dem östlichen fehlt das Obergeschoß. Dies ist der ehern, frühgotische Palas mit gekuppelten Fenstern nach Osten und Kaminresten im Norden im Verlauf der Schildmauer (beim Aufstieg zum Turm geht man an ihnen vorbei). Südlich ist ihm der quadratische Eingangs- und Kapellenbau vorgelagert (Hoteleingang). Die Urkunden zufolge von 1345-50 erbaute ehern. Kapelle im Obergeschoß (Hotelbereich) enthält aus der Spätgotik in zwei Reihen Wandmalereien zur Passion Christi (Einzug in Jerusalem, Abend¬mahl, Christus am Ölberg, Kreuztragung, Kreuzigung, Kreuzabnahme, segnender auferstande¬ner Christus). 1582-86 erweiterte man die Kernburg, indem man nach Osten einen neuen höheren Saalbau der Renaissance anbaute und nunmehr der mittelalterliche Palasrest als Kern der Anlage seinerseits wie ein Anbau an diesen Saalbau wirkt. Dieser unter Maria von Hirsch¬horn geb. Hatzfeld vollendete Flügel fällt schon vom Tal her durch den pilastergeschmückten Giebel mit zwei Blendmaßwerkrundfenstern sowie die rekonstruierte Architekturbemalung (Pilaster und Diamantquader) auf; im Innern hat er Ofenstellen mit Datierungen und Stein¬metzzeichen des Baumeisters. Gleichzeitig erneuerte man auch die Obere Vorburg samt Burg¬tor, die, wie die Untere Vorburg im frühen 15. Jh. angelegt worden war.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 7

827 hatte die soeben vollendete Eigenkirche des Biographen Karls des Großen, Einhard (770-840), die Einhardsbasilika in Steinbach, die Gebeine der um 299 unter Diocletian er¬mordeten Märtyrer Marcellinus und Petrus aus Rom aufzunehmen. Allerdings verbrachte man diese bedeutenden Reliquien schon 828 nach Seligenstadt, so daß die Basilika Einhards keine besonders große Bedeutung erlangte und trotz einiger Umbauten der karolingische Kern erhalten blieb. 1073 wurde die Kirche von Lorscher Benediktinerinnen zur Gründung einer kleinen Propstei genutzt und diese 1232 in ein Nonnenkloster umgewandelt, das lange Zeit als Grablege der Erbacher Grafen diente. 1535 aufgehoben, wurden die Klosterbauten ab 1542 zum Spital. Einschneidend waren der Abbruch der Seitenschiffe kurz nach 1300 und die Ver¬mauerung der Mittelschiffarkaden. Ein Teileinsturz 1855 machte weitere Erneuerungen not¬wendig. Das ohne eigentlichen Dachstuhl, also ohne senkrechte Stützhölzer (nur aus den Sparrengebinden) errichtete hölzerne Dachwerk entstammt einer Erneuerung von etwa 1170. Berühmt ist Steinbach heute als Torso einer karolingischen Kirche, denn aus der Zeit Einhards stammen das Mittelschiff, die Krypta und der nördliche Nebenchor. An den Stellen der karolin¬gischen Seitenschiffe hat man 1972-74 neue Seitenschiffmauern zur Stabilisierung des Mittel¬schiffs errichtet; aber die meisten späteren Veränderungen sind inzwischen wieder verschwun¬den. Die karolingische Basilika hatte ein Langhaus von sechs Jochen, an das sich im Mittelschiff und den beiden Seitenschiffen je ein Chorjoch in einer querhausartigen Anordnung anfügten, jeweils mit einer Apsis versehen. Unter den Ostteilen der Kirche befindet sich die bedeutende bruchsteingemauerte und überkälkte Gangkrypta aus drei Längsgängen, die etwa in der Mitte des Langhauses ansetzten und in den Seitenschiffen die Treppenzugänge enthielten, sowie unter den Chorräumen einen Quergang, der sich mit den Längsgängen kreuzt. Die ehern. Basilika in Steinbach ist in einer für ihr Alter seltenen Vollständigkeit erhalten und zählt damit neben der karolingischen Stiftskirche in Hersfeld und der Abteikirche in Seligenstadt zu den drei wichtigsten karolingischen Kirchenbauten Hessens. – An das Nordquerhaus wurde im 12. Jh. in sorgfältigem Quadermauerwerk ein Flügel angesetzt, der vielleicht als Winterkirche diente, hofseitig sieht man deutlich die Gerüstlöcher der jüngeren Aufstockung, die dieser Technik nach jedoch kaum aus dem 16. Jh. stammen kann, in das dieser Teil allgemein datiert: Auslegergerüste waren im 16. Jh. nicht mehr üblich.
Die Stadt Erbach kann man ihrer Anlage wegen als eine der merkwürdigsten Städte in Hessen bezeichnen. Die gleichnamigen 1095 erstmals erwähnten Grafen besaßen hier eine Wasserburg. Im frühen 14. Jh. ließen sich Burgmannen neben der Burg nieder und bildeten eine kleine städtische Siedlung, 1321 erwähnt (>Städtel<), in der jedoch die für Städte sonst so typischen Handwerker, Kaufleute usw. fehlten. Außerhalb der Ummauerung dieser aus rund einem Dutzend Anwesen bestehenden Stadt (zum Vergleich: die Marburger Altstadt hat 700 Häuser und Höfe) bildete sich eine unregelmäßige kleine Streusiedlung, in der die zur Versor¬gung des Schlosses notwendigen Handwerker siedeln konnten; es entstanden einfache Fach¬werkhäuser, die altersmäßig kaum über das 17. Jh. zurückreichen. Vielleicht, doch dies ist nur eine Hypothese, hat sich in Erbach jene Frühform einer städtischen Besiedlung erhalten, wie wir sie in anderen Orten vor der eigentlichen Gründung bürgerlicher Städte im 11. und 12. Jh. zu vermuten haben.
Die mittelalterliche Burg, von der noch der Bergfried mit Buckelquadermauerwerk der Zeit um 1200 sowie ein Helm von 1497 besteht, wurde mehreren Baudaten zufolge im 16. Jh. aus¬gebaut (Kanzleibau 1540, Alter Bau 1550; Portal und Giebel Ende 16. Jh.) und erneut im 18. Jh. Seinerzeit entstand der schlichte stadtseitige Barockßügel (1736), 1902 durch barocki- sierende Dekorationselemente aus Blech bereichert; das Schloß war 1893 bei einem Brand be¬schädigt worden. Diese Fassade bestimmt heute den äußeren Eindruck. 1893/94 begann die Erneuerung des Schlosses. Zuvor schon hatte man (1863) eine aus dem späten 17. Jh. stam¬mende Deckentäfelung in der Hirschgalerie eingebaut, sie stammt aus der Abtei Rot an der Rot. Von großer Bedeutung sind die Sammlungen, die vielfach schon Graf Franzi. (1754-1823) zusammengetragen hatte; er war auch der Begründer der Elfenbeinschnitzerei in Erbach (1783), die ihren Ruf bis heute bewahrt hat. Für die Sammlungen wurden 1805 wichtige früh- historistische Räume geschaffen, nämlich die beiden Römischen Zimmer im klassizistischen Stil und der Rittersaal im spätgotischen Stil. Die Sammlungen enthalten Rüstungen und früh¬neuzeitliche Waffen (Rittersaal), antike Vasen und Grabungsfunde aus Herculaneum und Tivoli (Römische Zimmer), die Familiengrabmäler aus Steinbach sowie Glasmalereien aus Altenburg; schließlich lockt die umfangreiche Sammlung historischer Gewehre (vielfach reich dekorierte Jagdwaffen) die Besucher an.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 6

Die evang. Stadtkirche ist eine 1461 mit Errichtung des Chors begonnene spätgotische Anlage, der eine karolingische Kirche (aus der Zeit Einhards) vorausging. An der Westseite findet sich außer der Jahreszahl 1490 auch das Meisterzeichen des Amorbacher Meisters Hans Eseler, der 1487 auch den Chorneubau der Pfarrkirche in Fränkisch-Crumbach errichtet hatte. Ein Einsturz der Chorgewölbe machte deren Erneuerung 1543 durch den Heidelberger Bau¬meister Moritz Löchler nötig, ein Jahr vor der Reformation durch die Erbacher Grafen. Löchler hatte im Jahr zuvor die Eberhardskapelle als Anbau am Südseitenschiff errichtet. Zum Einbau eines Mittelschiffgewölbes kam es allerdings nicht mehr; die dortige Barockdecke ent¬stand 1733. Aus der Ausstattung sind neben der klassizistischen Orgel (1804-07, Franz Stumm) vor allem die Grabdenkmäler der Grafen von Erbach hervorzuheben. Ihre Reihe beginnt im 14. Jh. Bedeutend sind namentlich die drei Alabasterwandgräber im Chor für Georg III. (J1605) und Friedrich Magnus (J1618) von dem Renaissancebildhauer Michael Kern, sowie für Johann Casimir (f 1627).
Als 1938 die Synagogen in Deutschland in Brand gesteckt und die jüdischen Geschäfte geplündert wurden, blieb auch Michelstadt nicht verschont. Während das Innere verwüstet wurde, blieb das Bauwerk jedoch erhalten. Die 1791 am Rande der Altstadt in der Mauerstraße errichtete Synagoge, ein kleiner spätbarocker Bau mit rundbogigen Fenstern, an der rechten Seite einem Erker, wurde Ende der 1970er Jahre wiederhergestellt (Museum jüdischer Alter¬tümer). Der Stadtkern hat noch zahlreiche Fachwerkhäuser bewahrt, deren älteste aus dem späten Mittelalter stammen (Braunstr. 7,1443 d, Untere Pfarrgasse 21,1456 d, Burgmannenhaus der Grafen zu Erbach). Beim Durchwandern der Altstadt wird man auch einige bedeutende Fachwerkhäuser des 16. Jh. und der Barockzeit finden. Von den fünf Brunnen stammen zwei aus dem 16. Jh.
Schloß Fürstenau im nahe gelegenen Vorort Steinbach ist eine spätmittelalterliche Anlage. Heute ist das Bauwerk von einem kleinen Wäldchen umgeben und fällt erst aus unmittel¬barer Nähe auf. Dies entspricht sicher nicht dem Eindruck, den unsere Vorfahren vor einem halben Jahrtausend von einer solchen Burg hatten. Seinerzeit stand sie frei im Tal, war von weither zu sehen und gewährleistete einen guten Ausblick, schon aus Gründen der Sicher¬heit. Heute fallen zuerst der am Mümlingbach gelegene Pavillon aus dem Jahre 1756, ein recht aufwendiger Barockbau, sowie die Schloßmühle auf. Diese entstand im späten 16. Jh. (Portal 1733 erneuert) und liefert mit ihrem reichen Renaissancegiebel mit ausladendem Schweifwerk einen Vorgeschmack auf die Renaissancekunst, die uns am Schloß selbst erwartet. Zunächst durchschreitet man den Torhau von 1765 und gelangt in den Wirtschaftshof, dessen Gebäude dem 16. bis 18. Jh. angehören – Wirtschaftsbauten dienten der Versorgung des einst völlig wasserumflossenen Schlosses und waren wichtige Bestandteile einer solch aufwendigen Anlage. Dem Kernschloß vorgelagert sind die Beschließerei aus dem 16. Jh. (Fotoausstellung zur Einhardsbasilika) und das klassizistische Neue Palais, 1810. Das Schloß aus drei mächti¬gen Flügeln wird durch einen weitgespannten Schwibbogen bestimmt, der den Hof abschließt und die Seitenflügel verbindet. Ein Wappenstein an der Galerie datiert ihn in das Jahr 1588. Die Flügel sind im Kern älter. Während ihre einst figürlich bemalten Hoffassaden mit Wendeltreppentürmen in den Hofwinkeln den Umbau der Renaissancezeit widerspiegeln, zeigt sich an der Außenseite das Mittelalter, besonders auffällig am bergfriedartigen hohen Eck¬turm aus Quadermauerwerk, der in der Renaissancezeit eine neue Haube erhielt. Der Innenhof des Schlosses ist zugänglich; das Innere mit seiner bemerkenswerten offenen Wendeltreppe (in Straßburg und Mergentheim gibt es Vergleichbares) und den Räumen mit Ausmalungen ist üblicherweise aber nicht zu besichtigen. Im südöstlichen Turm ist ein Raum mit Malereien in das Jahr 1542 datiert, im nordwestlichen in das Jahr 1563. Den Humor eines Landsknechtes braucht man, um sich an dem Bild des Strebkatzspiels zu erfreuen (Strebkatzzimmer im Süd¬osten): Ein Seil wird um den Hals zweier miteinander kämpfender (spielender) Landsknechte gelegt und mit der Kraft der Halsmuskulatur muß man den jeweils anderen zu sich ziehen. Der Clou langweiliger Landsknechtstage: Zwischen beiden steht ein Kessel kochenden Wassers auf einem Lagerfeuer.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 5

Das eindrucksvolle Renaissancewappen (1574) des Philipp von Rodenstein kennzeichnet das ehern. Kellereigebäude, also den Sitz seiner Güterverwaltung in Fränkisch-Crumbach (Darm¬städter Str. 3) unmittelbar vor der gotischen Kirche. Mit barocken Stein- und Fachwerkbauten ist das Ortsbild insgesamt noch recht reizvoll.
Die Ruine der Burg Lindenfels liegt auf einer Anhöhe des Odenwaldes zwischen Michel¬stadt und Bensheim. 1208 wurde sie erstmals erwähnt, mag aber als Sitz eines gleichnamigen 1123 gen. Grafengeschlechts schon lange zuvor bestanden haben. Erst im 18. Jh. verfiel sie. Die Wehrmauern der polygonalen Anlage sind samt dem gotischen Tor noch leidlich erhalten, vom Palas das Kellergeschoß und eine Giebelwand. Von weiteren Gebäuden, darunter dem Bergfried im Hof, sieht man Grundmauern. Das heutige Burgtor war an sich ein Stadttor, erst 1857 hatte man es hierher versetzt. Unterhalb der Burg befindet sich der kleine Ort, 1336 zur Stadt erhoben, in Teilen noch von einer Stadt¬mauer umgeben, von der der Bürgerturm und das Fürther Tor bemerkenswert sind. Beide stammen aus dem 15. Jh., letzterem wurde 1634 noch ein äußeres Tor vorgestellt. Die kath. Kirche vor der Burg wurde 1745 ge¬weiht und mit drei Altären aus der Heilig- Geist-Kirche in Heidelberg ausgestattet, die aus dem beginnenden 18. Jh. stammen. Den Entwurf zum Kirchenbau hatte vermutlich Kaspar Valerius schon 1727 geliefert. Das kath. Pfarrhaus ist ein 1750 entstandener Barockbau. Im benachbarten Rathaus, nach 1737 wohl von Joh. Jakob Rischer als kur¬pfälzisches Oberamtsgebäude errichtet, ist heute das Museum untergebracht. Die evang. Stadtkirche erbaute man 1823-25 nach Plä¬nen von Georg Möller.
Die Burg Reichenberg der Herren von Erbach wurde um 1230 oberhalb des heutigen Ortes Reichelsheim angelegt und im 16. Jh. ausgebaut. An die inzwischen verfallene Schildmauer baute man 1554 einen Wohnbau an. In der Vorburg befindet sich eine kleine spätgotische Burg¬kapelle. Die ortsbildprägende evang. Pfarrkirche hat einen spätgotischen Chorturm und ein barockes Langhaus, 1716-25. – Die spätgotische evang. Pfarrkirche in Kirch-Brombach (erneuert 1715-19) war einst dem hl. Alban geweiht. Ein prächtiges spätgotisches Werk (nach 1518) ist der Flügelaltar mit den Statuen des Heiligen und seiner Gefährten; auf den gemalten Flügelinnenseiten findet sich u. a. eine Abbildung des Klosters St. Alban in Mainz. – Eine weitere kleine Burg verbirgt sich in der Schloßanlage von Bad König. Hinter einem 1559 für Georg I. von Erbach-Fürstenau weitgehend erneuerten Schloßflügel mit Tordurchfahrt und barocker Fassadenbemalung bilden die Kirche aus einem Turm von 1479 und dem Langhaus von 1750/51 sowie das Kammergebäude einen kleinen Innenhof. Benachbart steht das 1771 von Franz Ludwig von Cancrin erbaute Neue Schloß.
Eine Mark Michelstadt und vermutlich auch ein Wohnplatz finden 741 eine erste Erwäh¬nung. 815 verschenkte Ludwig der Fromme diese Mark an Einhard, den Chronisten Karls des Großen. Dieser gab den Besitz später an das Kloster Lorsch weiter. 821 wird eine Marienkirche genannt, jedoch ist von dieser karolingischen Kirche nichts stehengeblieben. Seit dem 13. Jh. war Michelstadt Sitz einer Nebenlinie der Schenken und späteren Grafen zu Erbach, die ihrer¬seits Mainzer Burgmannen waren. Sie hatten im Ort eine Burg, südlich des Rathauses gelegen, die nach dem Aussterben der Linie 1531 zur gräflichen Kellerei umgewandelt wurde. Eine zweite Burg entstand abseits des Ortes nahe der Einhardsbasilika in Steinbach, zunächst als Burg der Mainzer Erzbischöfe zur Sicherung der Abtei Lorsch gegen Kurpfalz; 1355 ging sie vorläufig, 1454 endgültig in Erbachischen Besitz über. Als Stadt wurde Michelstadt spätestens im 13. oder frühen 14. Jh. ausgebaut, wie die damals errichtete Stadtmauer bezeugt. Ihre Mauer¬teile sind verschiedentlich noch erhalten, nahe der Synagoge mit einem kleinen, nahe der Kellerei mit einem großen Turm, dem Diebesturm.
Die sog. gräfliche Kellerei folgt dem Bau der 1307 vom bayerischen Herzog geschleiften Burg, die wohl schon um 960 entstanden war. Die Stadtburg diente damals als Sitz eines Vogts, in der Neuzeit reduzierte sich ihre Bedeutung auf die Funktion als Kellerei. Sie reicht in ihren sichtbaren Bauteilen kaum über die Jahre um 1500 zurück. Der mittlere Teil wurde 1506 als selbständiges Bauwerk errichtet und noch im 16. Jh. erweitert. Der westlich stehende ehern. Speicherbau ist am Giebel >1517< datiert und erhielt 1539 eine hofseitige Freitreppe (heute Museum). Das Amtshaus an der Nordseite zeigt die Jahreszahlen 1549 und 1621, dürfte im Kern jedoch spätmittelalterlich sein.
Das Michelstädter Rathaus ist einer der bekanntesten und meistfotografierten Fachwerk¬bauten Deutschlands. Zweimal liest man die Inschrift >1484< (die >4< ist in gotischer Schreib¬weise als unten offene halbe >8< geschrieben). Das schmale zweistöckige Gebäude paßt sich mit seinem steilen Dach und dem Halbwalm sowie zwei Eckerkern unseren Vorstellungen von gotischer Baukunst an. Die offene Halle im Erdgeschoß ist typisch für ein Rathaus; solche Hallen konnten sowohl als Markt- wie als Gerichtsstätte dienen. Das Rathaus verkörpert gemeinsam mit den Rathäusern in Frankenberg und Alsfeld den Übergang von der spät¬gotischen bzw. spätmittelalterlichen zur frühneuzeitlichen Architektur in besonders ein-drucksvoller Weise.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 4

Als Höhenburg ist Burg Breuberg (Neu¬stadt i. O.) ein mittelalterliches Bauwerk. Eine Vorburg und ein äußerer Burghof um¬geben den dicht bebauten inneren Burghof, der nur geringe Veränderungen im 16. Jh. er¬fahren hat. Den äußeren Burghof rahmen hin¬gegen bedeutende Renaissancebauten, näm¬lich das ehern. Wachthaus mit dem Torbau im Südosten und der Johann-Casimir-Bau im Südwesten, die im rechten Winkel zuein¬ander stehen; der anschließende Löwenstein- sche Kanzleibau und das Zeughaus sind nur noch als Ruinen erhalten. Der Torhau mit seitlichem Treppengiebel und Sandstein-Qua¬derfassade im Torbereich kann 1499 entstan¬den sein, doch der >1499< bezeichnete Wap¬penstein des Grafen Michel zu Wertheim über dem Tor ist in der heutigen Form ein Stein der Jahre um 1900 (1499 hätte der Wappenstein noch spätgotisch ausgesehen). Hingegen ist die Bauinschrift >1513< am Quadersockel des Johann-Casimir-Baues glaubwürdig, in spätgotischem Duktus gehalten. Die oberen Mauer¬teile aus Bruchstein gehören erst dem frühen 17. Jh. an. Der durch einen inneren Wendel¬treppenturm erschlossene Bau fällt durch die reiche hofseitige Beschlagwerkbalustrade auf, über der sich heute ein jüngerer Fachwerkaufbau befindet. Einst handelte es sich um einen offenen, durch Konsolen gestützten Laufgang vor diesem Flügel. Eine Inschrift nennt den Bau¬herren Johann Casimir und die Jahreszahl 1613. Von außerordentlicher Bedeutung ist die Stuckdecke im Saal des Hauptgeschosses. In der mittleren Bahn finden sich die Ahnenwappen des Grafen, gerahmt von antiken mythologischen Figuren, dem Stukkateur Eberhard Fischer aus Babenhausen zugeschrieben, ähnlich der Decke im Einhardhaus in Seligenstadt. Eine weitere Inschrift, >1528<, ein für die Baukunst in Deutschland ungewöhnlich frühes Beispiel der antikisierenden Schreibweise der Renaissance, datiert das Portal des inschriftlich genannten Baumeisters bzw. Steinmetzen Hanns Stainmiller am ehemaligen Wertheimer Zeughaus. Es handelt sich um ein sehr ungewöhnliches Portal, auf dessen Architrav sich zwei Viertelkreis¬bögen und zwischen ihnen ein Fensterchen mit einer vollplastischen Büste und der besagten Jahreszahl finden. Die Kernburg ist allseits nahezu vollständig von Gebäuden umgeben, und den Platz des kleinen Innenhofs nimmt zudem ein mächtiger, annähernd quadratischer Berg¬fried ein. Die Treppengiebel der Flügel kennzeichnen mittelalterliche Entstehungszeit, auch wenn man am Oberen Saalbau einen Erker mit der Jahreszahl 1553 entdecken wird. Jüngster Bau des Hofs soll das Erbacher Herrenhaus südlich des Bergfrieds sein (1568). Der Altbau nörd¬lich des Bergfrieds enthält die 1357 erstmals erwähnte Burgkapelle. Das Fachwerk-Amtshaus mit einer Bohlenstube im Obergeschoß und einer Decke aus Bohlen und Balken im Erdgeschoß entstand 1448 (d); die Elemente der Bauausstattung erinnern an süddeutsches Fachwerk.
Die katzenelnbogensche Burg Lichtenberg (Fischbachtal) bestand seit dem 13. Jh. und gelangte mit deren Aussterben 1479 an Hessen. Mit der Teilung der Landgrafschaft 1567 unter den Söhnen Philipps des Großmütigen – Georg I. erbte den südlichen Teil mit Darmstadt als Residenz – begann eine Blütezeit der weithin sichtbaren Höhenburg: Sie wurde 1570-81 zu einem markanten dreiflügeligen Renaissanceschloß ausgebaut, und nur in der Vorburg blieben mittelalterliche Mauern sichtbar. Die Bauleitung hatte der wichtige, aus Kassel stammende Baumeister Jacob Kesselhut, der zunächst die Alte Burg zu modernisieren hatte, um an-schließend den Neubau zu errichten. In den Formen orientierte er sich an den anderen Bauten der Landgrafen, darunter dem Kasseler Residenzschloß Philipps des Großmütigen (Giebel). Die drei Flügel erhielten an den Ecken Dachausbauten mit Giebeln und Zwerchgiebeln, die sich optisch zu einem vierten Geschoß zusammenschließen und dem Schloß aus der Ferne einen geradezu kastellartigen Eindruck verleihen. Die mittelalterlichen Teile der Burg, der nördlich das Renaissanceschloß abschließende Winkelbau und die ausbauchende Mauer des Ostflügels, sind entweder zerstört oder ab 1570 überformt worden. Nur der Torbau zu dem kleinen vorgelagerten Städtchen und der angebaute Marstall sind erkennbar spätmittelalterlich. Im Hof befindet sich ein gut gestaltetes Renaissanceportal mit dem Wappen des Bauherren und seiner Gemahlin, Magdalena zur Lippe (eine Schwester des befreundeten, in Brake bei Lemgo residierenden Grafen Simon VI. zur Lippe). Der Ostflügel enthält eine schlichte Kapelle, der Südflügel einen Saal mit geometrischer Stuckdecke, ebenso wie bei dem Hofportal nach dem Vorbild des Architekturtraktats des Italieners Sebastiano Serlio. Derartige mittelbare Bezüge zur italienischen Renaissance, vermittelt durch Bücher und Drucke, sind im Deutschland des 16. Jh. die Regel gewesen. – Auf dem Hügel gegenüber dem Schloß errichtete man im späten 15. Jh. ein Bollwerk, das der Sicherung des Tales diente und mit Kanonen bestückt werden konnte.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 3

Erst 1967 entdeckte man unter der evang. Stadtkirche von Groß-Umstadt die Grund¬mauern einer römischen Villa, die zwischen der Mitte des 2. und der Mitte des 3. Jh. benutzt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert in das Jahr 743. Mit einem Kirchenbau des 9. Jh. wurde die heutige Mittelschiffbreite festgelegt, im 13. Jh. fügte man Seitenschiffe an; auf diesen Fundamenten entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jh. die heutige Kirche (Chor um 1460, Langhaus um 1490), die durch ihre Balkendecke über den gotischen Arkaden recht nüchtern wirkt; nur der Westturm gehört über einem älteren Untergeschoß den Jahren 1372-95 (d) an. Ausgestattet ist das Bauwerk mit gotischen Wandmalereien, die ver¬schiedene Heilige zeigen, ferner mit einem geschnitzten spätgotischen Chorgestühl. Die Werk-statt des Bambergers Adam Philipp Schleich schuf 1699 die auf der Westempore aufgestellte Orgel, deren Spielwerk man zuletzt 1960 erneuerte. – Das benachbarte Rathaus ist nicht nur ein bedeutendes Bauwerk der späten Renaissance, sondern zudem ein gutes Beispiel für die Unzuverlässigkeiten von Bauinschriften. Am Portal liest man >1596<, an der Bekrönung dar¬über >1625<. Doch das Rathaus wurde eindeutig 1604-06 errichtet, das Portal von anderer Stelle übernommen und die Bekrönung erst 1902 (mit der falschen Jahreszahl 1625) geschaffen. Für die imposanten Beschlagwerkgiebel diente das soeben errichtete Wamboldt-Schloß als Vorbild. Von der großzügigen Halle im Erdgeschoß ist ein Altan abgeteilt, im Obergeschoß gab es Rats¬stube und Kammern. Einen Marktbrunnen hat man bereits 1547/48 aufgestellt, die Brunnensäule (wahrscheinlich auch das Becken) stammt aus dem Jahre 1714. – Die in der Hanauer Gasse gelegene Synagoge wurde keineswegs zwischen 1933 und 1945, sondern erst 1979/80 >zugunsten< einer Gedenkplakette abgebrochen, im >Hessenpark< entstand als Alibi ein Nach¬bau unter Verwendung von Steinmaterial aus Groß-Umstadt.
Die an sich sehr bescheiden dimensionierte Altstadt fällt dadurch auf, daß sie mehrere Schlösser und Adelshöfe beherbergt. Einschließlich des erst 1963 abgebrochenen Curti- Schlosses (1590-96) – der Nachfolgebau stellt auch nicht die mindesten Anforderungen an den architektonischen Geschmack – kann man zumindest sieben Höfe zählen. Vielfach sind sie nahe der Stadtmauer untergebracht. Bedeutendster unter den erhaltenen ist das Wamboldt- Schloß, Curtigasse 6. Die hufeisenförmige Anlage ist durch Bauinschriften in die Jahre 1600-02 datiert, zumindest Nord- und Westflügel gehören dieser Bauperiode an, und hier finden wir im Innern auch eine bauzeitliche geometrische Stuckdecke. Der Südflügel wurde wohl erst 1681 hinzugefügt oder grundlegend erneuert. In die Straße hinein schiebt sich das aus Fachwerk konstruierte Jägerhaus, 1609. Weitere Adelshöfe sind Brunnengasse 14, vielleicht ein Adelshof der Familie von Praunheim (Besitzer bis 1560), das Rodensteiner Schloß (Roden¬steiner Str. 3, 1540, verändert 1789) mit einem hofseitigen Treppenturm und gegenüber der ehemalige Hof der Familie von Heddersdorf (Rodensteiner Str. 4, 16. Jh.). Das Darmstädter Schloß nördlich der Pfarrkirche (Hanauer Gasse 15), genannt nach seiner hessischen Zeit, war die klösterliche Vogteiburg, später im Besitz der Herren von Hanau (Teilbesitzer der Stadt), ab 1524 hessisch. Spätmittelalterliche Bauteile, am hofseitigen Wappenstein bezeichnet 1465, wurden 1727/47 ausgebaut. Parallel dazu gibt es ein Pfälzer Schloß (Pfälzer Gasse 16) an der Südwestecke der Altstadt, das größte Schloßgebäude. Schon seit 1390 war es pfälzisch. Das heutige Gebäude wurde um 1450 errichtet und 1739 im Innern sowie 1806 nochmals im Ober¬geschoß erneuert. Sicher schon im 14. Jh. wurde die Altstadt nach Süden durch eine Vorstadt um zwei parallele Straßen erweitert, die teilweise mit großzügigen Höfen bebaut wurden, zu erwähnen ist besonders die Hintergasse. – Im östlich gelegenen Dörfchen Radheim (Schaaf¬heim) überrascht die kath. Pfarrkirche mit einer Rokokoausstattung und drei spätgotischen Holzstatuen des Meisters der Mosbacher Kreuzigung. Diese namengebende Kreuzigung, um 1520, befand sich in der Johanniterkirche in Mosbach (Schaafheim) und wird heute im Landes¬museum in Darmstadt aufbewahrt.
Der südliche Zipfel Hessens bis hin zum Neckar wird von den Anhöhen des Odenwaldes eingenommen. Ähnlich dem westlichen Taunus handelt es sich um ausgesprochene Burgen¬landschaft, wie an den Höhenzügen entlang der Weinstraße bereits bemerkt wurde. Als eine Höhenburg mit zentralem Bergfried überragt die Burg Otzberg die Burgmannensiedlung Hering (Gde. Otzberg) und ist festungsartig mit doppelten Mauern gegen Eindringlinge ge¬sichert; hierbei handelt es sich um den jüngsten Ausbau aus dem 16. Jh. Der Torbau gehört gleichfalls diesem Ausbau an (1511, Umbau 1543), ursprünglich ein Tor mit Zugbrücke. Auf der Innenseite befindet sich gleich neben dem Tor ein Brunnenhäuschen. Inmitten der Burg¬anlage steht der runde Bergfried mit einem rundbogigen Zugang im oberen Geschoß, um 1200. Das zweiflügelige Kommandantenhaus des späten 16. Jh. mit Treppenturm im Hofwinkel vertritt den Typ eines kleinen Adelssitzes der Renaissancezeit. Ein zweigeschossiger Bau des 15. Jh. steht an der Südseite der Burg noch unter Dach. Leider haben Renovierungen 1993/94 durch das Hessische Staatsbauamt zu den von der Fachwelt immer wieder auf das heftigste kritisierten Beeinträchtigungen des historischen Charakters geführt. Der bereits in früher Zeit bestehende Ort dürfte 766 von Pippin dem Kloster Fulda geschenkt worden sein, eine Burg wird erstmals 1231 erwähnt; 1390 gelangte sie in pfälzischen Besitz, erst 1803 kamen Burg und Ort an Hessen. – Wohnbau und Torturm des Schlosses Nauses (Otzberg-Ober-Nauses) stammen in den älte¬sten sichtbaren Teilen aus den Jahren um 1500. Das reizvolle Örtchen Lengfeld an der Auffahrt zum Otzberg hat ein ehern. Rathaus mit Straßendurchfahrt, 1717.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar 2

Ein Mithras-Heiligtum im Museum von Dieburg läßt ahnen, mit welch alter Siedlung wir es hier zu tun haben. Die römische Stadt, mit einer Stadtmauer befestigt, war zudem größer als die mittelalterliche, die wir heutzutage besuchen können. Die kleine Altstadt ist trapez¬förmig und hat ein weitgehend rechtwinkliges Straßensystem. Die unregelmäßige westliche Begrenzung der Altstadt wird durch die Gersprenz gebildet (hier gibt es auch noch Stadt¬mauerreste, sonst ist die Altstadt nur durch die Umgrenzung des Herrengrabens hervor¬gehoben), jenseits des Flüßchens befindet sich im Nordwesten die ehern. Wasserburg (Albini- sches Schloß, heute Landratsamt). Die mittelalterliche Anlage war quadratisch und wurde kastellartig von einer Wehrmauer mit Eckrondellen geschützt. Der allein erhaltene Südflügel von 1809 enthält zweifellos Teile des mittelalterlichen Mauerwerks; nach dem damaligen Bau¬herren von Albini hat das Schloß heute seinen Namen. Die Stadt als späterer Besitzer trieb Schindluder mit dem Erbe und setzte in den 60er Jahren des 20. Jh. einen hohen Büroblock in die Schloßanlage; die Ausstattung des Altbaues (bemalte Wandtapeten) wurde entfernt oder gar vernichtet.
Hauptstraße der Altstadt ist die Zuckerstraße, die am Rande des Marktplatzes mündet. Mittelalterliche Fachwerkhäuser aus den Jahren 1465-68 (d) konnten bei jüngeren Unter¬suchungen entdeckt werden (Marktplatz 23, Zuckerstr. 17 und 19); die dicht beieinanderliegen¬den Baudaten lassen auf einen Bauboom schließen. Deutlich älter sind Zuckerstr. 4 (1383), Zuckerstr. 5 (um 1360) und Zuckerstr. 7, mit einem Entstehungsjahr 1358 (umgebaut 1437 und um 1600) das älteste bekannte Haus Dieburgs; Haus Nr. 8 zeigt Renaissancedekor. Einen modernen Brunnen schuf Bonifatius Stirnberg (Aachen). In der Parallelstraße fanden 1828 das ehern. Rathaus bzw. 1834 das ehern. Kreisamt ihren Platz, beides klassizistische Bauten des Mollerschülers Georg Lerch. Die kath. Pfarrkirche wirkt durch den historistischen Neubau (1893) für die Altstadt zu groß. Aus dem Vorgängerbau wurde eine aus Leder geformte Pieta übernommen, ein bedeutendes frühes Werk wohl desselben Meisters, der auch die Pieta in der Marienkirche schuf. Die Badgasse trägt ihren Namen nach dem 1579-81 errichteten und noch weitgehend erhaltenen Badehaus (Nr. 10); kulturgeschichtlich ist dies eine Besonderheit in Hessen. Im Nordwesten der Altstadt findet sich an der Eulengasse nahe der Stadtmauer das Fechenbachsche Schloß, ein ehern. Adelssitz, den Johann Pleikard von Ullner 1717 errichten ließ und der 1860 durch den Kreisbaumeister Krauß seine heute sichtbare klassizistische Gestal¬tung erfuhr. – Frühzeitig wurde über die enge Stadtmauer hinausgebaut, so im Südwesten am Steinweg und im Osten die >Altstadt<, die zur kath. Wallfahrtskirche St. Maria östlich der mittelalterlichen Stadt führt. Sie geht auf einen vorromanischen, vielleicht karolingischen Bau zurück, der im 12. Jh. umgebaut sowie nach einem Brand 1216 als dreischiffige Basilika wieder aufgebaut wurde. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. erhielt er einen neuen Chor. Im späteren 15. oder 16. Jh. wurde offenbar das Mittelschiff nochmals erneuert (Obergadenfenster). Eine Barockisierung 1696-1715 bewirkte die aktuelle Erscheinung der Kirche mit ihrem auffallen¬den weit ausladenden Westquerhaus und der Ausrichtung auf den im Westen stehenden Hoch¬altar. Das Innere ist mit bedeutenden barocken Altären ausgestattet, jüngstes Werk davon ist der aus geschliffenem Stuck (stucco lustro) geschaffene Hochaltar aus dem Jahre 1749 (Johann Peter Jäger), der eine lederne Pieta der Jahre um 1420 birgt. Diese ist ein technisch außer¬gewöhnliches Werk, da es sich um eine Skulptur aus Leder mit Mörtelauftrag und Leinwand¬schichten handelt. Der Barockzeit gehören auch die Kanzel (vor 1750), zwei Seitenaltäre, die Orgel (1759, Prospekt von Peter Achtekirch, der auch die Seitenaltäre schnitzte) und mehrere Statuen an. – Das gegenüberliegende ehern. Kapuzinerkloster (1692-1738) dient heute als Justiz¬vollzugsanstalt.
Von der Wasserburg in Klein-Zimmern, im Kern zumindest ein zweiflügeliges Schloß der Renaissance (1603), dürfte mehr erhalten sein, als der Besucher auf den ersten Blick wahr¬nimmt. In Reinheim bei Dieburg ist der Herrenspeicher der Kalbe von Reinheim neben der Pfarrkirche ein bedeutender spätmittelalterlicher Fachwerkbau, wohl erst im 19. Jh. durch einen kleinen Massivbau mit Treppengiebel erweitert. Auch sonst zeigt sich Reinheim noch als recht geschlossenes Fachwerkörtchen. Die Kirche entstand in der Renaissancezeit, 1610/11; vom sog. Amtshaus, dem Herrenhaus des Willichhofs (1695), steht inzwischen allerdings nur noch das Hauptgebäude. Unter den Fachwerkhäusern ist Kirchstr. 32 (um 1600) besonders auf¬fallend verziert. Einige Reste der Stadtbefestigung weisen auf die 1318 erstmals genannten Stadtrechte hin.

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Der Odenwald – vom Main zum Neckar

Bei der ersten urkundlichen Erwähnung von Babenhausen ist der Ort im Besitz der Herren von Münzenberg, die sicherlich auch die Burg angelegt hatten. Nach deren Aussterben 1255 gelangt es an die Herren von Hanau (ab 1458 Residenz) und von diesen 1736 an Hessen. Die Burg ist eine quadratische Anlage, was durch die erhaltenen romanischen Mauerteile schon für den Gründungsbau verbürgt und damit nach dem heutigen Kenntnisstand durchaus ungewöhnlich ist. Mitten im Burghof befand sich ein ebenfalls quadratischer Bergfried. Der romanischen Periode gehören wesentliche Teile der Umfassungsmauern sowie der Westflügel an, der sich zum Hof hin in einigen Arkaden mit besonders ansehnlichen romanischen Kelch¬blockkapitellen öffnet. Dieser Flügel wird durch eine dendrochronologische Datierung in die Jahre um 1200 gesetzt. Nach allgemeiner Auffassung gehört auch der Treppenturm dieses Flügels zur romanischen Substanz, womit es sich um ein ausgesprochen frühes Beispiel handeln würde, was aber angesichts der inneren Backsteinausmauerung und der ausgegrabenen Sockelprofile nicht ausgeschlossen ist. Ein weiterer Treppenturm entstammt der Renaissance¬zeit und hat eine gewundene Spindel. Der Nordflügel und der nördliche Teil des Ostflügels entstammen dem Spätmittelalter, um 1460 (Bauinschrift), teilweise im 18. Jh. aufgestockt. Komplettiert wurde die Anlage 1570-78 durch den Ausbau des Südflügels, so daß ein regelmäßiges vierflügeliges Renaissanceschloß entstand. Jeder Flügel hatte inzwischen auf der Hof¬seite einen Wendeltreppenturm erhalten. Die Zwerchgiebel der Renaissance zeigen Beschlag¬werk, nur die Portale unterliegen der antikisierenden Säulenordnung dieser Epoche; im Innern gehört eine Stuckdecke dieser Phase an. Gleichfalls in der Renaissancezeit wurde der getrennt stehende Pfortbau (1595) erneuert, die Jahreszahl über dem Spitzbogentor nennt das Baujahr 1525; im 18. Jh. wurde ein Mansarddach aufgesetzt. Geschützt wird die Burg seit dem späten 15. Jh. durch eine Bastion mit vier Rundtürmen (Batterietürme für Kanonen).
Auch in der Stadt reichen mehrere Fachwerkhäuser bis in das 15. Jh. zurück (Am Hexen¬turm 22, um 1480; Schloßgasse 15, Neugasse 4). Aus der ursprünglichen einheitlichen Fach¬werkbebauung ragen nur wenige Steinbauten hervor. Wie üblich sind dies die Kirche und die Stadtbefestigung. Die evang. Pfarrkirche besteht aus einem 1383 gestifteten Chor mit seit¬lichem Turm und einem 1472 angefügten dreischiffigen flachgedeckten (leicht stufigen) Hallen¬langhaus, dessen Arkaden die Seitenschiffe deutlich abtrennen. Wandmalereien der ausgehen¬den Gotik (um 1520/25) im Seitenschiff zeigen, daß diese Flachdecke von Anfang an besteht. Wertvollstes Kunstwerk ist der spätgotische Flügelaltar (um 1518), der dem hl. Papst Cornelius geweiht ist und sein Standbild zwischen denjenigen des Nikolaus und des Valentin zeigt; auf den Flügeln weitere Heiligenreliefs und darunter jeweils Reliquienbüsten. Das Epitaph des Burkhardt von Hertinghausen gibt den 1570 Verstorbenen in einer vollplastischen Statue wie¬der. Fünf Grabplatten für Adlige aus der Familie von Hanau schuf 1475 der Bildhauer Hans Merkel. Die Renaissancekanzel mit einer barocken Sanduhr – einst typischer Bestandteil einer protestantischen Predigtkirche – sowie die Orgel von Johann Nikolaus Schäfer, schließlich der spätgotische Taufstein gehören noch zu der reichen Kirchenausstattung.
Als weiterer Steinbau fällt neben dem Brechturm der Stadtumwehrung der Adelshof derer von Babenhausen auf, ein massives Gebäude mit Treppengiebeln von 1544 (Sackgasse 23), 1591 mit dem betonten Portalvorbau zum Keller ergänzt. Häufig wurden Adelshöfe an die Stadtmauer angesetzt, sie schirmen die Stadt von der Mauer ab. In Babenhausen finden sich beide Modelle: Die Stadtbefestigung aus dem 14. Jh. ist zu großen Teilen erhalten, der als Scha¬lenturm (zur Stadt hin offene) Hexenturm steht noch unter Dach; die Konstruktion sollte ver¬hindern, daß sich Angreifer im Turm gegen die Stadt festsetzten. Im Nordosten führt eine Gasse (Zwingergasse) innen unmittelbar an der Mauer entlang, im Westen und Süden schieben sich adlige Grundstücke zwischen Mauer und die nächste Gasse; im Norden der Stadt hat man den Bereich an der Mauer seit dem 16. Jh. zugebaut, was für eine frühe Aufgabe der Mauer in ihrer reinen Wehrfunktion spricht. Mehrere Adelshöfe sind in der Amtsgasse versammelt. Der Hof der Geiling von Altheim am Beginn der Amtsgasse (Nr. 30-33) aus zwei Renaissance¬giebelhäusern (1555/56 bzw. 1578-80) und einem auf der anderen Straßenseite gelegenen Winkelbau aus Stein und Fachwerk ist besonders eindrucksvoll. Das Amtshaus selbst (Amts¬gasse 29, 1560) ist durch zwei Fachwerkgiebel hervorgehoben und hat hofseitig einen Treppen¬turm (1602). – Einen interessanten Vergleich zur Stadt bietet das gut erhaltene Dorf Harres¬hausen (Babenhausen) mit seinen Fachwerkhäusern; ein weiterer sehenswerter Vorort ist Langstadt mit seinem ovalen, einst wohl durch eine Hecke befestigten Ortskern.
1368 erhielt Schaafheim Stadtrechte. Damit mag die Anlage des städtischen Straßensystems einhergegangen sein, das durch seine Rechtwinkligkeit auffällt. Nur der Bereich um die Kirche hat eine unregelmäßige Straßenanlage, die sicher auf die dörflich geprägte Zeit zurückgeht; erstmals erwähnt wurde Schaafheim schon 830. Die evang. Pfarrkirche entstand 1839-41 nach Plänen von Georg Möller und Georg Lerch. Doppelte Rundbogenarkaden mit romanisieren- den Kapitellen bilden eine großzügige, fast theatralische Innengestaltung. Zahlreich ist das Fachwerk, zumeist aus dem 17. bis 19. Jh.; nur das Haus Weedgasse2 geht in die Jahre um 1500 zurück. Auch das Rathaus mit einem Fachwerkstock des 17. Jh. entstammt im Kern bereits einer spätmittelalterlichen Bauperiode. Die Schaafheimer Warte ist ein Rundturm von 1492, nördlich des Ortes in beherrschender Lage errichtet.

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